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Denkmalschutz und Bauprojekt

Der Denkmalschutz soll während der Durchführung von Bauprojekten verstärkt werden.

Von Lü Ling

Der Jingle-Palast, der beste der neun taoistischen Paläste auf dem Wudang-Berg, wurde im März 2006 wieder aufgebaut und den Touristen zugänglich gemacht. Er ist von der UNESCO in die Weltkulturerbeliste aufgenommen worden.

Der Jingle-Palast, der Geburtsort des Kaisers Zhenwu, des obersten Gottes des Taoismus, wurde im Jahr 1418 in der alten Stadt Junzhou in der Nähe der heutigen Stadt Danjiangkou gebaut. Der ursprüngliche Baukomplex umfasste vier Paläste und einige Hundert Korridore, Pavillons, Zimmer und andere Bauwerke und nahm eine Bodenfläche von 120 000 qm ein. Da er wie die Verbotene Stadt in Beijing in derselben Zeit gebaut wurde und für seine kaiserliche Pracht bekannt war, wurde er als „kleine Verbotene Stadt“ bezeichnet.

1958 wurde ein Reservoir in Danjiangkou als ein Teil der ersten Phase des Projekts der Wasserableitung von Süden nach Norden projektiert, um die Wasserknappheit in Nordchina zu lindern. Hierfür musste der Jingle-Palast zusammen mit der alten Stadt Junzhou überschwemmt werden. Um die wichtigsten Teile des Palastes zu bewahren, wurden zwei riesige Bixi (Bixi ist nach Volkssagen der Sohn des Drachens)-Gedenktafeln und 800 kostbare Steinschnitzarbeiten gerettet und in die Vorstadt von Danjiangkou verlegt.

Der Wiederaufbau des Jingle-Palastes wurde vor einigen Jahren mit Unterstützung der Regierung an einem neuen Ort begonnen. Dieses Projekt zielte darauf ab, zur Aufrechterhaltung der Integrität der Weltkulturerbestätten und zur Pflege und Weiterentwicklung der chinesischen taoistischen Kultur beizutragen.

Wieder ans Licht gebracht

Während der „Kulturrevolution“, die im Jahr 1966 ausbrach, wurden diese geretteten historischen Kulturdenkmäler schwer beschädigt bzw. zerstört. Die Situation blieb unverändert, bis 1984, als die Volkszeitung, das Organ des ZK der KP Chinas, einen Brief einiger Abgeordneter des Nationalen Volkskongresses, des höchsten Gesetzgebungsorgans Chinas, mit der Überschrift „Wo sind die historischen Relikte des Jingle-Palastes? Sind sie beim Bau von Feldern, Wänden oder Jauchgruben benutzt worden?“ veröffentlichte. Im Brief hieß es: „Wertvolle Staatsschätze sind wie Abfälle im Stich gelassen oder zerstört worden. Sind die hervorragenden Traditionen der chinesischen Nation damit verschwunden?“

Anschließend veröffentlichten die offizielle Xinhua-Nachrichtenagentur und andere Medien Berichte über die Notwendigkeit der Rettung der historischen Relikte des Jingle-Palastes. Dank dieser Appelle konnten einige Hundert Steinschnitzereien in Müllabladeplätzen, Jauchgruben und Schweineställen gefunden, gereinigt, nummeriert und in Akten angelegt werden.

Ende August 2000 erstellte das Zentralsüdchinesische Bauprojektierungsinstitut einen Planentwurf für den Wiederaufbau des Jingle-Palastes. Die Regierung von Danjiangkou begann im März 2001 das Projekt des Wiederaufbaus des Lingxing-Tors, eines eindrucksvollen Torbogens. Im Jahr 2002 investierte die Beijing Zhenhai Real Estate Development Co. 70 Mio. Yuan in dieses Projekt. Das Bauprojekt für den neuen Jingle-Palast mit einer Baufläche von 63 000 qm wurde im Jahr 2005 fertiggestellt.

„Die meisten Bauwerke im Jingle-Palastkomplex wurden nach dem ursprünglichen Design wiederhergestellt. Sie beherbergen viele originale Denkmäler, darunter den steinernen Torbogen und die Bixi- Gedenktafeln“, sagte Zhu Jianhua, Forschungsrat des Hubeier Amts für Denkmalschutz. „Die Designer gingen zum Wudang-Berg, um die taoistische Architektur zu studieren und dem originalen Baustil des Jingle-Palastes nachzumachen. Bei der Wahl des Sitzes des neuen Palastes wurde die taoistische Idee über die Einheit zwischen Mensch und Natur berücksichtigt, und man tat alles, um die Gesamtanordnung der alten Bauten auf dem Wudang-Berg aufrechtzuerhalten.“

Rettung von Kulturdenkmälern

Die vom Danjiangkou-Reservoir überschwemmten Gebiete waren in der Geschichte dicht bevölkert und beherbergten zahlreiche wichtige alte Bauten. Vor dem Bau des Reservoirs hatten die Abteilungen für Denkmalschutz 23 Kulturruinen und 200 alte Gräber an 15 verschiedenen Orten ausgegraben, 11 Sehenswürdigkeiten verlegt und Daten von 100 Sehenswürdigkeiten, die nicht verlegt werden konnten, gesammelt. Allerdings war der Denkmalsschutz aufgrund der Geldknappheit bei weitem nicht ausreichend. Mit dem alten Jingle-Palast zusammen wurden 173 alte Bauwerke, darunter der Ying’en-Palast und der Zhoufu-Nonnentempel, sowie zehntauschend Gräber überschwemmt und stehen seitdem unter Wasser.

Die zweite Phase des Wasserableitungsprojekts wurde Ende 2005 begonnen. Mit der Erhöhung des Damms wird der vorgesehene Wasserstand im Danjiangkou-Reservoir von 157 m auf 172 m steigen. Yin Jin, Direktor des Amts für Denkmalschutz der Stadt Danjiangkou, zufolge werden alle Gebiete unter dem 172 m hohen Wasserstand überschwemmt werden. Seiner Meinung nach ist die zweite Phase des Bauprojekts sowohl eine ernsthafte Herausforderung für den Denkmalschutz als auch eine gute Gelegenheit dafür, das Bedauern in der ersten Phase wieder gutzumachen.

Yin sagte, dass die neue Kampagne zum Denkmalschutz die Rettung der überschwemmten Kulturerbestätten umfassen sollte. In der Trockenperiode sinkt der Wasserstand im Reservoir unter 157 m, ja sogar auf 146 m. Dies ermöglicht den Abteilungen für Denkmalschutz, die überschwemmten Kulturerbestätten zu retten. In den letzten Jahren haben die Behörden für Denkmalschutz der Rettung der Kulturerbestätten im Reservoir Priorität eingeräumt.

Darüber hinaus ist das Geldproblem gelöst worden. Die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform, das Ministerium für Wasserwirtschaft, das Büro des Staatsrates für das Wasserableitungsprojekt und das Staatliche Amt für Denkmalschutz haben gemeinsam ein Rundschreiben veröffentlicht, in dem gefordert wird, Sonderfonds für die Rettung der Kulturerbestätten, die in der ersten Phase des Wasserableitungsprojekts nicht rechtzeitig geschützt werden konnten, bereitzustellen.

„Heute haben wir ein höheres Bewusstsein sowie mehr und bessere Mittel für den Denkmalschutz“, sagte Niu Xinqiang, Präsident des Wuhaner Changjiang-Instituts für Untersuchung, Projektierung und Forschung. „So können wir diese Gelegenheit beim Schopfe fassen, um das Versäumte in der ersten Phase des Projekts nachzuholen“, sagte er. Im Vergleich mit der ersten Phase könnten mehr historische Kulturstätten in der zweiten Phase geschützt werden. Einige von ihnen würden als Ganzes nach anderen Stellen verlegt werden, während andere an einem neuen Ort nach ihrem ursprünglichen Design wieder aufgebaut werden, so Niu.

Niu erklärte, dass die Wasserableitungsroute nicht durch die Kulturerbestätten, die dem staatlichen bzw. provinzialen Denkmalschutz unterstellt seien, und die Kulturstätten, die von Gelehrten bestätigt worden seien, verlaufen werde. Wenn wertvolle Kulturerbestätten bei der Durchführung des Bauprojekts entdeckt würden, würden die Designer den Bauplan abändern, um sie zu schonen. Bisher sei eine große Anzahl von kostbaren Kulturerbestätten, darunter die Ruinen aus der Yin-Zeit, die Ruinen der Reiche Zheng und Han, die Ruinen der Stadt Fucheng, das Luwang-Grab, das Mausoleum des Königs des Zhao-Reiches in Handan und die Ruinen Beipinggao, Shanyangcheng und Jiangwucheng, vor der Beschädigung geschützt worden.

 

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100037 Beijing, Volksrepublik China