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Unter großem Druck heranwachsen

Von Tang Yuankai

Für viele chinesische Familien ist die Hochschulaufnahmeprüfung, die im Juni jedes Jahres stattfindet, ein entscheidender Augenblick für die Zukunft ihrer Kinder. Die Kinder und ihre Eltern bereiten sich über zehn Jahre lang, von der Grundschule bis zur Mittelschule, für diese Prüfung vor.

In der heutigen Gesellschaft, die voller Konkurrenz ist, schenken die Eltern der Zukunft ihrer Kinder große Aufmerksamkeit. Die Hoffnung auf eine schöne Zukunft ihrer Kinder veranlasst sie, um jeden Preis ihren Kindern die besten Bedingungen für ihr Lernen zu schaffen. Daher wachsen die jungen „Königinnen“ und „Könige“ unter dem Druck der großen Erwartungen ihrer Eltern heran.

Viele Kinder fühlen sich wie ein großer Kuchen: jeder andere kann ihre Zeit im Namen des Lernens in Anspruch nehmen. Als Folge ist das traditionelle Konzept von einer glücklichen Kindheit den heutigen Kindern allmählich aus dem Gedächtnis geschwunden. Darüber hinaus wird die psychische Gesundheit der Kinder oft von ihren Eltern und Lehrern vernachlässigt.

Noch schlimmer ist, dass die eigentliche Bedeutung der Bildung vergessen worden ist.

Die Bildung soll nicht um der Zukunft der Kinder willen ihre glückliche Kindheit preisgeben. Diejenigen, die im Bildungswesen tätig sind, müssen erkennen, dass die Kinder ein freies Lebensumfeld, in dem sie ihre Persönlichkeit voll entfalten können, haben sollen. Die Triebkraft für das Lernen ist das Interesse, das von der selbstständigen Wahrnehmung und Erkennung der Kinder für die Welt stammt. Daher brauchen die Kinder eine angemessene Anleitung der Eltern und Lehrer in einer freien und toleranten Umgebung. Allerdings betonen viele Bildungsmethoden Chinas das Eintrichtern, das die Kinder ihrer Freiheit und Neugier beraubt und ihre Kreativität unterdrückt.

Für die Schulen und Lehrer sind die Prüfungsnoten und die Aufrückungsrate der Absolventen das einzige Bewertungskriterium für die Unterrichtsqualität und die Lehrarbeit. Seit vielen Jahren wird die Prüfung als der einzige Weg zur Bewertung der Leistungen der Schulen betrachtet. Daher legen die Lehrer großes Gewicht auf die Aufnahmeprüfung, anstatt den Schülern zu helfen, ihr eigenes Interesse zu entwickeln. Wenn die Schüler mit dem Lernen schwer belastet sind, können sie sich nicht allseitig entwickeln.

Selbstverständlich haben weitsichtige Persönlichkeiten nie aufgehört, das Bildungswesen zu reformieren. Im Jahr 2000 veröffentlichte die staatliche Bildungsbehörde ein dringendes Rundschreiben über die Entlastung der Schüler. Schon in den 1980ern stellten Pädagogen das Konzept „Qualifikationserziehung“, die auf die allseitige Entwicklung der Leistungsfähigkeiten der Schüler abzielt, auf. Bei der Durchsetzung stößt diese Maßnahme jedoch auf große Schwierigkeiten.

Die Mentalität und die Lebensatmosphäre der Kinder werden durch die gesellschaftliche Realität beeinflusst. Solange die gesellschaftliche Realität nicht verändert wird, können die psychischen Probleme der Kinder nicht gelöst werden.

In den letzten Jahren wurde die Hochschulaufnahmeprüfung viel kritisiert. Trotzdem ist sie in den Augen vieler Pädagogen und Eltern immer noch ein relativ faires System. Deshalb wird sie für eine lange Zeit existieren. Die Sorge der Öffentlichkeit ist, dass die Bildung durch die Aufnahmeprüfung in eine falsche Richtung geleitet wird.

„Eine ungesunde und unvernünftige Bildung ist oft die Ursache von Charakterfehlern einer Person“, sagte Yan Xia, die Mutter eines Schülers im ersten Schuljahr. Sie ist der Ansicht, dass die Bildung der Schlüssel für die Selbstentwicklung einer Person ist. Daher solle man keine einheitliche Bildungsmethode für alle Schüler anwenden, sagte sie.

Sie äußerte, sie sei dagegen, den Kindern Wissen einzutrichtern, und dafür, das Potenzial der Kinder zu erwecken und die Kinder dazu anzuleiten, die Notwendigkeit des Lernens zu erkennen und sich am Lernen zu erfreuen. „Die Kinder sollen wie auf dem Grasland rennende Pferde und im Himmel fliegende Adler die Bildung genießen, anstatt einfach Kenntnisse aus den Lehrbüchern auswendig zu lernen“, so Yan.

Angesichts eines prüfungsorientierten Bildungssystems befürworten einige Pädagogen eine qualitätsorientierte Bildung, die die allseitige Entwicklung einer Person in Wissen, Kreativität und Moral zum Ziel hat. Das hat immer mehr Lob und Unterstützung bei der Öffentlichkeit gefunden.

Aber die Bedeutung der qualitätsorientierten Bildung wird von einigen Eltern missverstanden. Sie betrachten sie als einen Weg zur Erhaltung zusätzlicher Noten für die Aufnahmeprüfung. Um ihren Kindern zu ermöglichen, Alleskönner zu werden, melden die ambitiösen Eltern ihre Kinder bei verschiedenen außerschulischen Kursen an, damit sie Musik, Bildende Kunst und andere künstlerische Fertigkeiten lernen. Die Kinder lernen pausenlos in verschiedenen Kursen, nur um die Erwartungen ihrer Eltern zu erfüllen.

Viele Pädagogen weisen auf die Wichtigkeit des Spielens der Kinder hin. Das Spielen kann den Kindern helfen, ihr Interesse zu entwickeln und ihre Eigenschaften zum Ausdruck zu bringen. Aber viele chinesische Kinder werden der Zeit für Spielen durch die von ihren Eltern arrangierten Aktivitäten beraubt.

„Das Spielen ist für die Kinder ein natürlicher Lernprozess“, sagte Dr. Diane Ehrensaft, eine Psychologin und Professorin des Wright-Instituts in Kalifornien. Sie erklärte, Kreativität bedeute, etwas aus dem Nichts zu erschaffen, und dieser Prozess brauche Zeit.

In der Tat hängt die Entwicklung eines Kindes in hohem Maße von den Erziehungsmethoden seiner Eltern ab. Bis heute schenken viele chinesische Eltern dem Lernprozess ihrer Kinder keine Aufmerksamkeit, sondern interessieren sich nur am Ergebnis des Lernens ihrer Kinder, was schließlich der psychischen und geistigen Gesundheit der Kinder schaden wird.


 

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