Kontrolle des Bevölkerungswachstums
 

Der 11. Juli ist der 15. Weltbevölkerungstag. Vor und nach diesem Tag jedes Jahres veranstalten alle Länder verschiederartige Gedenkfeierlichkeiten, um die Aufmerksamkeit der Menschen für die globale Bevölkerungsfrage zu wecken. China ist das bevölkerungsreichste Land der Welt. Im Jahr 2003 zählte die chinesische Bevölkerung nahezu 1,293 Mrd. Menschen, womit sie etwa 21% der Weltbevölkerung ausmachte. Daher hat Chinas Bevölkerungsfrage weltweit große Aufmerksamkeit erregt. Dank der Durchführung der staatlichen Familienplanungspolitik seit den 1970ern ist das rapide Bevölkerungswachstum des Landes effektiv unter Kontrolle gebracht worden. Die Kontrollmaßnahmen ermöglichen der chinesischen Bevölkerung, vier Jahre später als vorausgesagt 1,1 Mrd. Menschen zu erreichen, so dass der Tag, wo Asiens Bevölkerung 3 Mrd. und die Weltbevölkerung 5 Mrd. erreicht, um 3 bzw. 2 Jahre verschoben worden ist. In Übereinstimmung mit dem internationalen Standard zählt China momentan zu den Ländern mit einer niedrigen Geburtenrate.

Von Li Zi

Grundlegende Staatspolitik

Nach der Gründung des Neuen China im Jahre 1949 glaubte man irrtümlich, dass ein Land, je mehr Menschen es hat, desto stärker ist. Dies führte zu einem rapiden Bevölkerungswachstum. In den ersten Jahren der Volksrepublik hatte China eine Bevölkerung von 548 Mio. Menschen. In den folgenden 20 Jahren war eine jährliche Geburtenzahl von mehr als 20 Mio. oder ein durchschnittliches Jahreswachstum von 2% und in vielen Jahren sogar von 2,5% zu verzeichnen. Diese Rate war nicht nur höher als die durchschnittliche Bevölkerungswachstumsrate der Welt, sondern übertraf auch die von einigen Entwicklungsländern und Regionen.

Als einem Land mit einer großen Bevölkerung mangelt es China an Naturressourcen, und seine wirtschaftliche Grundlage und technische Kapazität sind immer noch schwach. Es wird zudem häufig durch Naturkatastrophen heimgesucht. Das rapide Wirtschaftswachstum und der beschleunigte Urbanisierungsprozess haben die Naturressourcen und die Umwelt unter großen Druck gesetzt. Obwohl China hinsichtlich der Bodenfläche weltweit an 3. Stelle rangiert, beträgt seine Pro-Kopf-Ackerfläche aufgrund der riesigen Bevölkerung kaum die Hälfte des Weltdurchschnitts. 666 Kreise haben die Alarmgrenze der Pro-Kopf-Ackerfläche von 0,053 ha, die von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) festgesetzt worden ist, überschritten. Der Pro-Kopf-Besitz an anderen Ressourcen wie Süßwasser, Wald und Grasland macht nur ein Viertel, ein Sechstel bzw. die Hälfte des Weltdurchschnitts aus. Mit dem Bevölkerungswachstum und der Wirtschaftsentwicklung spitzen sich die Widersprüche hinsichtlich der Ressourcen und der Umwelt weiter zu. Daher ist es eine dringende Aufgabe für China, die Gesamtbevölkerung effektiv unter Kontrolle zu bringen.

In den 1970ern begann China, die Familienplanungspolitik als eine Staatspolitik durchzuführen. Die Praxis beweist, dass diese Politik korrekt ist. Sie hat das Bevölkerungswachstum des Landes verlangsamt. In den letzten Jahren der 1990er trat die Arbeit in Bezug auf die Bevölkerung und die Familienplanung in eine neue Periode des stabilen niedrigen Geburtenniveaus ein und erreichte das Ziel, dass die Gesamtbevölkerung Ende des 20. Jahrhunderts unter 1,3 Mrd. Menschen gehalten werden sollte.

Einem Forschungsbericht zufolge wurden in den 28 Jahren (1971-1998) dank der Familienplanung 338 Mio. Menschen weniger geboren. Im Jahre 1971 betrug die durchschnittliche Geburtenrate der chinesischen Frauen 5,44 Kinder. Falls diese Rate unverändert geblieben wäre, hätte die Gesamtbevölkerung des Landes im Jahre 1998 nahezu 1,85 Mrd. Menschen erreicht. Dank der Familienplanungspolitik und der Wirtschaftsentwicklung sank die durchschnittliche Geburtenrate im Jahr 1998 auf 1,84 Kinder, so dass die chinesische Bevölkerung im Jahr 1998 1,248 Mrd. betrug.

Dieser Forschungsbericht wies darauf hin, dass aufgrund der Durchführung der Familienplanung in den Jahren 1971-1998 die Kinderernährungskosten für die Familien um 6,4 Billionen Yuan (772,95 Mrd.US$) und für den Staat um eine Billion Yuan (120,77 Mrd. US$) reduziert wurden. Die gesamte Summe der beiden Posten in Höhe von 7,4 Billionen Yuan (893,72 Mrd. US$) entsprach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) Chinas im Jahre 1997.

Einem Beamten des Staatlichen Statistikamtes zufolge hat die Bevölkerungskontrolle bei der Förderung des Wirtschaftsaufbaus, des gesellschaftlichen Fortschritts und der Verbesserung des Lebenstandards der Bevölkerung eine wichtige Rolle gespielt. Sie hat eine Grundlage für die umfassende, koordinierte und nachhaltige Entwicklung des Landes gelegt und einen großen Beitrag zur Erleichterung des Drucks des rapiden Bevölkerungswachstums der Welt geleistet.

Neue Bevölkerungsprobleme

Obwohl China bei seinen Bemühungen um die Bevölkerungskontrolle in den 1990ern einen entscheidenden Sieg errungen habe, seien andere diesbezügliche Probleme immer gravierender geworden, sagte Zhai Zhenwu, Direktor des Demographischen Instituts der Chinesischen Volksuniversität.

Experten vertreten im Allgemeinen die Ansicht, dass die Alterung der Bevölkerung, das Geschlechtsverhältnis, die Verschlechterung der Qualität der Bevölkerung und die Wanderbevölkerung die Hauptprobleme sind.

Zhang Weiqing, Vorsitzender der Staatlichen Kommission für Bevölkerung und Familienplanung, sagte, dass die Arbeit in Bezug auf die Bevölkerung und die Familienplanung in China mit der Veränderung der internationalen und inländischen Verhältnisse, der Erhöhung des Bewußtseins der Volksmassen und der Erweiterung deren Bedürfnisse mit neun großen Widersprüchen und Problemen konfrontiert ist.

1. Das niedrige Geburtenniveau ist instabil. Es gibt immer noch einen Widerspruch zwischen der gegenwärtig geltenden Familienplanungspolitik und dem Verlangen der Menschen nach mehr Kindern. Die Öffentlichkeit kümmert sich kaum um Bevölkerungsprobleme, und die Anleitungs- und Verwaltungsmaßnahmen sind relativ schwach. Daher wird jeglicher unrealistischer Optimismus, jegliche Leichtfertigkeit oder jeglicher Fehler bei der Ausarbeitung und der Durchführung von politischen Maßnahmen möglicherweise dazu führen, das die Geburtenrate wieder steigt.

2. Die Bevölkerungszahl wächst kontinuierlich. In den kommenden 20 Jahren wird die Bevölkerung des Landes ein jährliches Nettowachstum von etwa 10 Mio. Menschen zu verzeichnen haben. Nach einer durchschnittlichen Geburtenrate von 1,8% berechnet, wird wahrscheinlich ein Nullwachstum der Bevölkerung auftreten, wenn die Bevölkerungszahl im Jahre 2034 1,486 Mrd. Menschen erreichen wird. Werden gewisse komplizierte Faktoren in Betracht gezogen und wird nach einer durchschnittlichen Geburtenrate von 20% berechnet, wird Chinas Bevölkerungszahl im Jahr 2043 1,557 Mrd. Menschen erreichen. Bis dann wird sie ein Nullwachstum realisieren. Das heißt, dass die chinesische Bevölkerungszahl noch um 300 Mio. Menschen zunehmen wird.

3. Die Gesamtqualität der Bevölkerung ist niedrig. 4-6% oder 800 000-1,2 Mio. der Neugeborenen jedes Jahres haben körperliche Defekte. Unter den 60 Mio. Behinderten des ganzen Landes gibt es 12 Mio. geistig Behinderte. Etwa 60 Mio. Patienten, die an Endemien leiden, verteilen sich über mehr als 1800 Kreise und Städte. Darüber hinaus gibt es noch Probleme in Bezug auf Gesundheit, Bildung, Ethik und psychische Verfassung. Was den menschlichen Entwicklungsindex betrifft, rangiert China weltweit an 140. Stelle, womit es zu den Ländern mit einem niedrigen Niveau der menschlichen Ressourcen zählt.

4. Widersprüche in der Bevölkerungsstruktur werden immer schärfer. Das Geschlechtsverhältnis erhöht sich ständig. In der 0-9 Jahre alten Bevölkerungsgruppe ist die Zahl der Jungen um 12,77 Mio. größer als die der Mädchen. Es wird zu einer Reihe von gesellschaftlichen Problemen kommen, wenn dieser Trend sich weiter entwickelt. Die Alterung der Bevölkerung wird beschleunigt. Bürger, die über 65 Jahre alt sind, werden im Jahr 2020 11,8% der Gesamtbevölkerung des Landes ausmachen, und Mitte dieses Jahrhunderts wird dieser Anteil auf 25% steigen. Noch schlimmer ist, dass der Anteil der Alten in den ländlichen Gebieten noch größer als der in den Städten ist. Die entwickelten Länder treten im Allgemeinen erst dann in eine „ergrauende Gesellschaft“ ein, wenn ihr Pro-Kopf-BIP 10 000 US$ erreicht hat. China ist schon in solch eine Gesellschaft eingetreten, wenn sein Pro-Kopf-BIP nicht einmal 1000 US$ beträgt. Als Folge sind die Gesundheitspflege und die Sozialabsicherung der alten Bürger Chinas mit ernsten Herausforderungen konfrontiert.

5. Der Beschäftigungsdruck ist groß. Im Jahr 2020 wird sich die Zahl der Arbeitskräfte Chinas auf mehr als 900 Mio. belaufen, 300 Mio. Menschen mehr als die Gesamtzahl der Arbeitskräfte der entwickelten Länder. Die Zahl der städtischen Arbeitskräfte wird jährlich um nahezu 10 Mio. steigen, und die überschüssigen ländlichen Arbeitskräfte werden mehr als 200 Mio. betragen. Die riesige Bevölkerung und die ungeordnete Fluktuation von Arbeitskräften werden einen großen Beschäftigungsdruck bilden und Schwierigkeiten in der gesellschaftlichen Verwaltung verursachen.

6. Die Systeme für die öffentliche Gesundheit und die Epidemieverhütung lassen viel zu wünschen übrig. 80% der Ressourcen betreffs der Gesundheitspflege und der medizinischen Betreuung in China konzentrieren sich in den Städten. Die Pro-Kopf-Ausgaben für die Verhütung von Krankheiten und die Gesundheitspflege in den ländlichen Gebieten betrugen im Jahre 2000 nur 12 Yuan (1,4 US$). Etwa 300 Mio. Menschen bekommen kein sauberes Wasser zu trinken. Mehr als 100 Mio. Menschen können nicht rechtzeitig medizinische Betreuung erhalten. 120 Mio. Menschen sind Hepatitis B-Virusträger. Die Ausbreitung von AIDS wird beschleunigt, 80% der AIDS-Infizierten leben in den ländlichen Gebieten. Daher besteht eine große Möglichkeit der Ausbreitung von HIV/AIDS-Epidemie.

7. Ein neuer Typ der bedürftigen Gruppe hat Gestalt angenommen. Die Eltern der Familien, die als erste die Familienplanung praktizierten, sind nun alt geworden. Die Ein-Kind-Familien und die Familien mit zwei Töchtern sind aus Mangel an einem perfekten Sozialabsicherungssystem möglicherweise in Not geraten.

8. Die Widersprüche zwischen der Bevölkerung, den Naturressourcen und der Umwelt spitzen sich weiterhin zu. Chinas Bevölkerung nähert sich der maximalen Kapazität der Naturressourcen des Landes, die die wissenschaftliche Entwicklung erlaubt. Die riesige Bevölkerung wird in den kommenden Jahrzehnten die Ressourcen und die Umwelt unter Druck setzen.

9. Nach der umfassenden Durchführung der Steuer- und Gebührenreform in den ländlichen Gebieten herrscht ein großer Mangel an Fonds für die Bevölkerungs- und Familienplanungsarbeit an der Basis. Die Arbeit an der Basis und das Dienstleistungsnetzwerk, das in den vergangenen mehr als 20 Jahren errichtet worden ist, sind in vielen Gebieten, insbesondere in den armen Gebieten, in Schwierigkeiten geraten.

Die Familienplanungspolitik bleibt unverändert

Yu Xuejun, Leiter der Abteilung für Politische und Gesetzliche Bestimmungen der Staatlichen Kommission für Bevölkerung und Familienplanung, sagte, dass sich die Politik für die Fortpflanzung nicht verändere. Die verschiedenen Gebieten hätten nur entsprechend ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlchen Entwicklung und den Bevölkerungsveränderungen eine Feinabstimmung ihrer Familienplanungsbestimmungen vorgenommen, so Yu.

Yu zufolge verabschiedete der Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses Ende 2001 das „Gesetz der Volksrepublik China über die Bevölkerung und die Familienplanung“, das am 1. September 2002 in Kraft trat. Alle lokalen Gesetze und Verordnungen müssen mit diesem Gesetz in Einklang stehen. Chinas Familienplanungspolitik bleibt im Wesentlichen unverändert.

Was das Geburtenniveau in einem Land oder in einer Region anbelange, fügte Yu hinzu, sei es nicht desto besser, je niedriger es sei. Chinas Familienplanungspolitik solle in Übereinstimmung mit dem Gesetz der natürlichen Entwicklung und dem der gesellschaftlichen Entwicklung angepasst werden. Allerdings sollten Abänderungen nicht in der gegenwärtigen Etappe stattfinden, so Yu. „Wir sollten die gegenwärtig geltende Familienplanungspolitik aufrechterhalten und das niedrige Geburtenniveau stabilisieren“, sagte er abschließend.