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Strukturelle Integrität

Aus Ruinen ist die Stadt Tangshan auferstanden. Kann sie jedoch einem weiteren großen Erdbeben widerstehen?

Von Feng Jianhua

Um 3:42 Uhr des 28. Juli 1976 wurde Tangshan, eine Stadt in der nordchinesischen Provinz Hebei, von einem Erdbeben mit einer Stärke von 7,8 auf der Richter-Skala heimgesucht. Innerhalb von etwa 15 Sekunden wurde die Stadt, die als die Wiege der modernen Industrie Chinas bekannt ist, fast völlig zerstört.

Nach dem Erdbeben fürchteten einige Leute, dass Tangshan, das etwa zwei Stunden Fahrt von Beijing entfernt ist, aus der Landkarte gestrichen werden würde. Doch kurz nach dem Erdbeben wurde der Wiederaufbau der Stadt begonnen. 30 Jahre später ist diese von der Katastrophe heimgesuchte Stadt eine belebte Stadt, die voll von Energie und Hoffnung erfüllt ist, geworden.

Das Erdbeben von 1976 geschah so unerwartet, dass manche Stadtbewohner und Experten sich fragen: Wird das Erdbeben noch einmal vorkommen? Wenn ja, kann ihm Tangshan widerstehen?

Wirtschaftliche Umstrukturierung

Tangshan, der Geburtsort des ersten modernen Kohlenbergwerks Chinas, wurde einst als „Chinas Kohlenmetropole“ bezeichnet. In seiner Blütezeit arbeitete die Hälfte der Stadtbewohner in den Kohlengruben oder diesbezüglichen Industrien.

Das Erdbeben von 1976 ruinierte fast total diese 100 Jahre alte Industriestadt. Den offiziellen Statistiken zufolge zerstörte das Erdbeben 97% der Fabrikgebäude und 56% der Fabrikeinrichtungen der Stadt und legte die Kohlenindustrie Tangshans vollständig lahm.

Diese Situation dauerte jedoch nicht lange. Den von der Stadtregierung Tangshans gelieferten Daten zufolge wurde nur sieben Tage nach dem Erdbeben die erste Gruppe von Fahrrädern in der Stadt montiert; 20 Tage nach der Katastrophe wurde eine Lokomotive produziert; 28 Tage Später wurde die erste Charge geschmolzen; und etwa sechs Monate nach dem Erdbeben hatten 666 der 669 Unternehmen der Stadt ihre Produktion wiederaufgenommen.

Tangshan hat heute eine Bevölkerung von nahezu 3 Mio. Wenn man das Erdbeben von 1976 nicht erlebt hat, glaubt man nicht, dass diese Stadt einst dem Erdboden gleichgemacht worden ist.

„Meiner Meinung nach ist Tangshans Prosperität der Reform- und Öffnungspolitik und der harten Arbeit der lokalen Bewohner zu verdanken“, sagte Xu Xiangbin, Direktor des Presseamtes der Stadtregierung von Tangshan.

Informationen der Kommission für Entwicklung und Reform der Stadt Tangshan zufolge betrug das BIP der Stadt im Jahr 2005 202,7 Mrd. Yuan, was das 3,6fache ihres BIP im Jahr 1995 war. Ihre umfassende Wirtschaftsstärke rangierte unter den 11 Städten auf Bezirksebene der Provinz Hebei an erster Stelle und überschritt die von Shijiangzhuang, der Hauptstadt der Provinz.

Heute befindet sich Tangshan an einer Kreuzung der wirtschaftlichen Umstrukturierung.

Nach dem Erdbeben setzte Tangshan sein ressourcenorientiertes Entwicklungsmodell, nach dem es sich völlig auf die Kohle verlässt, fort. „Dieses Entwicklungsmodell führt zu gravierender Verschmutzung und verbraucht zu viel Energie, daher ist es unmöglich, mit diesem Modell die langfristige Entwicklung der Stadt zu gewährleisten“, sagte Hu Shining, Leiter der Abteilung für Industriewirtschaft der Kommission für Entwicklung und Reform der Stadt Tangshan.

Tangshan liegt an der nördlichen Küste der Bohai-Bucht und hat eine 190 km lange Küstenlinie. Es gehört zu der ersten Gruppe von geöffneten Küstenstädten Chinas. Um die günstige geographische Lage von Tangshan zu nutzen, stellte die Stadtregierung ein strategisches Konzept für die wirtschaftliche Umstrukturierung auf: auf das Meer und die Welt ausgerichtet zu sein.

Im Jahr 2003 wurde der Bau des Industrieparks Caofeidian am südlichen Rand der Stadt begonnen. Das ist ein wichtiger Schritt Tangshans zu seiner wirtschaftlichen Umstrukturierung. Diese Entwicklungszone hat einen Tiefwasserhafen. Ende 2005 wurden zwei Kais für Erz mit einer Umschlagskapazität von jeweils 250 000 t in Betrieb genommen, und die Verhandlung über den Bau von weiteren neuen Kais für internationale Schifffahrt ist im Gange. Die Stadtregierung hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Caofeidian in Rotterdam (die größte Hafenstadt der Welt) in Nordchina umzuwandeln. Die Entwicklung Caofeidians ist in Chinas Entwicklungsplan für die kommenden fünf Jahre aufgenommen worden.

Für den bevorstehenden 30. Jahrestag des Erdbebens Tangshans hat die Stadt das Thema festgelegt: den Opfern des Erdbebens Trost zuzusprechen.

„Ich glaube, dass die wirtschaftliche Entwicklung die beste Methode für das Trösten unserer Landsleute, die im Erdeben ums Leben gekommen sind, ist“, sagte Xu aus dem Presseamt.

Ist Tangshan sicher?

Vor der Katastrophe von 1976 wurden die Häuser von Tangshan nicht so konstruiert, dass sie einem starken Erdbeben widerstehen könnten. Ihre Befestigung gegen Erdbeben lag nur auf Stufe 6 (das entspricht der Befestigung gegen ein Erdbeben mit einer Stärke unter 5 auf der Richter-Skala).

„Tangshan war damals eine schutzlose Stadt, und die mangelhafte Vorsorge gegen Erdbeben ist eine bittere Lehre, die wir aus dem katastrophalen Erdbeben von Tangshan gezogen haben“, sagte Li Baomin, stellvertretender Direktor der Büros für Seismologie der Stadt Tangshan.

Er sagte, wenn das Erdbeben von 1976 heute vorgekommen wäre, gäbe es bestimmt viel wenige Tote. Er argumentierte mit einem Beweis: Als das Erdbeben die Stadt erschütterte, wurde die Mehlfabrik Nr. 1 von Tangshan kaum beschädigt. Der Grund liegt darin, dass die Fabrikgebäude nach einem Bauplan von einem anderen Ort außerhalb Tangshans gebaut worden waren und dadurch die Forderung der Befestigung gegen Erdbeben mit einer Stärke von 6 auf der Richter-Skala erreichten.

Die Katastrophe in Tangshan veränderte die Normen für die Bausicherheit in ganz China. Professor Su Youpo, Direktor des Forschungszentrums für seismisches Ingenieurwesen der Provinz Hebei, sagte, dass das Chinesische Büro für Seismologie kurz nach dem Erdbeben von Tangshan eine nationale Landkarte für Gebietseinteilung in Bezug auf die Erdbeben-Intensität (heute in „Landkarte für Gebietseinteilung in Bezug auf die Bodenerschütterungsparameter“ umbenannt) erstellte und veröffentlichte.

Basierend auf der geologischen Struktur, den lokalen Bedingungen und den historischen Statistiken der verschiedenen Regionen, wurden die Normen für die Befestigung gegen Erdbeben zum ersten Mal festgelegt, was zur Verbesserung des Befestigungsniveaus des ganzen Landes beitrug.

Nach der Landkarte für Gebietseinteilung in Bezug auf die Erdbeben-Intensität wurden die Normen für die Befestigung gegen Erdbeben im ganzen Land auf Stufen 6 bis 9 festgesetzt. Obwohl nur einige wenige Gebiete die Stufe 9 (das entspricht einem Erdbeben mit einer Stärke von 7 auf der Richter-Skala) erreichen, fordern nicht wenige Gebiete, dass die Befestigung der Häuser gegen Erdbeben die Stufe 8 erreichen sollen. Beispielsweise ist die Norm für die Befestigung der Häuser in Tangshan wie in Beijing von Stufe 6 auf Stufe 8 erhöht worden.

Angesichts der Skepsis einiger Leute gegenüber der Erdbebenfestigkeit der Stadt Tangshan sagte Li Baomin voller Zuversicht: „Tangshan ist die sicherste Stadt unter allen Gebieten mit der gleichen geologischen Struktur in China.“

Kosten für die Vorsorge gegen Erdbeben

„Bei der Etablierung des Schutzsystems gegen Erdbeben müssen die Kosten, insbesondere der wirtschaftliche Input, in Erwägung gezogen werden“, sagte Professor Su.

Sus Bürogebäude hat eine besondere Baukonstruktion. Im Kellergeschoss gibt es über zehn runde und schwarze Kissen aus Gummi und Stahlplatten, durch die das Gebäude in zwei Teile eingeteilt sind. Das Gewicht des ganzen Gebäudes ruht auf diesen Kissen. Sie sind zwar klein, aber sie können die Stoßkraft der durch das Erdbeben verursachten Erschütterung um 70% reduzieren.

Laut Su wird Tangshan jedes Jahr mindestens von einem kleinen Erdbeben heimgesucht. Sus erdbebenfestes Bürogebäude, das mit Apparaten, die Daten über Erdbeben sammeln, ausgestattet ist, dient hauptsächlich als ein experimentales und beispielgebendes Gebäude. Normalerweise sind solche erdbebenfeste Gebäude höchstens 50 m hoch. Obwohl dieser Typ der Struktur bereits in vielen anderen Gebieten Chinas verbreitet ist, ist Sus Bürogebäude gegenwärtig der einzige erdbebenfeste Bau in Tangshan.

„Es geht um Bauträger. Kein Bauträger möchte die Baukosten erhöhen”, sagte Su. „Ein Bauträger muss ein gutherziger Mensch sein, der danach streben soll, dass die Gebäude in seinem Projekt die minimale Norm für die Vorsorge gegen Erdbeben erreichen.“

 

Adresse: BEIJING RUNDSCHAU Baiwanzhuanglu 24,
100037 Beijing, Volksrepublik China