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Die Eisenbahnlinie Qinghai-Tibet

Mit der Fertigstellung der Eisenbahn Qinghai-Tibet wird Tibet nicht mehr ein abgelegenes Gebiet sein.

Von Feng Jianhua

Der 1. Juli 2006 ist der 85. Gründungstag der KP Chinas. An diesem Tag wurde die 1956 km lange Eisenbahn Qinghai-Tibet, ein riesiges Projekt, dessen Durchführung von mehreren Generationen der chinesischen Führer in den vergangenen 50 Jahren gefördert worden war, probeweise dem Verkehr übergeben.

Tibet, das letzte autonome Gebiet Chinas, in dem eine Einsehbahn gebaut wurde, konnte endlich seinen ersten Eisenbahnzug begrüßen. Unter den Zügen, die nach Tibet fahren, gibt es einen Zug aus Beijing, das etwa 4000 km von Tibet entfernt ist. Die Zugfahrt von Beijing nach Lhasa, der Hauptstadt Tibets, dauert nur 48 Stunden.

Tibet liegt auf dem Qinghai-Tibet-Plateau mit einer durchschnittlichen Höhe von etwa 4000 m über dem Meeresspiegel, daher wird es als „Dach der Welt“ bezeichnet. Die Fläche des Autonomen Gebiets Tibet beträgt über 1,2 Mio. qkm, was etwa das 5fache der Fläche Großbritanniens ist und ein Achtel der Gesamtfläche Chinas ausmacht. Der Volkszählung im Jahr 2000 zufolge hat Tibet eine Bevölkerung von etwa 2,61 Mio.

Aufgrund seiner besonderen geographischen Lage und des Mangels am Sauerstoff in der Luft war Tibet früher dünn bevölkert und fast isoliert von der Außenwelt. In den Augen vieler Menschen war Tibet ein armes Gebiet mit schlechten Verkehrsbedingungen. Mit der probeweisen Inbetriebnahme der Eisenbahn wird Tibets altes Image wahrscheinlich allmählich vom Gedächtnis der Menschen verschwinden. Man erwartet, dass ein vitales Tibet in sichtbarer Zukunft erscheinen wird.

Ein straßenloses Gebiet

Historischen Aufzeichnungen zufolge gab es vor der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 in Lhasa außer einem 1 km langen unasphaltierten Weg keine einzige Landstraße im modernen Sinne.

Am 25. Dezember 1954 wurden die Landstraße Sichuan-Tibet (zwischen Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, und Lhasa) und die Landstraße Qinghai-Tibet (zwischen Xining, der Hauptstadt der Provinz Qinghai, und Lhasa) dem Verkehr übergeben. Sie sind die wichtigsten Fernstraßen, die zu Tibet führen. Den Statistiken, die von der Verkehrsbehörde des Autonomen Gebiets Tibet Ende 2005 geliefert wurden, zufolge beträgt die Gesamtlänge der befahrenen Landstraßen in Tibet mehr als 43 000 km und wird bis zum Jahre 2010 schätzungsweise 50 000 km erreichen.

Die 2055 km lange Landstraße Qinghai-Tibet verläuft durch Gobi, Wüsten und schneebedeckte Berge, die Hälfte dieser Landstraße liegt über 4000 m über dem Meeresspiegel. Der höchsten Bergpass auf dem Tanggula-Berg mit einer Höhe von 5230 m über dem Meeresspiegel wird als „lebenslose Zone“ bezeichnet. Die Eisenbahn Qinghai-Tibet läuft parallel mit der Landstraße Qinghai-Tibet, und die beiden sind nicht weit voneinander entfernt.

Im Jahr 1965 begann Lhasa den ersten Flug nach Beijing. In den letzten mehr als 40 Jahren hat Tibet vier Flughäfen gebaut und mehr als zehn Fluglinien nach wichtigen in- und ausländischen Städten eröffnet. Allerdings kann die Luftfahrtindustrie die zunehmende Nachfrage Tibets nicht decken. Daher verlässt sich Tibet hauptsächlich auf den Straßenverkehr.

Zurzeit verbinden fünf nationale Landstraßen Tibet mit der Außenwelt. Aufgrund der geologischen und klimatischen Bedingungen kann jedoch nur die Landstraße Qinghai-Tibet das ganze Jahr hindurch befahren werden.

Eine wichtige Gelegenheit

Der Transport ist zu einem Engpass bei der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung Tibets geworden. Erst im Jahr 1954, als die Landstraße Sichuan-Tibet und die Landstraße Qinghai-Tibet dem Verkehr übergeben wurden, hatte Tibet seine erste Fabrik, seine erste Schule, seine erste Farm, sein erstes Kraftwerk und sein erstes Krankenhaus im modernen Sinne.

„Die Inbetriebnahme der Eisenbahn Qinghai-Tibet gibt Tibet eine wichtige Gelegenheit für seine Entwicklung“, äußerte Nyima Cering, stellvertretender Gouverneur des Autonomen Gebiets Tibet.

„Nach der Fertigstellung dieser Eisenbahn wird Lhasa unvermeidlich auf einige neue Probleme, wie z. B. Zunahme krimineller Fälle, die durch ein rapides Wachstum der Wanderbevölkerung verursacht werden wird, stoßen. Die Regierung studiert momentan angemessene Gegenmaßnahmen“, sagte ein anonym bleiben wollender stellvertretender Bürgermeister von Lhasa. Er fügte jedoch hinzu, dass dies die größte Entwicklungsgelegenheit für Lhasa seit zehn Jahren sein werde.

Ankurbelung des Tourismus Tibets

Der Tourismus ist eine der Stützindustrien Tibets. Bisher fuhren die Touristen nach Tibet hauptsächlich mit Flugzeug. Die Kapazität des Lufttransports ist jedoch begrenzt, und der Ticketpreis ist hoch, so dass sich die Touristen mit einem Durchschnittseinkommen einen Flug nicht leisten können. Diejenigen, die mit Auto nach Tibet fahren, fürchten, dass sie an Höhenkrankheit leiden würden. Deshalb ist die Zahl der Reisenden nach Tibet relativ gering.

Nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie Qinghai-Tibet brauchen sich die Touristen nicht mehr um Höhenkrankheit zu sorgen, und der Preis der Fahrkarte ist viel niedriger als der des Flugtickets. Außerdem können die Fahrgäste während der Zugfahrt die schöne Landschaft entlang der Eisenbahnlinie bewundern. „Die Fertigstellung der Eisenbahn Qinghai-Tibet wird zur schnellen Entwicklung des Tourismus Tibets beitragen und zugleich die Entwicklung der diesbezüglichen Industrien fördern“, sagte Wang Taifu, Forschungsrat des Strategischen Forschungsinstituts der Akademie der Sozialwissenschaften des Autonomen Gebiets Tibet, zu Beijing Rundschau.

Aufgrund der hohen Transportkosten sind die Warenpreise in Tibet im Allgemeinen höher als im Landesinnern. Beispielsweise beträgt der Preis der Kohle und des Zements pro Tonne in Lhasa etwa 700 Yuan, 3mal höher als im Landesinnern. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2010 75% der Waren per Bahn in und aus Tibet transportiert werden.

Förderung der Prosperität in Grenzgebieten

Tibet befindet sich an der südwestlichen Grenze Chinas und hat eine mehr als 4000 km lange Grenzlinie mit Indien, Nepal, Sikkim, Bhutan und Myanmar. Die Stabilität und Prosperität Tibets aufrechtzuerhalten ist nicht nur für China, sondern auch für die ganze südasiatische Region von großer Bedeutung.

Nach einem Plan wird sich die Eisenbahnlinie Qinghai-Tibet von Lhasa bis zur Grenze mit Indien erstrecken, wo sie sich ans Eisenbahnnetz der Nachbarländer anschließen wird.

Am 18. Juni 2006 gaben chinesische und indische Beamte gemeinsam in Lhasa bekannt, am 16. Juli den Natu La-Pass mit einer Höhe von 4545 m über dem Meeresspiegel, der China mit Indien verbindet, wieder zu eröffnen, um den Grenzhandel zwischen den beiden Ländern, der mehr als 40 Jahre lang unterbrochen war, wiederherzustellen. Der Natu La-Pass wurde einst als die wichtigste Handelspassage zwischen China und Indien betrachtet. Anfang des 20. Jahrhunderts machte sein Grenzhandelsvolumen über 80% des gesamten Grenzhandelsvolumens zwischen China und Indien aus.

Dieser Pass ist 460 km von Lhasa, 550 km von der indischen Hafenstadt Kalkutta, etwa 300 km von Thimpu, der Hauptstadt von Bhutan, und 600 km von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, entfernt.

Zurzeit ist China der zweitgrößte Handelspartner Indiens. Das gesamte Handelsvolumen zwischen China und Indien erreichte im Jahr 2005 18,7 Mrd. US$. Das chinesische Handelsministerium schätzt, dass das Handelsvolumen zwischen China und Indien nach der Wiederherstellung des Grenzhandels am Natu La-Pass in diesem Jahr über 20 Mrd. US$ betragen wird.

 

Adresse: BEIJING RUNDSCHAU Baiwanzhuanglu 24,
100037 Beijing, Volksrepublik China