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Ist China fähig, selbstständig die Hochtechnologie zu entwickeln?

Sind die technologischen Unternehmen Chinas nur „Lohnarbeiter“ anderer Länder? Besitzt China die Hochtechnologie im wahrsten Sinne des Wortes? Wann wird China in der Lage sein, selbstständig wissenschaftliche und technologische Innovationen durchzuführen? Diese Fragen sind keine neuen Fragen mehr. Nachdem die chinesische Regierung den „Grundriss des nationalen Programms für die lang- und mittelfristige Entwicklung von Wissenschaft und Technik (Entwurf) (im Folgenden kurz als „Grundriss“ bezeichnet) veröffentlicht hat, löst dieses alte Thema eine neue Diskussionsrunde aus.

Im Grundriss, der Anfang Februar bekannt gegeben wurde, heißt es: „Die wahren Kerntechnologien in den Schlüsselbereichen, die mit der Volkswirtschaft und der Sicherheit des Staates in engem Zusammenhang stehen, können nicht gekauft werden. Um die Initiative in der internationalen Konkurrenz zu ergreifen, muss die Fähigkeit zur selbstständigen Innovation erhöht werden. Es ist notwendig, eine Reihe von Kerntechnologien zu beherrschen und eine Anzahl von konkurrenzfähigen Unternehmen zu schaffen.“ Im Grundriss wird zudem darauf hingewiesen, dass die Hauptträger der selbstständigen Innovation die Unternehmen sind.

Anfang der 1990er traf die chinesische Regierung eine strategische Entscheidung, nämlich die Entwicklung von High-Tech-Unternehmen zu beschleunigen, um der Herausforderung einer neuen technologischen Revolution zu begegnen. In Übereinstimmung mit der Entscheidung der Regierung wurde eine Anzahl von Entwicklungszonen von High-Tech-Industrien im ganzen Land errichtet. Diese neuen Zonen stützen sich auf die Öffnung und die wirtschaftliche und wissenschaftlich-technologische Stärke des Landes. Sie wurden errichtet, um die wissenschaftlichen und technologischen Forschungsergebnisse in reale Produktivkräfte zu verwandeln und neue High-Tech-Industrien zu entwickeln.

Die High-Tech-Entwicklungszonen bieten der Kommerzialisierung und der Industrialisierung der wissenschaftlichen Entwicklung eine gesunde Umgebung. Eine Anzahl von High-Tech-Unternehmen ist in den letzten Jahren entstanden und weist ein großes Entwicklungspotenzial auf.

Wie geht es den chinesischen High-Tech-Unternehmen? Bis Ende 2005 sind 30 000 von den 45 000 Unternehmen, die in den nationalen High-Tech-Entwicklungszonen registriert wurden, als High-Tech-Unternehmen bestätigt worden. Über 3000 Unternehmen hatten ein Geschäftseinkommen von mehr als 100 Mio. Yuan; die Zahl der Unternehmen mit auswärtigem Kapital, einschließlich der Unternehmen mit Investitionen aus Hong Kong, Macao bzw. Taiwan, erreichte 8000, und 4,8 Mio. Menschen wurden von diesen High-Tech-Unternehmen beschäftigt. Die 53 nationalen High-Tech-Entwicklungszonen des ganzen Landes hatten alle ein erhebliches Wachstum in den wichtigsten wirtschaftlichen Planziffern zu verzeichnen. Ihr gesamtes Geschäftseinkommen betrug im Jahr 2005 3,38 Billionen Yuan, 634,66 Mrd. Yuan oder 23,11% mehr als 2004; ihr industrieller Bruttoproduktionswert erreichte 2,84 Billionen Yuan, eine Zunahme um 25,44% gegenüber 2004; der Wertzuwachs ihrer Industrien betrug 709,27 Mrd. Yuan, eine Zunahme um 27,98%; und ihre Steuereinnahmen betrugen 146,73 Mrd. Yuan, ein Anstieg um 18,37%.

Das Handelsministerium gab vor kurzem bekannt, dass die Zahl von chinesischen High-Tech-Unternehmen mit einem Jahresexportvolumen von mehr als 100 Mio. US$ im letzten Jahr 279 erreichte. Ihr gesamtes Exportvolumen betrug 172,82 Mrd. US$, was 79,2% des gesamten Exportvolumens von High-Tech-Produkten Chinas ausmachte.

Im Jahr 2005, wo eine Anzahl von chinesischen High-Tech-Unternehmen mit relativ starker Fähigkeit zur selbstständigen Innovation rapide aufwuchs, betrug das Exportvolumen von High-Tech-Produkten mit eigenen geistigen Eigentumsrechten über 20 Mrd. US$.

Abgesehen von den Produktionsunternehmen, legten die nationalen High-Tech-Entwicklungszonen Chinas in den letzten Jahren großen Wert auf die Entwicklung von Unternehmen für technologische Dienstleistungen. Nun machen diese Unternehmen über 40% der Gesamtzahl der Unternehmen in den nationalen High-Tech-Entwicklungszonen aus.

Vor kurzem behauptete Wirtschaftswissenschaftler Larry H.P. Lang, dass die Zahl von Unternehmen und ihr Geschäftseinkommen allein nicht beweisen könnten, dass die High-Tech-Entwicklungszonen gut betrieben werden. Er sagte, Chinas Methoden für die Entwicklung der Hochtechnologie hätten wenig mit Disziplin und Arbeitsverfahren zu tun, und ein Unternehmen ohne Disziplin könne nicht zu einem „Microsoft“ werden. Er erklärte, dass China keine Hochtechnologie im wahrsten Sinne des Wortes und daher kein echtes High-Tech-Unternehmen habe. Einige Leute stimmen ihm zu und meinen, dass China einen sehr langen Weg vor sich habe, bevor es bekannt geben könne, dass es eine wirklich unabhängige High-Tech-Industrie habe.

Aber andere Leute sind der Meinung, dass China hinsichtlich der Entwicklung der Hochtechnologie seine eigene Methode gefunden habe und sich jetzt eines vollständigen Systems in den Bereichen Industriepolitik, Industrieplanung, Unterstützung für die Industrie, Schaffung von bekannten Marken und Werbung für Industrieunternehmen erfreue.

Chinas Hochtechnologie: ein Trugbild

Larry H.P. Lang (Wirtschaftswissenschaftler der Chinese University of Hong Kong): Eine Handvoll von berühmten chinesischen High-Tech-Unternehmen wie Tsinghua Unisplendor, Beijing Founder, Chinese Silicon Valley (in der Tat ein Immobilienunternehmen) und China Datang Corp. kann als negative Beispiele dienen. Das einzig gut betriebene Unternehmen ist ZTE Co.

Durch die Analyse der Statistiken stelle ich fest, dass Lenovo zwar durch die Akquisition der PC-Geschäfte von IBM Corp. und andere wirtschaftliche Aktivitäten sein Vermögen vergrößert hat, aber die Amortisationsrate seines Vermögens aus Mangel an einem ausführlichen Entwicklungsplan von 19% 2001 auf 12% 2003 zurückgegangen ist. Lenovos Internet-Geschäfte erlitten infolge der misslungenen Zusammenarbeit mit Yestock Information Technology einen Verlust in Höhe von 200 Mio. HK$. Darüber hinaus wurde sein Joint Venture mit America Online aufgrund interner Probleme mit einem Verlust geschlossen.

Lenovos Kurzsichtigkeit manifestiert sich hauptsächlich in seinem IT-Service. Obwohl sein IT-Service immer Verluste erlitt, entwickelte sich sein Geschäft in diesem Sektor sehr schnell, schneller als die Expansion des Marktes. Beispielsweise stieg der IT-Servicesektor Chinas im Jahr 2003 um 31,5%, aber Lenovos Wachstum in diesem Sektor betrug 198%. Im Jahr 2003 rangierte Lenovo mit einem 3,5prozentigen Marktanteil auf dem chinesischen IT-Beratungsmarkt nach IBM und Hewlett-Packard an dritter Stelle und nahm damit einen wichtigen Platz in diesem Bereich ein. Seltsamerweise stoppte Lenovo plötzlich seinen Vormarsch in diesem Sektor und überließ im Juli 2004 AsiaInfo Holdings seinen IT-Service für 300 Mio. Yuan, um einen 15prozentigen Aktienanteil dieser Gesellschaft zu erwerben. Der Grund für Lenovos Rücktritt liegt darin, das es unfähig war, sein Ziel im IT-Service zu realisieren. Meiner Meinung nach gibt Lenovo seinem IT-Service nicht genug Zeit, sein Ziel zu erreichen. Dies ist der Grund, warum ich sage, dass Lenovo kurzsichtig ist.

Lenovo schenkt der Forschung und Entwicklung keine Bedeutung. Es räumt dem Marketing Priorität ein und unterschätzt die Wichtigkeit der Technologie. Diese Mentalität wurde erst 2004 verändert, als es 200 Mio. Yuan für die Forschung und Entwicklung bereitstellte. Doch diese Geldsumme machte nur knapp 1,2% seines gesamten Geschäftsvolumens desselben Jahres aus. Im Vergleich zu Huawei Technologies und Haier Group sind Lenovos Fonds für die Forschung und Entwicklung viel zu wenig. Huawei Technologies und Haier stellen jährlich nicht weniger als 10% bzw. 5% ihres Geschäftsvolumens für die Forschung und Entwicklung bereit.

Für ein großes Land wie China sind die High-Tech-Unternehmen zu wenig. Nach dem Jahresbuch über die internationale Konkurrenzfähigkeit 2003, das vom International Institute for Management Development in der Schweiz veröffentlicht wurde, rangierte China in der technologischen und der wissenschaftlichen Infrastruktur an 42. bzw. 24. Stelle. Die umfassende Konkurrenzfähigkeit Chinas (einschließlich der wirtschaftlichen Errungenschaften, der Arbeitsleistung der Regierung, der Wirtschaftseffizienz der Unternehmen und der Infrastruktur) ging von der 21. Stelle im Jahr 1998 auf die 31. Stelle im Jahr 2002 zurück.

Darüber hinaus ist die niedrige Effizienz der Forschung und Entwicklung Chinas eine weltbekannte Tatsache: Hinsichtlich der Zahl des Forschungspersonals rangiert China weltweit an 2. Stelle, aber sein Output ist unter den niedrigsten der Welt.

Fang Jiaping (Freiberuflicher Schriftsteller)

Langs Kritik ist nicht grundlos. Einem Bericht der Xinhua-Nachrichtenagentur zufolge besitzen pro 10 000 chinesischen Unternehmen nur drei Kerntechnologien mit eigenen geistigen Eigentumsrechten. 99% der chinesischen Unternehmen haben keinen Antrag auf ein Patent gestellt. In diesem Bericht heißt es zudem, dass im Jahr 2004 130 000 Patentanträge für Erfindungen in China ausgewertet wurden. Etwa die Hälfte davon stammte aber von transnationalen Unternehmen. Nur 18% der inländischen Patentanträge waren Patentanträge für Erfindungen, während der Prozentsatz für ausländische Unternehmen in diesem Bereich 86% betrug. Diese Statistiken beweisen die Richtigkeit der Kritik von Lang. Wie viele international fortgeschrittene Technologien mit eigenen geistigen Eigentumsrechten können die chinesischen High-Tech-Unternehmen wie Lenovo präsentieren? Und wie viele chinesische Unternehmen werden wegen der technologischen Rückständigkeit an der Entwicklung gehindert?

Andere Meinung: schnelle Entwicklung der Hochtechnologie in China

Gai Cheng (Gelehrter für die Theorie über High-Tech-Industrie): Professor Lang sagte, dass China keine High-Tech-Industrie und kein High-Tech-Unternehmen im wahrsten Sinne des Wortes habe. Der Grund liegt darin, dass er niemals im chinesischen Silicon Valley gewesen ist. Soviel ich weiß, wird Lenovo Group in diesem Jahr 2,5 Mrd. Yuan in die Forschung und Entwicklung investieren. Ende 2004 akquirierte Lenovo PC-Geschäfte von IBM und wurde damit zum drittgrößten Computerunternehmen in der Welt. Die 1500 originalen IBM-Patente gehören nun zu Lenovo. Hinzu kommen die ursprünglichen über 1000 Patente von Lenovo Group. Damit besitzt Lenovo jetzt über 2500 Patente. Noch wichtiger ist, dass Lenovo weiter Innovationen durchführen und jährlich 2% seines Geschäftsvolumens in die Forschung und Entwicklung investieren wird.

Das chinesische Silicon Valley hat eine eigenartige Innovationskultur. Wenn Professor Lang Zeit hat, soll er es einmal besuchen, um dessen Innovationskultur kennen zu lernen.


 

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