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Guge: Ein verschwundenes Reich

Von Wang Tiegang, Yang Yi und Liu Meijia

Für gewöhnliche Zuschauer ist die tibetische Zivilisation eine mysteriöse Zivilisation, während Chinesen, was die Entwicklungsgeschichte der tibetischen Zivilisation anbelangt, nur die Zivilisation des Tubo-Reiches kennen, denn diese war der Hauptstrom der tibetischen Zivilisation.

Aber es gab zwei Zweige der tibetischen Zivilisation in der Geschichte, geographisch im Ost- und Westteil Tibets, die für eine lange Zeit koexistierten und einander beeinflussten. Der Zweig der tibetischen Zivilisation im Gebiet Ngari, im Westteil Tibets, erreichte in gewissem Sinne einen höheren Bekanntheitsgrad in der Außenwelt und war eine mehr reichere Kultur. Es ist mysteriös, dass sein König und sein Volk plötzlich verschwanden.

Dieser wenig bekannte Zweig der tibetischen Zivilisation ist die Guge-Zivilisation, deren Entwicklung und Verschwinden chinesische und ausländische Tibetologen interessieren. Daher suchte ein Untersuchungsteam, das vom Staatlichen Amt für den Denkmalschutz organisiert wurde, nach Spuren, die von dieser Zivilisation in Ngari hinterlassen worden waren, um eine Antwort auf die Frage nach dem mysteriösen Verschwinden der Guge-Zivilisation zu bekommen.

Ngari ist ein Gebiet im Westteil Tibets mit einer Höhe von 4500 m. Daher musste das Untersuchungsteam unter harten Bedingungen Untersuchungen durchführen und photographieren. In der Regenzeit entstanden auf dem Plateau viele neue saisonsbedingte Flüsse. Die Geländewagen mussten täglich diese Flüsse überqueren, manchmal mit Gummibooten die Flüsse überqueren. Um Panoramaaufnahmen zu machen, kletterten Mitglieder des Untersuchungsteams mit einem Satz von Photoapparaten mehrmals auf die Berge. Als das Fotografenteam nach den Ruinen der verlorengegangenen Guge-Zivilisation suchte, wanderte es zwölf Stunden lang in der Wüste ohne Schutz gegen das starke Sonnenlicht zur Mittagszeit, stieg die Temperatur auf 50 Grad Celsius im August an.

Schließlich wurde die Fernsehfilmserie: „Guge: Ein im Sonnenlicht verschwundenes Reich" fertiggestellt. Diese Fernsehfilmserie zeigt sowohl die Geschichte des 700 Jahre dauernden Guge-Reiches als auch die Untersuchung der Guge-Zivilisation durch das Untersuchungsteam. Die Fernsehfilmserie dokumentiert gestützt auf die Annahmen der Experten für Guge-Studien und Fernsehdrehtechniken das Schicksal des rätselhaften Guge-Reiches und stellt einige auf dem Dach der Welt entdeckte Zeugnisse der Guge-Zivilisation zur Schau.

Am 5. Juli 2001 ist ein chinesisches Archäologenteam auf dem Potala-Palast in Lhasa, der 3600 m über dem Meeresspiegel liegt, aufbruchsbereit. In den kommenden 20 Tagen werden diese Archäologen mehr als 3000 Kilometer westwärts im Bezirk Ngari in Tibet Untersuchungen durchführen. Dies ist die erste großangelegte archäologische Untersuchung, die vom Staatlichen Amt für den Denkmalschutz der VR China initiiert wurde. Das Untersuchungsteam startet von Lhasa, reist durch Xigaze und Burang und erreichte schließlich Zanda, wo sich die Guge-Ruinen befinden. Mehr als die Hälfte des Reiseweges verläuft durch das Himalaya- und das Kangdese-Gebirge mit einer durchschnittlichen Höhe von mehr als 4000 m.

Das mysteriöse Guge-Reich

Die Tubo- und die Zhangzhong-Kultur bilden die tibetische Kultur. Der Potala-Palast und der Jokhang-Tempel repräsentieren die Tubo-Kultur in der Regierungsperiode Songtsain Gambos, die in die Zeit der Tang-Dynastie fiel.

Während die Tubo-Kultur relativ bekannt ist, bleiben das Zhangzhong- und das Guge-Reich etwas mysteriös. Die Szenerie von Lhasa nach Xigaze hat sich seit der Flucht eines Prinzen der Tubo-Dynastie vor tausend Jahren verändert. Jenes Jahr war 895 n. Chr. Auf dem Weg kam eine Gruppe von erschöpften Touristen nach Zhangzhong.

Im Jahr 895 versuchte der letzte Tubo-König namens Darma, den Buddhismus zu verbieten. Die Tubo-Dynastie erlebte ihre Blüte und begann ihrem Untergang entgegenzugehen.

Prinz Guide Myimagon, der älteste Urenkel Darmas, geriet in den Kämpfen der königlichen Familie in eine ungünstige Position. Ihm wurde sein Lehnsgut entzogen und sein Leben geriet in Gefahr. Er musste aus dem von Tubo kontrollierten Gebiet flüchten und Asyl in Zhangzhong suchen; er wusste nicht, ob ihn der Zhangzhong-König akzeptieren würde oder nicht, weil er ihn nicht kannte.

Das Archäologenteam kommt an und besucht die Ruine einer Burg.

(Die Mitglieder des Archäologenteams: Zhang Jianlin, Experte für die Guge-Kultur und Wissenschaftsrat des Shaanxier Archäologischen Instituts. 1985 übernahm er die Leitung der archäologischen Ausgrabung der Ruinen des Guge-Reiches. Er hat acht Untersuchungen im Bezirk Ngari durchgeführt.

Yang Lin, Experte für Luft-Fernerkundigungs-Archäologie, ist außerordentlicher Wissenschaftsrat im Museum der Chinesischen Geschichte. Er hat mehrmals an Untersuchungen in Tibet, Xinjiang und anderen entfernten Gebieten teilgenommen.

Wu Xinhua, ein Experte für Zentral- und Westasien, ist außerordentlicher Wissenschaftsrat der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften. Er ist mehrmals zur Untersuchung des Transportwesens und des Kulturaustausches in alten Zeiten in das Kunlun-Gebirge und die nordtibetischen Gebiete gereist.)

Die Ruinen der drei Burgen befinden sich 44 Kilometer westlich vom Kreis Sage, Bezirk Ngari. Die Burgen bilden ein Dreieck und unterstützten einander im Kampf gegen Eindringlinge.

(Der Filmkommentar von Wu Xinhua: „Von der gestampften Erde und der Architektur her betrachtet, können wir sagen, dass sie eine während der Qing-Dynastie erbaute militärische Einrichtung war, die das gesamte Flusstal und das Bergpassgebiet verteidigte. Wenn wir diese Burgruinen nach ihrer Architektur und Stellung beurteilen, können wir zum Schluss kommen, dass sie später als die Burg auf dem Gipfel und die Burg am Bergfluss erbaut wurde. Diese Burg befindet sich in dem Mittelteil des Flusstals. Als diese Burg immer wichtiger wurde, verloren die anderen zwei Burgen ihre Rolle.“)

Nach Gyide Mymagon diente dieser Weg tausend Jahre den kriegführenden Armeen und Pilgern. Trotz des Blutbades im Krieg krochen zahlreiche fromme Gläubige jedoch auf diesem Weg in Richtung der heiligen Berge und Seen.

Der heilige Berg Kangrinboqê und der heilige See Mapam Yumco liegen am Weg von Xigaze nach Zhada. Der Tibetische Buddhismus und die uralte tibetische Bon-Religion glauben, dass diejenigen Gläubigen, die einen heiligen Berg oder einen heiligen See umkreisen, ihre Sünden abbüßen könnten.

Hatte Gyide Myimagon auf diesem heiligen Berg Einblick in irdische Angelegenheiten gewonnen?

Der heilige Berg bzw. der heilige See haben ihm keinesfalls Glück gebracht.

Drashi Dsan, der wohlwollende König des Zhangzhong-Reiches, akzeptierte Gyide Myimagon, der sich mit der Tochter des Königs verheiratete. Ihm wurde ein Lehnsgut verliehen.

Gyide Myimagon, der spätere König des Zhangzhong-Reiches, hatte die Gelegenheit, seine Fähigkeit zu zeigen. Seiner Führung ist eine blühende Periode in der tibetischen Geschichte zu verdanken.

An seinem Lebensabend machte er seine drei Söhne zum Herrscher der Städte Mangcheng, Burang und Zhangzhong. Diese drei Städte entwickelten sich zu den drei Reichen Darlark, Burang und Guge. Es kam trotz der engen Verwandtschaft zu Konflikten zwischen ihnen. Guge annektierte zuerst Burang, aber später wurde es von Darlark gestürzt.

Nachdem das Archäologenteam in sieben Tagen mehr als 2000 Kilometer zurückgelegt hatten, erreichten es Zhada, das Zentrum des ehemaligen Guge-Reiches. Zhada unterscheidet sich von anderen Gebieten, die von dem Archäologenteam untersucht wurden. Die geologische Lage Zhadas hat viele Gemeinsamkeiten mit dem Grand Cañon im Südwesten der USA.

Sowohl am Grand Cañon als auch am Flusstal sind überall Ruinen aus der Guge-Periode zu sehen. Verfallene Tempel sind häufig anzutreffen. Wohnhöhlen liegen auf der halben Berghöhe und scheinen wie Augen, die auf die Menschen blicken und uns viele traurige Geschichten zu erzählen.

Während der Regierungsperiode Gyide Myimagon wurde Wasser des Langchen Khabah-Flusses zur Bewässerung des Ackerlandes in Zhada benutzt. Die gut entwickelte Landwirtschaft war einer der Gründe, warum Gyide Myimagon dieses Gebiet auswählte, um sein Reich zu gründen und seine Ambitionen zu entfalten.

Die Geschichte des geflüchteten Prinzen Gyide Myimagon ist nur eine der zahlreichen Legenden des 700 Jahre existierenden Guge-Reiches.

(Fortsetzung folgt)


 

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