Artikelrückschau
China-Bericht

Business

Chinas Tibet

Zeitgeschehen

Ansichten

Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen China und Deutschland

BR-Titel

Globaler Spiegel

Dokumente

Meine persönliche Meinung

China in den Augen
von Ausländern

Forum

Informationen
über SARS

Boao-Asienforum

Sonderbericht

Rechtsangelegenheiten

 
 
 
 
 
 


 
 
Links
 


 

Schreiben
Sie bitte an uns!

 

Feiertagssaison

Von Zhang Zhiping

Das Frühlingsfest ist zwar immer noch das wichtigste Fest in China, aber ausländische Feste wie Weihnachten und Valentinstag sind in China immer populärer geworden. In der Vergangenheit wurden diese ausländischen Feste in China nur von denjenigen, die für ausländische Firmen arbeiten oder im Ausland studiert oder gelebt haben, gefeiert. Heute begehen auch viele andere Chinesen diese Feste.

Soziologen sagen, dass die Popularität des Weihnachtens auf die heiteren und hellen Farben, die mit dem Fest verbunden sind, zurückzuführen sei. Das Rot sei die beliebteste Feiertagsfarbe in China und repräsentiere Harmonie und Glück. Am Weihnachtstag kann man sehen, dass Weihnachtsmänner und traditionelle chinesische rote Laternen miteinander harmonisieren.

Die Popularität des Weihnachtens entspricht zudem dem gegenwärtigen Konsumdenken. Am Weihnachtstag werden Geschäfte und Restaurants mit Weihnachtsmannsbildern und Christbäumen dekoriert. Auch das Dienstpersonal kostümiert sich als Weihnachtsmänner und fördert unter Ausnutzung dieses fremden Festes das Geschäft.

China hat viele Anhänger des Katholizismus und des Christentums. Den offiziellen Statistiken zufolge gibt es zur Zeit etwa 4 Mio. Katholiken und etwa 10 Mio. Christen in China, und die Zahl steigt ständig. Das zeigt, dass sich das Weihnachten in China großer Popularität erfreut.

Tradition des Frühlingsfestes

Trotz der zunehmenden Popularität ausländischer Feste ist das Frühlingsfest, das dieses Jahr auf Ende Januar fällt, immer noch das bedeutendste Fest in China. Anlässlich des Frühlingsfestes kommen Familienangehörige zusammen und feiern das Fest mit festlichen Essen, Abbrennen von Feuerwerkskörpern und Besuchen von Verwandten und Freunden. Da immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen haben, um in anderen Städten zu arbeiten, ist das Frühlingsfest für sie ein Anlass, in die Heimat zurückzukehren und mit ihren Eltern und anderen Familienangehörigen zusammenzutreffen. Daten der zuständigen Abteilungen zufolge betrug die Zahl der Reisenden während des Frühlingsfestes 2005 1,9 Mrd. und wird in diesem Jahr schätzungsweise auf 2 Mrd. steigen.

Auf das Frühlingsfest eingehend, sagte Lin Xi, ein Mitarbeiter des Ministeriums für Aufbau: „Ich glaube, dass viele Menschen ein gemischtes Gefühl haben. Einerseits freuen sie sich darüber, dass sie mit ihren Eltern zusammentreffen können, andererseits bereitet ihnen die Lösung von Fahrkarten Kopfschmerzen, denn in dieser Zeit ist die Lösung von Fahrkarten infolge der zu vielen Reisenden eine sehr schwierige Sache.“

Viele junge Leute haben mit dem Frühlingsfest schlechte Erfahrungen gemacht. Lin sagte, für diejenigen, die Karriere machten, sei das Frühlingsfest eine Gelegenheit, sich vor ihren Verwandten und Freunden mit ihrem Erfolg zu brüsten. Aber diejenigen, die noch keine nennenswerten Leistungen erzielt hätten, würden wahrscheinlich einen unsichtbaren Druck empfinden. Ihr „Wert“ werde durch den Wert der Geschenke, die sie den Verwandten und Freunden machten, verkörpert. Daher würden sie in Verlegenheit geraten, da sie unfähig seien, teuere Geschenke zu kaufen.

Wie Lin haben viele junge Leute genug von den Sitten des Frühlingsfestes wie Essen, Trinken und Geschenkmachen. Deshalb fürchten einige Experten, dass das Frühlingsfest seine Bedeutung verlieren würde.

Schutz des immateriellen Kulturerbes

Anfang Januar schrieb ein Experte für die Folklore eine Deklaration über den Schutz des Frühlingsfestes, in dem es heißt, dass dem Schutz des Frühlingsfestes als eines Symbols der traditionellen chinesischen Kultur im Zuge der Globalisierung Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.

Im Gegensatz zu der zunehmenden Popularität ausländischer Feste verlieren die traditionellen chinesischen Feste allmählich ihre Attraktion für die junge Generation. Dieser Zustand macht vielen Sorge. Obwohl die meisten Chinesen immer noch Yuanxiao (Klößchen aus klebrigem Reismehl mit süßer Füllung) zum Laternenfest und Zongzi (in Bambus- oder Schilfblätter eingewickeltes Klebreisklößchen) zum Drachenbootfest isst, hat der kulturelle Inhalt dieser Feste abgenommen, und man ist jetzt nicht mehr so leidenschaftlich für das Begehen dieser Feste wie früher.

Angesichts dieser Situation hat die chinesische Regierung Maßnahmen zum Schutz der traditionellen Feste unternommen. Am 31. Dezember 2005 veröffentlichte das Kulturministerium die erste Namenliste für immaterielles Kulturerbe, in die das Frühlingsfest, das Qingming-Fest (das Fest „Helles Licht“), das Drachenbootfest, das Qixi-Fest (das als Valentinstag Chinas betrachtet wird), das Mondfest und das Chongyang-Fest (das Fest für Alte) aufgenommen worden sind.

Medienberichten zufolge ist die Regierung entschossen, Chinas immaterielles Kulturerbe zu schützen.

Es gibt jedoch eine Meinungsverschiedenheit über die Einmischung der Regierung in diese Angelegenheit. In einem Artikel der Zeitung Modern Express heißt es, dass das Frühlingsfest nicht besonders geschützt werden solle. Erstens sei das Frühlingsfest voll und ganz ein Volksfest. Daher solle die Regierung die Bürger das Fest auf ihre eigene Weise begehen lassen, anstatt Aktivitäten zu organisieren. Zweitens sollten die Chinesen Sitten und Gebräuche ändern und nicht den ganzen Tag hindurch zu Hause bleiben, um Karten oder Mah-Jongg zu spielen.

Im Artikel heißt es weiter, dass viele traditionelle Feste ihre ursprüngliche Bedeutung verloren hätten. Was man schützen sollte, sei ihr originale Charme. In diesem Sinne sollten die traditionellen Feste wieder zu einem reinen Volksfest werden.

Zu Ihrer Information

Das Frühlingsfest in China

Seit mehr als 2.000 Jahren gilt nach dem chinesischen Mondkalender das Frühlingsfest als der chinesische Neujahrstag. Der chinesische Neujahrstag wird am 1. Tag des 1. Monats nach dem chinesischen Mondkalender gefeiert, hat also nichts mit dem Neujahrstag 1. Januar nach dem gregorianischen Kalender zu tun. „Frühlingsfest“ wird dieses Fest genannt, weil danach die Frühjahrsbestellung auf dem Lande beginnt.

Das Frühlingsfest ist ein traditionelles Fest Chinas und das wichtigste Fest für alle Chinesen. Das Frühlingsfest kann eine Geschichte von Tausenden von Jahren aufweisen. Es ist traditionell eigentlich ein landwirtschaftliches Fest, um die Ernte des vergangenen Jahres zu feiern und um eine weitere reiche Ernte im kommenden Jahr zu erhoffen. Die reiche Ernte und günstiges Wetter für den Ackerbau sind normalerweise Themen des Frühlingsfestes. Das chinesische Schriftzeichen für das Fest Nian, in deutsch „Jahr“, ist Tausende Jahre alt und sieht aus, als wenn ein Mann eine Hirseähre in der Hand hält.

Zur Feier dieses Festes werden jedem Arbeitnehmer drei Urlaubstage gesetzlich gewährt. Ab dem 23. Tag des 12. Monats nach dem Mondkalender widmen die Chinesen sich nur noch den Vorbereitungen für dieses Fest. In den Tagen davor putzt man die Wohnung und macht alles Geschirr blitzblank. Das bedeutet in China: Den Staub des alten Jahres entfernen und das neue Jahr willkommen heißen.

Wohnung und Geschirr sind rein, jetzt kommt das Essen an die Reihe. Es ist wichtig, dass bei diesem Essen die Familie möglichst komplett ist. So heißt dieses Essen denn auch „Tuanyuan Fan“, „Essen im ganzen Familienkreis“. In Nordchina isst die ganze Familie gewöhnlich „Jiaozi“, eine Art Maultasche mit Fleischfüllung, was das Ende des alten und das Kommen des neuen Jahres bedeutet. In Südchina bevorzugt man „Tangyuan“, Klöße aus Klebreis, die ein Symbol für das Zusammenkommen der ganzen Familie darstellen.

Anlässlich des Frühlingsfestes wird deshalb sehr viel gereist, weil Familienangehörige vielleicht in anderen Städten leben und arbeiten und in den Verwandtenkreis zurückkehren. Der Verkehr, ob in der Luft, auf der Schiene oder Straße, ist dann immer wahnsinnig überlastet. Das Essen findet in fröhlicher Atmosphäre mit Musik, Fernsehen und Unterhaltung statt.

Die Chinesen legen großen Wert auf den Silvesterabend, er ist etwa zu vergleichen mit dem Heiligen Abend in Europa. Die Wohnung wird bunt dekoriert. Nach altem Brauch hängen die Chinesen Türspruchbänder auf. Sie sind aus rotem Papier, auf das in schwarzer Schrift jede Menge Glückwünsche geschrieben werden. Außerdem werden in den Wohnungen Neujahrsbilder aufgehängt, die oft eine symbolische Bedeutung haben. Ein dickes Kind auf einem Fisch zum Beispiel bedeutet ein Jahr guter Ernte. Um Mitternacht geht man dann auf die Straße und begrüßt das neue Jahr mit viel Feuerwerk und Tanz. In einigen Großstädten ist das Feuerwerk inzwischen wegen der Sicherheit der Menschen nur in bestimmen Gebieten erlaubt. Andere Chinesen sitzen zusammen und spielen Karten oder erzählen sich Geschichten, keiner geht ins Bett. Das hat eine lange Tradition. Die Chinesen sprechen von „Shousui“, auf deutsch „Die letzte Nacht des Jahres wird durchgewacht“. Sie verbinden damit eine symbolhafte Bedeutung. Es heißt, wer in dieser Nacht nicht schläft, hat ein langes Leben.

Am ersten Tag des neuen Jahres besuchen die Chinesen ihre Verwandtschaft, Freunde und Bekannte. Dabei ist es da und dort üblich, Geschenke auszutauschen. Immer mehr Chinesen unternehmen jetzt auch Reisen in andere Landesteile oder gar ins Ausland. In einzelnen Regionen Chinas sind darüber hinaus viele interessante Sitten und Gebräuche zum Frühlingsfest erhalten geblieben.

 

Adresse: BEIJING RUNDSCHAU Baiwanzhuanglu 24,
100037 Beijing, Volksrepublik China