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Frauen brauchen Unterstützung gegen Misshandlungen

Unabhängige Ortsgruppen setzen sich gegen häusliche Gewalt zur Wehr

Von Fen Jianhua

Häusliche Gewalt ist eine soziale Krankheit, gegen die kein Land immun ist. Trotz unterschiedlicher sozialer Bedingungen in der Welt hat diese Form von Gewalt jedoch einen gemeinsamen roten Faden – sie ist fast immer direkt gegen Frauen gerichtet und verletzt offen ihre Menschenrechte.

In der langen Geschichte Chinas hat die Idee, dass Frauen Männern untergeordnet sind und dass der Ehemann das Familienleben beherrschen sollte, stets die Oberhand gehabt. Häusliche Gewalt, die gang und gäbe ist, wird als ein familieninternes Problem betrachtet, in das andere sich nicht einmischen sollten. Um mit dieser Situation fertig zu werden, hat China das Verbot häuslicher Gewalt im Gesetz festgelegt. Im Zuge dieses Vorgehens sind viele Organisationen, die darauf abzielen, häuslicher Gewalt Einhalt zu gebieten und misshandelten Frauen zu helfen, gegründet worden. Diese kühnen Anstrengungen haben die einst verborgenen Probleme ans Tageslicht gebracht.

Die Anzahl der Vorfälle hinsichtlich häuslicher Gewalt, die vom Allchinesischen Frauenverband (All-China Women’s Federation, ACWF) behandelt worden seien, sei in den letzten Jahren drastisch gestiegen, insbesondere solche, die Familien involvieren, deren Mitglieder einen hohen Bildungsgrad hätten, sagte Deng Li, Vizeleiterin der Abteilung für Rechte und Interessen des ACWF.

Deng zufolge ist das o.g. Phänomen hauptsächlich auf soziale Probleme wie die hohen Bildungskosten von Kindern, die Zunahme der außerehelichen Affären und Beschäftigungsdruck, insbesondere die Zunahme der Anzahl der freigesetzten Arbeiterinnen, zurückzuführen. Die Verbesserung des Rechtsbewusstseins der Frauen führt ebenfalls zur Zunahme der Offenlegungen häuslicher Gewaltfälle.

„Wir haben festgestellt, dass die meisten Frauen ihr Leid nicht mehr verbergen. Viele suchen jedoch nur durch das Klagen über ihre Erlebnisse äußere Hilfe, anstatt Maßnahmen zur Veränderung ihrer Situation zu ergreifen“, sagte Deng.

Einer Stichprobe, die vom Shanghaier Frauenverband im März 2004 unter 483 Frauen durchgeführt wurde, zufolge leiden 157 bzw. 33% unter ihnen unter häuslicher Gewalt.

Sich hilflos fühlen

Xiao Hua stimmte nur einem anonymen Telefoninterview zu, da sie befürchtete, dass ein offenes Interview die Dinge schlimmer machen würde.

Als über ihre gegenwärtige Situation gesprochen wurde, begann Xiao Hua, unkontrollierbar zu schluchzen, bevor sie mir, leicht benommen, über ihre Geschichte erzählte.

Xiao Hua wurde damals, als sie gerade die Berufschule absolvierte, als ein gebildetes Mädchen betrachtet. Ihr Freund, der aus einer sehr armen Familie stammte, schloss sein Mittelschulstudium nicht ab. „Seine einzige starke Seite war, dass er gerne malte“, sagte Xiao Hua sich erinnernd.

„Ich schätzte seine Beharrlichkeit und war davon überzeugt, dass er Erfolg haben würde. Aus diesem Grund heiratete ich ihn, ungeachtet der Bedenken meiner Familie“, sagte Xiao Hua.

Nach der Eheschließung übernahm Xiao Hua alle Hausarbeit und betreute ihr Baby und ihre Schwiegereltern, um ihrem Mann mehr Zeit zu geben, sich auf das Malen zu konzentrieren. „Obwohl ich mich damals nicht glücklich fühlte, beklagte ich mich jedoch niemals, da ich davon überzeugt war, dass eines Tages ein glückliches Leben kommen würde“, so Xiao Hua.

Viele Jahre später wurde ihr Mann endlich ein erfolgreicher und wohlhabender Maler. Er verlangte dann von Xiao Hua, ihren Beruf aufzugeben und nur noch Hausfrau zu sein. Xiao Hua befolgte seine Entscheidung, und eine Zeitlang war ihr Leben gut.

Aber die Situation veränderte sich. Ihr Mann begann, sie zu ignorieren, und beschuldigte sie, dass sie keinen guten Geschmack habe und nicht in der Lage sei, ihm Inspiration für seine Malerei zu geben. Um die sogenannte „Inspiration“ zu bekommen, begann er offen, nach Geliebten zu suchen. Als Xiao Hua versuchte, ihn zu stoppen, schlug er sie zu ihrer Überraschung mit seinen Fäusten und warf einen Stuhl auf sie.

Nach dem ersten Angriff verbrachte er die Nächte oft nicht zu Hause oder schlug sie aus fabrizierten Gründen, wenn er zurückkehrte.

„Ich wollte ihn durch Selbstmord bestrafen und ihn mit einem schlechten Gewissen leben lassen. Als ich jedoch an meine Tochter dachte, gab ich diese Idee auf“, sagte Xiao Hua.

Dann versuchte sie, sich für ihre Leiden zu revanchieren. Sie begann selber auch, nach Geliebten zu suchen. Aber ihre konservative Erziehung erlaubte ihr nicht, dies zu Ende zu führen.

Aus Verzweiflung versuchte sie, einen Arbeitsplatz zu finden. Aber weil sie bereits nicht mehr jung war und kein fachliches Können hatte, misslangen ihr Versuche. Hilflos hatte sie ihren Mann zu tolerieren und mit ihm ein unechtes Eheleben zu führen.

„In den Augen der anderen bin ich wohlhabend und glücklich. Ich führe jedoch ein elendes Leben. Ich muss immer vorsichtig sein, da ein falsches Vorgehen oft zu Prügel führt“, so Xiao Hua.

Auf die Frage, warum sie sich nicht von ihrem Mann scheiden lasse, antwortete Xiao Hua, sie habe Angst, dass sie dann keinen Ort zu leben haben würde. „Was soll ich tun?“ seufzte sie in einem hoffungslosen Ton am Ende des Interviews.

Anhaltender Kampf

Chun Lian arbeitet als Redakteurin in einem Verlag. Sie hat einige Bücher herausgegeben und eine glänzende Karriere vor sich. Ihr Mann, der in einem Regierungsorgan arbeitet, befindet sich jedoch an einem Tiefpunkt in seiner Karriere. Überraschenderweise wurde dies der Grund für ihn, seine Frau zu schlagen.

Chun Lian kann sich noch deutlich an das erste Mal, als ihr Mann sie attackierte, erinnern. Dies wurde von einem Schriftsteller ausgelöst, der darauf bedacht war, seine Werke herauszugeben, und zu Chun Lians Wohnung kam, um mit ihr die Möglichkeit zu diskutieren. Chun Lians Mann war mit diesem Besuch unzufrieden, geriet mit ihr in Streit und gab ihr dann eine Ohrfeige.

Eine Telefonnummer war der Grund für einen anderen Schlag. Eines Tages fand ihr Mann eine Telefonnummer auf einer Zeitung, die sie nach Hause gebracht hatte. Er fragte sie wiederholt, wessen Telefonnummer dies sei. Sie lehnte es ab, darauf zu antworten. Der heftige Krach, der folgte, ließ Chun Lian so geschlagen und getreten zurück, dass sie kaum mehr gehen konnte. Der Schrecken sitzt Chun Lian heute noch in den Knochen.

Am Vorabend des Frühlingsfestes eines Jahres, der glücklichsten Zeit des Jahres für die Chinesen, attackierte Chun Lians Mann sie wegen einer trivialen Sache, was dazu führte, dass ihre Nachbarn kamen, um sie zu schützen. Sie lief mit ihrer Tochter aus ihrer Wohnung, nur dünne Kleidungsstücke und Pantoffeln tragend. Sie hatten auf dem kalten Fußboden ihres Büros zu übernachten. Auf ihre Tochter Rücksicht nehmend, kehrte Chun Lian schließlich widerstrebend nach Hause zurück.

„Ich kann dieses Leid nicht mehr ertragen. Im Vergleich mit der körperlichen Verletzung ist der Schmerz in meinem Herz noch schlimmer“, sagte Chun Lian.

Sie sagte, dass sie Maßnahmen ergriffen habe, um die gegenwärtige Situation zu verändern, und dass sie davon überzeugt sei, dass diese Methoden Erfolg bringen würden.

Kapitalknappheit

„Ich bin 74 Jahre alt, aber immer noch mit meiner Arbeit beschäftigt“, sagte Wang Xingjuan, Verantwortliche des Beijinger Psychologischen Beratungszentrums Hongfeng (kurz: Zentrum).

Das Zentrum, gegründet im Oktober 1988, ist eine nichtstaatliche und nicht-gewinnmachende Organisation. Es beschäftigt sich mit sozialen Problemen, die Frauen betreffen, und bietet Frauen Beratungsdienste an. Im Jahr 1992 eröffnete das Zentrum in Beijing die erste Hotline für psychologische Probleme und Rechtshilfe. Am 8. März 2004 eröffnete das Zentrum eine Hotline für Opfer häuslicher Gewalt, ebenfalls die erste dieser Art in der Hauptstadt.

„Innerhalb von 10 Tagen seit der Eröffnung dieser Hotline haben wir mehr als 40 Frauen empfangen. Einige unter ihnen befinden sich in einer unerwartet extrem schlimmen Lage“, sagte Wang.

Wang arbeitete viele Jahre lang im Bereich der Massenmedien. In den 1980ern diente sie als stellvertretende Chefredakteurin einer Zeitschrift, die sich der Ehe und Familie widmete. „Unsere Zeitschrift übte großen Einfluss auf Frauen aus. Viele von ihnen kamen zu uns, um uns ihr Leid zu erzählen. Ich war über einige ihrer Schicksale erschüttert und stellte fest, dass die Probleme, mit denen Frauen konfrontiert sind, soziale Probleme, darunter die Beschäftigung, die Mitwirkung bei der Regelung der Staatsangelegenheiten und die Ehe, sind. Die Gesellschaft sollte diesen Problemen gebührende Aufmerksamkeit schenken“, so Wang.

Nach ihrer Pensionierung im Jahr 1988 unternahm Wang (58) mit weiteren drei weiblichen Intellektuellen gemeinsam Anstrengungen, um mit ihren eigenen Geldern das Hongfeng-Zentrum zu gründen. Aufgrund der Kapitalknappheit habe sich ihre Arbeit am Anfang nur auf die akademische Forschung konzentriert, erklärte Wang.

„Wir stellten jedoch fest, dass es für unsere Forschung schwierig war, die Aufmerksamkeit der Gesellschaft zu erregen und finanzielle Unterstützung von Spendenorganisationen zu erhalten. Daher beschlossen wir, eine Frauen-Hotline zu eröffnen, und jetzt haben wir bereits drei Hotlines. Dies hat zur Entwicklung unseres Zentrums beigetragen“, fügte Wang hinzu.

Das Zentrum hat jetzt sieben hauptberufliche Mitarbeiter und mehr als 70 freiwillige Helfer. Die meisten von ihnen sind gut gebildet. Sie unterstützen diese Unternehmung mit einem selbstlosen Geist.

„Ich werde allerdings durch die Kapitalknappheit geplagt. Ohne finanzielle Unterstützung kann unser Zentrum zu jeder Zeit zumachen“, sagte Wang abschließend.


 

Adresse: BEIJING RUNDSCHAU Baiwanzhuanglu 24,
100037 Beijing, Volksrepublik China