Nein zu Drogen sagen
 

Eine großangelegte Anti-Drogen-Kampagne wurde am 26. Juni 2004, dem Internationalen Tag des Kampfes gegen Rauschgiftdelikte und illegalen Drogenhandel, in ganz China durchgeführt. Dies ist bereits ein wichtiges Ereignis auf der Tagesordnung der chinesischen Regierung zur landesweiten Durchführung der Kampagne und zur Aufklärung für die Bekämpfung von Rauschgiftdelikten an diesem Tag jedes Jahres geworden. Seitdem es vor 25 Jahren seine Öffnungspolitik eingeführt hat, wird China von Rauschgifthändlern als eine Passage im internationalen Drogentransportnetz betrachtet. Der Hauptgrund ist, dass es an das Goldene Dreieck, ein Gebiet zwischen Myanmar, Thailand und Laos, das für die Drogenproduktion berüchtigt ist, grenzt. Als Folge haben sich Rauschgifte im ganzen Land verbreitet, und die Steigerung der Anzahl der Drogensüchtigen hat viele soziale Probleme mit sich gebracht. Daher schenkt die chinesische Regierung der Bekämpfung von Rauschgiftdelikten große Aufmerksamkeit. Seit der Gründung der ersten professionellen Anti-Drogen-Polizeitruppe im Jahr 1982 hat China im Kampf gegen Rauschgiftdelikte hervorragende Erfolge erzielt.

Von Lan Xinzhen

Ernste Drogenprobleme

Statistiken der Staatlichen Rauschgiftkontrollkommission (Nationale Narcotics Control Commission, NNCC) zufolge wurden 2003 in China insgesamt 1,05 Mio. Drogensüchtige registriert, 5% mehr als 2002. Junge Leute, Arbeitslose und nicht sesshafte Bevölkerungsgruppen machen sich am leichtesten schlechte Gewohnheiten zu eigen. Rund 72,2% der registrierten Drogensüchtigen sind Jugendliche unter 35 Jahren und 643 000 Drogensüchtige Heroinbenutzer. Etwa 2200 der 2863 Kreise und Städte in China haben ein gravierendes Problem mit Drogen.

Luo Feng, stellvertretender Vorsitzender der NNCC, sagte, dass immer mehr Drogensüchtige neben Heroin MDMA (3,4-methylenedioxy-methamphetamine), Ketamine (Beruhigungsmittel für das Zentralnervensystem, das in Klubs populär ist) bzw. eine Mischung dieser Drogen benutzen. „Wir finden, dass ADMA oft in Unterhaltungsstätten wie Gesangs- und Tanzhallen entdeckt wird. Haschischsüchte haben sich im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang und großen und mittelgroßen Küstenstädten zügellos verbreitet. Pethidine (Schmerzmittel) verbreitet sich in den nordöstlichen Gebieten, und CNB (Koffein- und Nateriumbenzoate) greift in Nordchina wie der Provinz Shanxi und dem Autonomen Gebiet Innere Mongolei um sich“, sagte Luo.

Luo wies darauf hin, dass die Drogensucht zu riesigen Wirtschaftsverlusten geführt habe. „Berechnet nach einem Fall, in dem ein Drogensüchtiger täglich 0,3 g Heroin zu sich nimmt, werden jährlich in ganz China mindestens 27 Mrd. Yuan (3,26 Mrd US$) von den registrierten Drogensüchtigen ausgegeben“, so Luo.

Drogenprobleme sind die Wurzel vieler Verbrechen, die die gesellschaftliche Sicherheit gravierend beeinträchtigen. 80% der männlichen Drogensüchtigen begehen Diebstahl, Raub oder Betrug, während 80% der weiblichen Drogensüchtigen sich an den Prostitutionsaktivitäten beteiligen. In einigen Gebieten haben sich Drogensüchtige in 60-80% der Raub- oder Diebstahldelikte verwickelt.

Drogen haben zudem die körperliche und seelische Gesundheit der Drogensüchtigen ernsthaft beeinträchtigt. Seit 1990 sind 39 000 Menschen an der Drogensucht gestorben, und Schätzungen des Gesundheitsministeriums zufolge sind nahezu 55,3% der 840 000 HIV-Positiven durch die gemeinsame Benutzung von Spritzen zur intravenösen Injektion von Drogen mit der tödlichen Krankheit infiziert worden.

Zwei wichtige Quellen

Yang Fengrui, der ständige stellvertretende Direktor des Büros der NNCC, sagte, dass das Drogenproblem in China immer gravierender geworden sei, weil das Land von zwei großen Drogenproduktionsbasen umgeben sei. Das Goldene Dreieck, das weltweit größte Drogenproduzent, liegt südwestlich von China. Der Goldene Halbmond in der Nähe von den Grenzen zwischen Afghanistan, Pakistan und dem Iran ist ein weiterer riesiger Drogenhersteller, der nordwestlich von China ist. Drogen aus dem Ausland sind durch fast jeden möglichen Kanal in China gedrungen.

Im Jahr 2003 erreichten die im Goldenen Dreieck produzierten Drogen 70-80 t, die meisten davon traten über die Grenze zwischen China und Myanmar in China ein. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass die meisten Drogen, die in China verkauft werden, aus dem Goldenen Dreieck kommen.

Die Provinz Yunnan, wo China an Myanmar grenzt, zieht eine große Anzahl von Drogenhändlern an. Sie haben fast alle möglichen Transportmittel, darunter PKWs und LKWs, menschlichen Körper, ja sogar die Postsendung, genutzt. Um Untersuchungen der Polizeibehörden auszuweichen, eröffneten sie sogar eine neue Transitroute über Indien und Nepal nach China. Eine große Menge von Crack wurde über die Grenze in China geschmuggelt und fand einen großen Markt in den nordostchinesischen Gebieten. Seit 1999 haben die chinesischen Polizeibehörden 101 Rechtsfälle mit jeweils mehr als 10 kg Heroin aufgeklärt. Mehr als 9 t Heroin kamen aus dem Goldenen Dreieck.

Der Goldene Halbmond stellt eine weitere potenzielle Quelle der Drogengefahr dar. Ende des letzten Jahrhunderts hatte der Goldene Halbmond als der weltweit größte Opiumproduzent das Goldene Dreieck ersetzt. Statistiken der Vereinten Nationen zufolge belief sich die Opiumproduktion dieses Gebiets im Jahr 2003 auf 3600 t, und im Jahr 2004 wird diese Zahl voraussichtlich über 4000 t erreichen. Haschisch und Kokain sind zwei weitere wichtige Drogen, die im Goldenen Halbmond produziert werden. Während die meisten Produkte nach Europa geschmuggelt werden, ist ein Teil davon in die nordwestchinesischen Gebiete, darunter Xinjiang, Gansu und Shaanxi, eingetreten.

Abgesehen von den beiden wichtigsten Quellen, sehen die südostchinesischen Küstengebiete ebenfalls den Zufluss neuer Typen von Drogen wie Crack, MDMA und LSD (lysergic acid diethylamide).

Internationale Kooperation

Der internationalen Kooperation wird in der Anti-Drogen-Kampagne große Aufmerksamkeit geschenkt, da Drogen von einem Land zum anderen verbreitet werden.

China scheue keine Mühe, um mit den am Goldenen Dreieck grenzenden Ländern zusammenzuarbeiten, sagte Luo Feng. China hat aktiv an den Anti-Drogen-Mechanismen mit einigen Ländern, darunter Laos, Myanmar, Thailand und Indien, teilgenommen.

In diesen internationalen kooperativen Anti-Drogen-Mechanismen spielt China eine wichtige Rolle in den Bereichen Informationsaustausch, gemeinsame Polizei-Aktionen und Anti-Drogen-Ausbildung. Die vier Länder – China, Laos, Myanmar und Thailand – führten im Jahr 2003 eine großangelegte Drogenuntersuchung im Einzugsgebiet des Mekong-Flusses durch, und China hat in der Anti-Drogen-Kooperation mit Myanmar, Laos, Vietnam und Thailand bilaterale Verständigungsmemoranden unterzeichnet.

Im Jahre 2003 führten die Polizeitruppen aus China, Myanmar und Laos gemeinsam 38 Anti-Drogen-Operationen durch, in denen drei Drogenverarbeitungsstätten zerstört wurden und eine große Anzahl von Rauschgiften beschlagnahmt wurde.

Am 12. Februar 2004 klärten Chinas Behörden für öffentliche Sicherheit zusammen mit ihren philippinischen Fachkollegen einen grenzüberschreitenden Drogenschmuggelfall auf, wobei 5 Verdächtige festgenommen und illegales Einkommen von 1,97 Mio. Yuan (237 923 US$) und 296 kg Crack im Wert von nahezu 100 Mio. Yuan (12,08 Mio. US$) ausfindig gemacht und sichergestellt wurden.

Um das Drogenproblem gründlich zu lösen, führt die chinesische Regierung seit den 1990ern mit einigen Ländern, darunter Myanmar und Laos, das „grüne Anti-Drogen-Projekt“ durch.

Das Projekt betont den Ersatz der Anpflanzung von Mohnen durch den Anbau von Getreide und Industriepflanzen. Bisher sind 30 000 ha Mohne durch Getreide ersetzt worden. Die chinesischen Lokalregierungen im Grenzgebiet an Myanmar haben Technik und Kapital eingesetzt, um den Menschen von Myanmar zu helfen, Transport, Energiewirtschaft, Tourismus usw. zu entwickeln. In den letzten Jahren ist die Mohnanbaufläche in Myanmar und Laos um 24% bzw. 15% reduziert worden.

Um den Drogenschmuggel aus dem Goldenen Halbmond zu bekämpfen, sagte Luo Feng, werde China mit den Mitgliedern der Shanghaier Kooperationsorganisation Abkommen über die Bekämpfung des Drogenschmuggels schließen. China sei dabei, mit dem Iran und Russland über Anti-Drogen-Aktionen zu verhandeln.