Tibet tritt in eine neue Etappe des Umweltschutzes ein
 

Von Kang Youshou

Nicht mehr gefühlsmäßig an den Umweltschutz herangehen

In den Augen der meisten Menschen wird die Umwelt in Tibet wenig durch die Industrie belastet und ist Tibet eine Oase. Aber in der Tat ist Tibet wie andere Erdteile im Entwicklungsprozess mit vielen Umweltproblemen konfrontiert.

„Heute erkennt man schon die Umweltprobleme in Tibet", sagte Chen Xianshun, Leiter des Umweltschutzamts des Autonomen Gebiets Tibet (AGT). „Lange Zeit hat man den Umweltschutz gleichgültig behandelt, aber in den letzten Jahren ist sowohl die quantitative als auch die qualitative Verwaltung des Umweltschutzes verbessert worden. Dies ist eine große Veränderung."

Das AGT hat viele Arbeiten für die Umweltkontrolle und -forschung geleistet und drei Umweltkontrollstationen im zentralen, östlichen und westlichen Gebiet ins Leben gerufen. 2000 etablierte das Umweltkontrollzentrum des AGT mit Unterstützung des Staatlichen Umweltschutzamtes in Lhasa ein automatisches Luftqualitätskontrollsystem und veröffentlicht seither über CCTV jeden Tag eine Meldung über die Luftqualität in Lhasa.

Wird der Qomolangma-Gipfel verschmutzt?

Einer Meldung zufolge werde der weltbekannte Qomolangma, der höchste Gipfel in der Welt, verschmutzt. Diese Meldung erregte eine Sensation.

Stimmt das? 2000 schickte das Umweltkontrollzentrum des AGT zwei Male Mitarbeiter zur Untersuchung der Verschmutzung in das Qomolangma-Gebiet. Sie untersuchten das Oberflächengewässer, den den Qomolangma bedeckenden Schnee, die Luftqualität und den Boden, sammelten 524 Umweltkontrolldaten und verfassten einen Untersuchungsbericht über die Umweltqualität im Qomolangama-Gebiet in Tibet, der feststellte, dass der Qomolangma-Gipfel nicht verschmutzt wird. Materialien zufolge stehen in dem Qomolangma-Gebiet mit einer Fläche von 3,381 Mio. ha, das zu den Staatlichen Naturschutzgebieten zählt, hauptsächlich das Ökosystem und seltene Tiere und Pflanzen unter staatlichem Schutz. Dieses Naturschutzgebiet rangiert unter den Naturschutzgebieten in Tibet an erster Stelle.

Die Fläche von versandetem Boden in Tibet beträgt 20,474 ha, macht 17,03% der gesamten Fläche des AGT aus und ist die drittgrößte Fläche in dieser Hinsicht in China. Betreffenden Daten zufolge ist der Versandungsgrad in Tibet unterschiedlich. Die versandeten Böden verteilen sich hauptsächlich in Xigaze, Ngari und umliegenden Gebieten von Lhasa.

Was ist die Ursache für die Versandung?

Nach Chen Xianshun ist die Versandung hauptsächlich auf die Erwärmung des Klimas auf der Erde zurückzuführen, die zum Schmelzen des die Berge jahrelang bedeckenden Schnees führt; die Schneegrenze steigt. Die Weiden und die Vegetation können nicht regelmäßig bewässert werden; die ökologische Umgebung wird degeneriert.

Chen Xianshun sagte: „Als ich in den 1960ern begann, in Tibet zu arbeiten, sah ich viele in allen Jahreszeiten schneebedeckte Berge. Heute sind manche dieser Berge nicht mehr mit Schnee bedeckt; an manchen Bergen, die früher mit Schnee bedeckt waren, stieg die Schneegrenze, und nur ihre Bergspitzen sind mit Schnee bedeckt. Vom Aspekt des Umweltschutzes betrachtet wünscht Tibet, dass alle Länder eine Konvention zur Verhütung des Treibhauseffektes treffen. Wenn die Temperatur weltweit ansteigt, wird Tibet das erste Opfer sein, und die östlichen Gebiete Chinas, Südasien und Südostasien werden schließlich in Mitleidenschaft gezogen werden."

Angesichts der Versandung hat das AGT Gegenmaßnahmen ausgearbeitet: Verstärkung der Planung, der allgemeinen Untersuchung und Kontrolle, weitere Aufforstung und Beschleunigung der Wiederherstellung der Vegetation.