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Taiwaner in Shanghai

Für die Taiwaner, die nach Shanghai kommen, um dort zu investieren oder sich niederzulassen, ist schwierig, diese chinesische Metropole von Taipei zu unterscheiden. In einigen Bereichen, wie z. B. der öffentlichen Sicherheit, ist Shanghai besser als Taipei.

Von Lan Xinzhen

„In Shanghai kann ich viele Taiwaner treffen, die ich in Taipei kaum sehen kann“, sagte Hector Yeh, Präsident des Verbandes der taiwanesischen Unternehmen in Shanghai und Generalmanager der Longfeng Co., eines taiwanesischen Unternehmens für eingefrorene Nahrungsmittel.

Das, was Yeh sagte, ist richtig. Seit den 1990ern steigt die Zahl der Taiwaner, die nach Shanghai kommen, um dort zu investieren oder sich niederzulassen, ständig. Diese Zahl hat in den letzten 15 Jahren 300 000 erreicht. Viele von ihnen verbringen mehr Zeit in Shanghai als in Taipei.

Yang Jianrong, dem Direktor des Amts für Taiwan-Angelegenheiten der Stadt Shanghai, zufolge betraten oder verließen 1,32 Mio. Taiwaner im Jahr 2004 über Shanghai das Festland, was ein Drittel der Gesamtzahl der Taiwaner, die im Jahr 2004 das Festland betraten oder verließen, ausmachte.

„Ursprünglich kamen die Taiwaner hierher, um zu investieren“, sagte Yang. Mit der Durchführung der Reform- und Öffnungspolitik sind Taiwaner jedoch von den Handelschancen auf dem Festland, insbesondere im Dienstleistungssektor, angezogen worden, da sich das Investitionsumfeld auf dem Festland merklich verbessert hat. Inzwischen haben sich Taiwans Investitionen auf die High-Tech-Industrien ausgedehnt.

Yang sagte, es gebe in Shanghai 5440 taiwanesische Unternehmen mit einer Gesamtinvestition in Höhe von 12 Mrd. US$, die sich hauptsächlich mit der Informationsindustrie, Franchisegeschäften und dem Finanzwesen beschäftigen. „Die IT-Industrie in Shanghai ist sehr entwickelt. Sie wird hauptsächlich von taiwanesischen Investoren finanziert“, so Yang.

Er fügte hinzu, dass die gegenwärtigen IT-Unternehmen mit taiwanesischen Investitionen kapitalintensiv und konkurrenzfähig seien. Franchisegeschäfte umfassen Groß- und Einzelhandelgeschäfte, Unterhaltungs- und Fitnesszentren usw. Ein Drittel der Kettenläden Shanghais wird von taiwanesischen Geschäftsleuten betrieben. Im Finanzwesen, das Banken, Versicherungs- und Wertpapiergesellschaften umfasst, gibt es 23 Unternehmen, die von Taiwanern finanziert werden. Yang äußerte, dass die taiwanesischen Unternehmen in diesen Bereichen sehr konkurrenzfähig seien.

Die Taiwaner sehen in Shanghai nicht nur einen hohen Grad an Internationalisierung und ein rapides Wachstum, sondern auch eine Stadt, die verschiedene Kulturen in sich vereinigt. Viele Taiwaner, die in der Umgebung Shanghais investieren, haben in Shanghai eine Wohnung gekauft. Etwa 60% der Taiwaner in Shanghai besitzen eine eigene Wohnung. In einem von taiwanesischen Bauträgern durchgeführten Immobilienprojekt namens Hongxi Residential Park, der nicht weit vom Shanghaier Internationalen Flughafen entfernt liegt, sind 85% der 300 Etagenwohnungen von Taiwanern erworben worden.

„Taiwaner sind zu einer wichtigen Kundengruppe in der Immobilienbranche Shanghais geworden“, sagte Wang Ranzhi, Generalmanager der Hongxi-Gruppe.

Seit 1999 ist ein neuer Trend zu beobachten. Viele junge Taiwaner kommen nach Shanghai, um dort einen Arbeitsplatz zu finden oder ein eigenes Unternehmen zu gründen.

„Der Beschäftigungsdruck in Taiwan ist sehr groß. Ein neu gegründetes Unternehmen ist mit einem kleinen Markt und heftiger Konkurrenz konfrontiert. Deshalb setzen die jungen Taiwaner unter dem Einfluss der vorherigen Investoren Taiwans mehr Erwartungen auf Shanghai als auf Taipei“, sagte Hector Yeh.

Im Jahr 1999 kam Wu Jiexi, ein neuer Absolvent der University of Cambridge, nach Shanghai, anstatt nach Taipei zurückzukehren, um dort ein Innendekorationsunternehmen zu gründen. Sechs Jahr später hat Wus Unternehmen einen guten Ruf gewonnen. „Shanghai ist als eine internationale Metropole ein Ort, der für die Jugendlichen, die einen Versuch in Business machen wollen, geeignet“, sagte Wu.

Shanghai hat auch viele ältere Menschen, deren Kinder in Shanghai arbeiten, angezogen. Sie haben sich in Shanghai niedergelassen und wollen nicht mehr nach Taiwan zurückkehren. Yang zufolge können die Taiwaner, die sich in Shanghai aufhalten, in drei Typen unterteilt werden: Einige wollen nur für eine kurze Zeit in Shanghai arbeiten und werden dann nach Taiwan zurückkehren. Andere haben sich mit ihren Familien in Shanghai niedergelassen und wollen nicht mehr nach Taiwan zurückkehren. Wieder andere sind unschlüssig. Sie wissen nicht, ob sie in Zukunft in Shanghai bleiben oder nach Taiwan zurückkehren werden. Zu dieser Kategorie gehören Geschäftsleute, Künstler und Sänger.

Ein weiterer Unterschied zwischen denjenigen Taiwanern, die vor 10-15 Jahren nach Shanghai kamen, und den taiwanesischen Jugendlichen, die jetzt nach Shanghai kommen, liegt darin, dass sich die ersteren mehr um die Beziehungen zwischen den beiden Seiten der Taiwan-Straße als die letzteren kümmern. Im Jahr 1992, als Hector Yeh (damals 41 Jahre alt) aufs Festland kam, um dort zu investieren, war er bereits ein bekannter Unternehmer in der Branche für eingefrorene Nahrungsmittel in Taiwan. Er gründete eine Fabrik in Shanghai, um dem ganzen Festland zu dienen. Im Jahr 2000 wurde Yeh zum Präsidenten des Verbandes der taiwanesischen Unternehmen in Shanghai gewählt. Von da an hat er viel Zeit darauf verwendet, taiwanesischen Unternehmen in Shanghai zu helfen. „Mein Leben ist von Arbeit gefüllt. Ich will zu meinen Lebzeiten etwas für die Beziehungen zwischen den beiden Seiten der Taiwan-Straße tun“, sagt er.

Dong Tianhao, der so alt wie Yeh ist, kam im Jahr 1992 nach Shanghai. Neben seinem Geschäft widmet er sich der öffentlichen Wohlfahrt. „Zur Zeit gibt es in China noch eine große Zahl von armen Menschen und viele Kinder, die nicht in der Lage sind, die Schule zu besuchen. Sie brauchen Hilfe. Als Angehörige der chinesischen Nation haben wir die Verantwortung und Pflicht, ihnen zu helfen“, sagte er.

In Kontrast dazu haben die jungen Taiwaner ihren eigenen Lebensstil. Vor drei Jahren kam Yehs Tochter nach Shanghai und arbeitet seitdem im Unternehmen ihres Vaters als Buchhalterin. Sie sorgt in ihrer Freizeit für ihr Kind und ihre Familie. Sie findet das Leben in Shanghai komfortabel und denkt kaum über den Unterschied zwischen Shanghai und Taipei nach.

Auch Wu Jiexi kümmert sich selten um die Beziehungen zwischen den beiden Seiten der Taiwan-Straße, obwohl er sich manchmal durch Medien über diese Frage informiert. „Das ist die Sache der Regierung. Die Probleme, die von der Geschichte hinterlassen wurden, sollen von der Regierung gelöst werden. Wir leben in unserem Land, egal, ob wir in Shanghai oder in Taipei sind“, sagte er. In seiner Freizeit besucht er wie in Taipei oft Nachtklubs, Bars oder Kaffeehäuser.

Da immer mehr Taiwaner nach Shanghai kommen, verbessern sich die dortigen Dienstleistungseinrichtungen ständig. „Shanghai hat vollständige infrastrukturelle Einrichtungen. In einigen Bereichen, wie z. B. der öffentlichen Sicherheit, ist Shanghai besser als Taipei“, sagte Hector Yeh.

Was die Bildung anbelangt, können die Kinder der Taiwaner, die sich in Shanghai niedergelassen haben, irgendeine Schule von Shanghai, darunter internationale Schulen mit „zweisprachigen Klassen“ für taiwanesische Kinder, besuchen. Für diejenigen, die für eine kurze Zeit in Shanghai leben, gibt es zwei Taiwan-Schulen mit Lehrbüchern und Lehrmaterialien aus Taiwan. Infolge der Zunahme der Zahl von Taiwanern in Shanghai werde eine weitere Taiwan-Schule im September dieses Jahres in Shanghai eröffnet werden, sagte Yang Jianrong.

Shanghai hat auch Krankenhäuser, die taiwanesische Ärzte, Krankenschwester und Verwalter beschäftigen. Die Ausstattung dieser Krankenhäuser ist ganz wie die in Taiwan. Darüber hinaus haben viele öffentliche Krankenhäuser in Shanghai einen speziellen „grünen Passageweg“ für Taiwaner.

Yeh, der in Shanghai 13 Jahre lang gelebt hat, sagte: „Für Taiwaner ist Shanghai nicht nur ein idealer Ort für die Investition oder die Existenzgründung, sondern auch eine Stadt auf dem Festland, die am besten für das Leben der Taiwaner geeignet ist.“

 

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