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Zivilisationen und Harmonie

Von Yan Wei

Angesichts der ernsten Herausforderungen, mit denen die Menschheit konfrontiert ist, darunter regionale Konflikte, Terrorismus, Umweltverschmutzung und schwerwiegende Epidemien, hat China versprochen, große Anstrengungen zu unternehmen, um der internationalen Gemeinschaft Harmonie zu bringen.

Die Versprechung wurde vor kurzem aufs Neue bekräftigt, als Staatspräsident Hu Jintao die Idee in seiner Neujahrsansprache für 2006 erläuterte. Mit dem Titel „Hand in Hand eine harmonische Welt mit dauerhaftem Frieden und gemeinsamer Prosperität aufbauen“ betonte Hus Rede Chinas Bemühungen um die friedliche Entwicklung und drückte die Hoffnung auf die Weltharmonie aus.

„Das chinesische Volk hofft aufrichtig, die Solidarität und Kooperation mit den anderen Völkern der Welt zu verstärken und mit ihnen zusammen eine harmonische Welt mit dauerhaftem Frieden und gemeinsamer Prosperität aufzubauen“, sagte der chinesische Staatspräsident.

Hu fügte hinzu, dass das chinesische Volk willens ist, sich mit allen anderen Nationen zusammenzuschließen, um den Multilateralismus zu fördern, die Entwicklung der wirtschaftlichen Globalisierung in Richtung gemeinsame Prosperität zu beschleunigen, Demokratie in internationalen Beziehungen zu befürworten, die Vielfalt der Welt zu respektieren und die Etablierung einer neuen internationalen politischen und wirtschaftlichen Ordnung, die gerecht und vernünftig ist, voranzutreiben.

Die Schlüsselkonzepte in Hus Rede wie Harmonie und Vielfalt sind Modewörter, die eine Zeit lang auf den Lippen der chinesischen Politiker und Gelehrten waren. Sie wurden auf die Tagesordnung von internationalen Foren wie dem Beijing-Forum, das im November 2005 stattfand, gesetzt. Sich auf das Thema „Harmonie zwischen Zivilisationen und Prosperität für alle“ konzentrierend, gaben die Teilnehmer am Beijing-Forum einen scharfsinnigen Aufschluss über die betreffenden Probleme im globalen Zusammenhang.

Austausch auf Basis der Gleichberechtigung

Zhao Dunhua, Direktor des Subforums über Philosophie des Beijing-Forums im Jahr 2005 und Dekan der Fakultät für Philosophie der Peking-Universität, zufolge sind der Konfuzianismus, das Christentum und der Islam die drei Gruppen, die unsere größte Aufmerksamkeit unter dem gegenwärtigen politischen Zustand verdienen, da sie der Fokus vieler Probleme in der heutigen Welt sind.

Er sagte, der Konfuzianismus und das Christentum repräsentierten die orientalische bzw. die okzidentalische Zivilisation. Ob sie in einer harmonischen Weise koexistieren könnten, beeinflusse direkt die Stabilität und Entwicklung der ganzen Welt, fügte er hinzu.

Zhao wies darauf hin, dass der Mangel am Austausch zwischen der islamischen und der westlichen Zivilisation zu Widersprüchen and Konflikten geführt habe, die das größte Hindernis für den Weltfrieden darstellten. Seiner Meinung nach liegt die Wurzel der Widersprüche zwischen der islamischen und der westlichen Welt im Zusammenstoß der Zivilisationen. Diese Situation kann erst verändert werden, wenn dem Dialog zwischen den Völkern große Aufmerksamkeit geschenkt wird und die Feindseligkeit durch Austausch und gegenseitiges Verständnis in die Freundschaft verwandelt wird.
Auch Prof. Tu Weiming aus der Harvard University unterstrich die Wichtigkeit des Dialogs zwischen den Völkern mit unterschiedlichen Ideologien. „Aber du musst einen Sinn der Anerkennung – Anerkennung der anderen, einen Sinn des Respekts haben, erst dann gibt es eine Möglichkeit des gegenseitigen Profitierens und Lernens“, sagte er.

Prof. Tu sagte weiter, wenn es diese Anerkennung und Respektierung gebe, würde das von großem Nutzen für die Gesellschaft sein. Er glaube, dass dieser Prozess schließlich zu einer Form von Verständnis führen würde, selbst wenn es schwierig sei, einen Sinn für den Frieden zu haben.

Dialog ist begrüßungswert, aber nicht Diktatur. „Ich habe ein bisschen Angst vor dem Wort ,global‘. Es kann sich immer in den Totalitarismus verwandeln. ,Globale Bürgerschaft‘ kann eine sehr gute Idee sein, aber sie wird möglicherweise von denjenigen, die Macht haben, ausgenutzt werden“, sagte Prof. Marietta Stepanyants, Direktor des Zentrums für Orientalische Philosophiestudien des Philosophieinstituts der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Stepanyants fürchtet offensichtlich, dass viele Kulturen ihre Identität unter der sogenannten „globalen Kultur“ verlieren würden.

Keine höchste Philosophie

Der Meinung von Stepanyants nach beabsichtigt keine Religion, die Übermacht über die anderen Religionen zu gewinnen. „Ich glaube nicht, dass irgendeine Religion sagen würde, dass sie die beste Religion ist“, sagte er.

Stepanyants sagte, sowohl Atheisten als auch Gläubige seien Teil unserer Gesellschaft. Jeder solle die Freiheit der Wahl haben, weltlich, religiös oder atheistisch zu sein. Diese Wahl solle respektiert werden.

Er fuhr fort, dass die Ideologien einer Kultur oder Religion in einer anderen brauchbar sein könnten. Der Westen könne viel von den orientalischen Philosophien, einschließlich der chinesischen, lernen, sagte er.

Die Vollversammlung der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) nahm am 20. Oktober 2005 mit zwei Einwänden von den USA und Israel ein international normatives Dokument über den Schutz der kulturellen Vielfalt an.

Die Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt der kulturellen Ausdrücke bekräftigt aufs Neue die Auffassungen, die im Jahr 2001 in die Allgemeine Deklaration der UNESCO über die kulturelle Vielfalt eingeschrieben worden sind, nach denen die kulturelle Vielfalt ein „gemeinsames Erbe der Menschheit“ ist und ihr Schutz berücksichtigt werden muss.

Einer Pressemitteilung der UNESCO zufolge versucht die Konvention, die Beziehung zwischen Kultur, Entwicklung und Dialog zu bestätigen und eine innovative Plattform für internationale Kulturkooperation zu schaffen. Sie bestätigt das souveräne Recht der Staaten, eine Kulturpolitik mit der Absicht, „die Vielfalt der kulturellen Ausdrücke zu schützen und zu fördern“ und „Bedingungen für das Blühen und das gegenseitige Beeinflussen der Kulturen in einer für beide Seiten nützlichen Weise zu schaffen“, auszuarbeiten.

Die Konvention wird drei Monate nach ihrer Ratifizierung durch 30 Länder in Kraft treten. Ende Dezember 2005 hat Kanada als erstes dieses Dokument unterzeichnet.

Unterschiedliche Wege, gleiches Ziel

„Die Vielfalt der Welt ermöglicht es den unterschiedlichen Zivilisationen, sich durch Wettbewerb einander zu ergänzen und durch die Suche nach einer gemeinsamen Basis und die Zurückstellung von Differenzen eine gemeinsame Entwicklung zu verwirklichen, und fördert dadurch den Fortschritt der menschlichen Gesellschaft“, schrieb Prof. Tang Guanghong aus dem Nanjinger Politischen Institut in einem Artikel in China International Studies, einer englischen Zeitung, die vom Chinesischen Institut für Internationale Studien herausgegeben wird.

Abgesehen von der kulturellen Vielfalt betonte Prof. Tang die Vielfalt des Entwicklungsmodells und die Demokratisierung in internationalen Beziehungen. Er sagte, sie seien die Methode und Vorgehensweise für die Realisierung des Ziels einer harmonischen Welt.

Er wies darauf hin, dass die Vielfalt der Welt bestimmt, dass jedes Land das Recht auf die Wahl seines eigenen Entwicklungswegs und Gesellschaftsmodells haben soll.

„Die Vielfalt dehnt sich auf alle Teile der Erde aus und existiert in Form von Verbindung“, schrieb er. „Darüber hinaus macht es die Vielfalt notwendig und möglich für verschiedene Länder, Kooperation auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem und Sicherheitsgebiet durchzuführen.“

Tang bemerkte, da die internationale Gemeinschaft immer demokratischer werde, hätten die internationalen Beziehungen mit der allmählichen Erweiterung der nicht-hegemonistischen Kooperation eine gewisse Veränderung durchgemacht.

Ihm zufolge ist es die grundlegende Besonderheit der neuen internationalen Ordnung, die Demokratie zu fördern, die Gerechtigkeit zu unterstützen, die Machtpolitik in Schranken zu halten und die Fairness zu schützen.

Tang zitierte in seinem Artikel Staatspräsident Hu Jintao: „Vielfalt bedeutet Differenzen, Differenzen erfordern Austausch, und Austausch fördert Entwicklung.“

„Unterschiedliche Zivilisationen lernen durch Austausch voneinander und bereichern und entwickeln sich kontinuierlich. Das wird die Welt noch harmonischer machen“, schrieb Tang abschließend.


 

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