Artikelrückschau
China-Bericht

Business

Chinas Tibet

Zeitgeschehen

Ansichten

Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen China und Deutschland

BR-Titel

Globaler Spiegel

Dokumente

Meine persönliche Meinung

China in den Augen
von Ausländern

Forum

Informationen
über SARS

Boao-Asienforum

Sonderbericht

Rechtsangelegenheiten

 
 
 
 
 
 


 
 
Links
 


 

Schreiben
Sie bitte an uns!

 

Wahre Wirtschaftsstärke

Von Lan Xinzhen

China revidierte sein Wirtschaftsvolumen von 2004 und sagte, dass sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) 16,8% höher als das vorher bekannt gegebene. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass der Dienstleistungssektor nicht voll in Betracht gezogen wurde.

China hat nach den Ergebnissen seiner ersten nationalen Wirtschaftsuntersuchung sein BIP des Jahres 2004 von 13,65 Billionen Yuan (1,64 Billionen US$) auf 15,99 Billionen Yuan (1,93 Billionen US$) erhöht.

Li Deshui, Direktor des Staatlichen Statistikamtes, sagte auf einer jüngsten Pressekonferenz, dass 2,13 Billionen Yuan (266,25 Mrd. US$) oder 93% des gesteigerten Betrags von 2,3 Billionen Yuan (287,5 Mrd. US$) aus dem Tertiärsektor stammten.

Die Revision der Statistiken hat China über Italien zur sechstgrößten Wirtschaft in der Welt im Jahr 2004 gehoben. Die ersten fünf sind die USA, Japan, Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

„Was das Pro-Kopf-BIP anbelangt, rangiert China immer noch hinter den ersten 100 Plätzen in der Welt, obwohl das gesamte Volumen seines BIP vom 7. auf den 6 Platz in der Welt aufgerückt ist. Chinas Pro-Kopf-BIP entspricht nur einem Fünftel des Weltdurchschnitts“, sagte Li.

Große Kluft

Li sagte, die Unterbewertung des Tertiärsektors in den regulären Statistiken habe die obenerwähnte Situation verursacht. China habe vor den 1980ern das Materielle Produktsystem (MPS), das unter dem Planwirtschaftssystem entwickelt wurde, in seinen nationalen Statistiken angewandt, was zu ungenauen Statistiken für den Dienstleistungssektor geführt habe.

Er nannte die Sektoren, wo die Privat- und Einzelwirtschaft einen großen Anteil haben, darunter Transportwesen, Lagerung, Post- und Fernmeldewesen, Großhandel, Einzelhandel, Gastronomie und Immobilien, als Beispiel. Der Wertzuwachs in diesen Sektoren ist etwa 1,5 Billionen Yuan (187,5 Mrd. US$) größer als die ursprüngliche Schätzung und macht 70% des gesamten Wachstums des Tertiärsektors aus.

Darüber hinaus sei eine Anzahl von Dienstleistungsbetrieben, die Herstellungs- und Bauunternehmen angeschlossen sind, dem Sekundärsektor zugeordnet und in den Statistiken für den Tertiärsektor ausgelassen worden, so Li.

Zur Zeit wendeten die Lokalregierungen ein einheitliches System an, um ihr regionales BIP in Übereinstimmung mit den Statistiken aus der nationalen Wirtschaftsuntersuchung aufs Neue zu bewerten, sagte Li.

Expansion der Privatwirtschaft

Der Wirtschaftsuntersuchung zufolge gab es Ende 2004 in China 3,25 Mio. Unternehmen im Sekundär- bzw. Tertiärsektor. Davon machten die Staatsunternehmen nur 6% und die Kollektiv- bzw. Privatunternehmen sowie die Unternehmen mit Auslandskapitel 94% (siehe die folgende Tabelle) aus.

Typ der Unternehmen
Zahl
Anteil (%)
Insgesamt
3 250 000
100,0
Staatsunternehmen
179 000
5,5
Kollektivunternehmen
343 000
10,5
Aktienunternehmen
107 000
3,3
Gemeinsam betriebene Staatsunternehmen
3000
0,1
Gemeinsam betriebene Kollektivunternehmen
6000
0,2
Vom Staat und Kollektiv gemeinsam betriebene Unternehmen
3000
0,1
Andere gemeinsam betriebene Unternehmen
5000
0,1
Unternehmen mit ausschließlichem Staatskapital
10 000
0,3
Andere GmbHs
345 000
10,6
Aktiengesellschaften mit beschränkter Haftung
61 000
1,9
Privatunternehmen
1 982 000
61,0
Andere Unternehmen mit inländischen Investitionen
54 000
1,7
Unternehmen mit Investitionen aus Hong Kong, Macao bzw. Taiwan
74 000
2,3
Unternehmen mit Auslandskapital
78 000
2,4

Li zufolge ist die Zahl der Unternehmen im Vergleich zur Untersuchung im Jahr 2001 um 7,4% oder 223 000 gestiegen. Davon betrug die Zahl der Staatsunternehmen, der gemeinsam betriebenen Staatsunternehmen und der Unternehmen mit ausschließlichem Staatskapital 192 000, eine Abnahme um 177 000 oder 48,2%. Die Zahl der Kollektivunternehmen, der gemeinsam betriebenen Kollektivunternehmen und Aktienunternehmen betrug 456 000, eine Abnahme um 402 000 oder 46,9%. Die Zahl der anderen GmbHs und Aktiengesellschaften betrug 406 000, eine Zunahme um 106 000 oder 35,2%. Die Zahl der Privatunternehmen ist um 658 000 oder 49,7% auf 1,98 Millionen gestiegen. Die Zahl der anderen Unternehmen mit inländischen Investitionen betrug 62 000, eine Zunahme um 25 000 oder 66,5%. Die Zahl der Unternehmen mit Investitionen aus Hong Kong, Macao bzw. Taiwan sowie aus dem Ausland betrug 152 000, eine Zunahme um 13 000 oder 9,6%.

Li sagte, diese Zahlen bedeuteten, dass sich Chinas nicht-staatliche Unternehmen schneller als staatseigene Unternehmen entwickelt hätten.

Gesundere Struktur

Nach der Revision der Statistiken betrug der Anteil des Primärsektors am BIP 13,1%, 2,1 Prozentpunkte niedriger als die vorherige Berechnung. Der Anteil des Sekundärsektors am BIP sank von ursprünglich 52,9% auf 46,2%, ein Rückgang um 6,7 Prozentpunkte. Der Anteil des Tertiärsektors stieg von 31,9% auf 40,7%, ein Plus von 8,8 Prozentpunkten.

Li sagte, die neuen Statistiken aus der nationalen Wirtschaftsuntersuchung zeigten, dass die Struktur der drei volkswirtschaftlichen Sektoren noch besser der gegenwärtigen Situation des Landes und dem allgemeinen Niveau der Entwicklungsländer entspreche.

Er wies darauf hin, dass die Statistiken zeigten, dass Chinas Wirtschaftswachstum nicht ganz durch die Fertigungsindustrie oder durch Exporte, wie einige Leute meinten, angekurbelt worden sei. Der Dienstleistungssektor habe ebenfalls unbestrittene Beiträge zum Wirtschaftswachstum geleistet. „Da der Dienstleistungssektor in direkter Verbindung mit dem Konsum steht, können wir sagen, dass die Rolle des Konsums bei der Ankurbelung des Wirtschaftswachstums früher unterschätzt wurde“, sagte Li.

Laut Li ist die Quote des Beitrags des Konsums zum BIP von 36,3% auf 37,8% gestiegen, während die Beitragsquote des festliegenden Kapitals von 52,9% auf 48,1% und die von Exporten von 9,1% auf 6,3% zurückgegangen ist. Auch der Anteil der Anlageinvestition am BIP ist von 51,5% auf 44,1% gesunken.

Konsequente Politik

Li zufolge hat der Staatsrat beschlossen, die Untersuchungsergebnisse als die Grundlage für die Berechnung der Volkswirtschaft von 2005 und die Ausarbeitung des 11. Fünfjahresprogramms (2006-2010) für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung sowie des Entwicklungsplans für 2006 zu benutzen.

Li sagte jedoch, dass die Regierung ihre Globalsteuerungspolitik nicht verändern werde, da sich die wichtigsten Probleme im Wirtschaftsablauf wie Energieverbrauch nicht wegen der Revision der Statistiken von Grund auf verändern würden. Er fügte hinzu, dass die vorherigen Statistiken im Großen und Ganzen das allgemeine Niveau und den Trend der sozioökonomischen Entwicklung des Landes widerspiegelten.

Allerdings haben einige Gelehrte unterschiedliche Meinungen in dieser Frage. Professor Bai Zhong’en der Tsinghua-Universität sagte, dass die Revision für die Entscheidungsfindung von großer Bedeutung sei. Die Revision bedeute, dass der Tertiärsektor relativ schnelle Entwicklung erfahren habe. Daher solle die Globalsteuerungspolitik dementsprechend angepasst werden.

Jia Kang, ein Finanz- und Steuerexperte, sagte, dass der Anteil der Finanzdefizite am BIP nach der Revision der Statistiken von 2,5% im Jahr 2004 auf weniger als 2% im Jahr 2005 zurückgehe, was bedeute, dass Chinas Haushaltsplan für Finanzausgaben möglicherweise abgeändert werden würde.

Yuan Gangming aus der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften sagte, da der Dienstleistungssektor in den ostchinesischen Gebieten entwickelter als der in den zentral- und westchinesischen Gebieten sei, werde sich die Einkommenskluft zwischen diesen Gebieten weiter vergrößern. Daher werde die Zentralregierung wahrscheinlich die Investitionen in die zentralen und westlichen Gebiete aufstocken.


 

Adresse: BEIJING RUNDSCHAU Baiwanzhuanglu 24,
100037 Beijing, Volksrepublik China