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Der Ruhm von Porzellan

Der Aufschwung und Niedergang von Jingdezhen, der „Porzellanmetropole“ Chinas, verkörpert den Übergangsprozess von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft. Sie sucht momentan nach einer Lösung.

Von Jian Fa

Im Jahr 2004 feierte Jingdezhen, eine Stadt in der Provinz Jiangxi und das Zentrum der Porzellanindustrie Chinas, seinen 1000. Gründungstag. Es ist schwer, weltweit ein zweites Beispiel dafür zu finden, dass sich die Wirtschaft einer Stadt so lange wie Jingdezhen auf eine einzige Industrie gestützt hat.

Als China Ende der 1970er begann, von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft zu übergehen, war Jingdezhen neuen wirtschaftlichen Herausforderungen ausgesetzt und begann herunterzukommen.

Jingdezhens Porzellanindustrie steht nun unter Marktdruck und ist mit einem heftigen Wettbewerb mit Produkten anderer Landesteile konfrontiert. Jingdezhens Porzellane sind in der Qualität von den einiger neuer großer Privatunternehmen in anderen Städten übertroffen worden.

Trotzdem wird die Porzellanindustrie immer noch als der Lebensnerv Jingdezhens betrachtet. Die Stadt wird Schaden erleiden, falls sie ihren großen Marktanteil verliert. Was die Porzellanwaren für den täglichen Gebrauch anbelangt, ist der gesamte Produktionswert der Stadt nicht so groß wie der eines großen Privatunternehmens in einer anderen neuen Porzellanproduktionsbasis. Viele staatseigene Porzellanfabriken von Jingdezhen sind gezwungen, zu schließen, was dazu geführt hat, dass Tausende und aber Tausende freigesetzte Arbeiter keine Wiederbeschäftigungsmöglichkeit haben und die pensionierten Arbeiter ihre Rente nicht termingemäß erhalten können.

Die Lokalregierung begann schon vor einigen Jahren, sich für die Feier zum 1000. Gründungstag dieser Stadt vorzubereiten. Ihr Ziel war, die Erinnerung der Menschen an den Ruhm der Stadt zu wecken und eine wirtschaftliche Wiederbelebung zu verwirklichen.

In einer Nachricht im April 2004 hieß es jedoch, dass die Staatliche Assoziation für Leichtindustrie und die Chinesische Assoziation für Porzellanindustrie der Stadt Chaozhou, einer Porzellanproduktionsbasis in der Provinz Guangdong, den Titel „Porzellanmetropole“ verliehen hatten. Jingdezhens Stadtbewohner waren darüber so entrüstet, dass sechs Rechtsanwälte der Stadt freiwillig Anklage gegen die beiden Organisationen erhoben und von ihnen verlangten, diese Entscheidung zurückzunehmen.

„Wir zielten darauf ab, durch die Auswahl einiger international einflussreicher Städte und Marken die Entwicklung der Porzellanindustrie als Ganzes zu fördern“, erklärte Huang Xinhong, eines der Mitglieder des Bewertungskomitees und Mitglied der Chinesischen Assoziation für Porzellanindustrie. „Wenn wir Jingdezhen diesen Titel verliehen hätten, würde das bedeuten, dass wir für die Entwicklung der Porzellanindustrie Chinas unverantwortlich sind und die Veränderungen in dieser Branche ignorieren.“

„Was Jingdezhen anbelangt, ist seine glänzende Zeit schon vorbei. Es geht mit ihm bergab“, sagte Huang abschließend.

Herunterkommen

Jingdezhen war vor Ende der 1970er, was seine Porzellanproduktionskapazität anbelangt, unübertroffen. Nachdem China 1978 begonnen hatte, die Marktwirtschaft einzuführen, hat es diese alte Stadt, die sich stets auf die Bestellliste von der Regierung verließ, versäumt, entsprechende Adjustierungen vorzunehmen.

Im Planwirtschaftssystem dienten einige wichtige staatseigene Porzellanfabriken in Jingdezhen als Werkstätten für Geschenke, die Staatsführer auf ihren diplomatischen Auslandsreisen machten. Während sich diese Unternehmen um die Verbesserung der Technologien bemühten, berücksichtigten sie nicht die Produktionskosten.

Nach der Einführung der Reformpolitik in den 1980ern wurde die finanzielle Unterstützung des Staates reduziert, und im ganzen Land begann ein Wettbewerb in der Porzellanindustrie. Trotzdem konzentrierte sich Jingdezhen immer noch auf den kleinen Markt für luxuriöse Porzellane, die teuer zu produzieren sind. Der durchschnittliche jährliche Produktionswert dieser Stadt betrug eine Zeit lang nur etwa 1 Mrd. Yuan (120,8 Mio. US$), was lediglich dem Jahresproduktionswert einer börsennotierten Gesellschaft in Foshan, einer weiteren Porzellanproduktionsbasis in der Provinz Guangdong, entsprach.

Anfang der 1990er wurden die Privatunternehmen in Guangdong, Fujian, Shandong und anderen Provinzen, die alle die Tradition der Porzellanproduktion haben, durch die Anziehung von Investitionen ausgebaut. Im Gegensatz dazu hatte die Stadtregierung von Jingdezhen zehn große staatseigene Porzellanfabriken geschlossen, anstatt sie zu Aktiengesellschaften zu reorganisieren. Als Folge entstanden Tausende und aber Tausende kleine Werkstätten mit rückständigen Technologien.

Einem Bericht von Porcelain Capital Evening, einer lokalen Zeitung, zufolge gab es in der Blütezeit von Jingdezhen über 5000 Porzellanwerkstätten. Viele von ihnen sind nun verschwunden, da sie unfähig sind, die inländische Marktnachfrage zu decken.

Neue Porzellanmetropolen

Als ein Schatten auf Jingdezhens Ruhm fiel, begannen andere Porzellanproduktionsbasen jedoch, sich in hohem Tempo zu entwickeln. Besonders erwähnenswert ist, dass Küstenstädte und -kreise, darunter Chaozhou und Foshan in der Provinz Guangdong, Dehua in der Provinz Fujian, bemerkenswerte Erfolge erzielt haben.

Der Umfang der Porzellanindustrie von Chaozhou war im Jahr 1995 so groß wie der von Jingdezhen. Fünf Jahre später verfügte Chaozhou bereits über 10 000 private Porzellanfabriken. Geschäftsleute von Chaozhou, die wegen ihrer schlauen Köpfe von den Einheimischen als „Juden Chinas“ bezeichnet werden, haben die Produktion von Porzellanen für den täglichen Gebrauch mit modernen Technologien entwickelt und dadurch die Produktionskosten beträchtlich reduziert.

Gegenwärtig kann Chaozhou jährlich 34 Mio. Stück porzellanene Toilettenwaren produzieren, was 57% der Gesamtproduktion und über 50% des Gesamtexportes des Landes in diesem Bereich ausmacht. Chaozhou produziert zudem jährlich 120 Mrd. Stück elektronische Porzellanwaren, was 70% der Gesamtproduktion des Landes und 50% der der Welt ausmacht.

Nach der Kapitalakkumulation suchten die Porzellanproduzenten von Chaozhou nach einem Weg zur professionellen Produktion und bildeten schnell eine diversifizierte Produktionskette für luxuriöse Porzellane, Porzellanwaren für den täglichen Gebrauch, Porzellane in antikisierendem Stil, Porzellanwaren für Weihnachten, elektronische Porzellanwaren usw.

Im Vergleich mit Jingdezhen hat der Kreis Dehua einen größeren Anteil auf dem Porzellanexportmarkt. Dieser Kreis hat mehr als 1100 Porzellanbetriebe, die Mehrheit von ihnen ist exportorientiert. Im Jahr 2003 realisierte Dehua einen Produktionswert von 5,31 Mrd. Yuan (641,3 Mio. US$), etwa 500 Mio. US$ davon stammen aus dem Export, während Jingdezhen im gleichen Zeitraum nur 10 Mio. US$ aus dem Export erwirtschaftete.

Einige vielversprechende Porzellanproduktionsbasen haben begonnen, sich um Fachkräfte zu bewerben. Sie haben den Fachkräften von Jingdezhen versprochen, ihnen Autos und Wohnungen sowie Gewinnanteile für Innovationen zu geben, wenn diese zu ihnen kommen. Auf diese Weise haben sie eine große Anzahl von Fachkräften aus Jingdezhen angezogen.

Rettung

Chen Yuqian, Leiter der Bibliothek des Porzellaninstituts von Jingdezhen, war jedoch optimistisch für die Aussichten der Wiederbelebung der Wirtschaft Jingdezhens. Er sagte, dass die tausend Jahre alte Tradition dieser Stadt ihren heutigen Ehrgeiz wecken werde. In der Tat hat Jingdezhen in seiner Geschichte unzählige kostbare Porzellane produziert, zahlreiche geschickte Handwerker hervorgebracht und ein vollständiges Porzellanproduktionssystem entwickelt. Chen ist davon überzeugt, dass diese Zivilisationsgeschichte nicht nur in der Welt, sondern auch in anderen inländischen Porzellanproduktionsbasen unvergleichlich ist.

Chen ist der Meinung, dass die Stadt für ihre Wiederbelebung in zwei Hinsichten einen Durchbruch erzielen müsse. Erstens sollte sie den Weg der Industrialisierung gehen; zweitens sollte sich die Porzellanindustrie mit anderen Branchen verbinden, um den Absatz zu vergrößern.

„Es mangelt Jingdezhen nicht an ausgezeichneten Technikern, sondern an Unternehmern, die die Technik in einer modernen Produktion anwenden können“, sagte Chen abschließend. Dies ist ebenfalls die gemeinsame Ansicht der Jingdezhener.

 

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