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TCM und Westliche Medizin: Welche ist besser?

Die Traditionelle Chinesische Medizin ist zwar im Inland mit Schwierigkeiten konfrontiert, aber sie wird in Übersee zunehmend akzeptiert.

Von Feng Jianhua

Zhang Gongyao, ein Professor einer Universität in der Provinz Hunan, initiierte vor kurzem online eine Unterschriftenkampagne mit der Forderung, die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) aus dem medizinischen Betreuungssystem des Landes zu entfernen. Seine Forderung wurde sofort von mehr als zehntausend Internetbenutzern unterstützt. Die Sache ging jedoch noch nicht zu Ende. Nachdem einige namhafte öffentliche Persönlichkeiten ihre Unterstützung für die Abschaffung der TCM ausgedrückt hatte, wurde die Debatte in den Medien noch heftiger.

Ein Apotheker einer Apotheke Beijings bereitet nach einem Rezept Kräuterarzneien zu.
Foto von Wei Yao

Prof. Zhang befasst sich mit der Forschung der Geschichte wissenschaftlicher Gedanken. Er hat eigentlich kaum Einfluss auf dem Gebiet der TCM, doch seine Forderung hat auch in dem medizinischen Kreis viele Unterstützer gefunden.

Ein Kampf für die Verteidigung der TCM ist ausgebrochen. Ein Arzt des Krankenhauses bei der Hunaner Akademie für Traditionelle Chinesische Medizin war über die Forderung von Zhang empört. Er beschloss, Zhang wegen der Verleumdung der TCM anzuklagen, nachdem er sich bei Justizbehörden über die diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen befragt hatte.

Um die Verschlechterung der Situation zu verhindern, sagte Mao Qun’an, der Sprecher des Ministeriums für Gesundheitswesen, auf der jüngsten Pressekonferenz, dass diejenigen, die die historischen Erfolge der TCM zu bestreiten versuchen, völlig unwissend über deren Entwicklungsgeschichte und deren wichtige Rolle bei der medizinischen Betreuung seien.

„Die Online-Unterschriftenaktion mit der Forderung, die Traditionelle Chinesische Medizin abzuschaffen, ist ein Affentheater“, sagte Mao weiter.

Eine „Pseudowissenschaft“?

Im Grunde genommen geht es in dieser Debatte darum, ob die TCM eine Wissenschaft ist oder nicht.

Ein alter TCM-Arzt fühlt einer ausländischen Patientin den Puls.
Foto von Wei Yao

He Zuoxiu, Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und ein bekannter „Kämpfer gegen Pseudowissenschaften“, sagte, die Traditionelle Chinesische Medizin sei eine typische Pseudowissenschaft, da ihre Theorie schwer verständlich sei. Sie repräsentiere eine rückständige Produktivkraft.

Diejenigen, die für die Abschaffung der TCM eintreten, sind der Ansicht, dass die Westliche Medizin auf Physik, Chemie, Biologie und Statistik basiere und dass die Heil- und Nebenwirkungen der Westlichen Medizin durch ihre Theorie und klinische Experimente erklärt und nachgewiesen werden könnten.

Im Gegensatz dazu ist die Theorie der TCM über Yin und Yang und über die fünf Elemente abstrakt und metaphysisch und lässt sich schwer mit den modernen wissenschaftlichen Kenntnissen erklären. Ferner gibt es bei der Anwendung der TCM viele unbestimmte Faktoren. Beispielsweise gibt es in der TCM wahrscheinlich zehn verschiedene Heilmethoden für eine diagostizierte Krankheit. Das ist in der Westlichen Medizin sehr selten. Darüber hinaus können die Heil- und Nebenwirkungen der Arzneimittel der TCM nicht durch klinische Experimente nachgewiesen werden. Daher ist die TCM in den Augen vieler Menschen nicht eine Wissenschaft, sondern nur eine Sammlung von Erfahrungen, obwohl sie wirksame Arzneien und Therapien hat.

In den letzten Jahren gab es viele negative Berichte über die TCM, so dass sie allmählich das Vertrauen der Öffentlichkeit verloren hat. Der jüngste Vorfall geschah im August dieses Jahres, als die UK's Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency bei der Untersuchung von Fufang Luhui Jiaonang, eines traditionellen chinesischen Medikaments, entdeckte, dass es eine große Menge von Quecksilber enthält.

Hou Manzhen, ein alter TCM-Arzt, hat seine eigene Ansicht über diese Frage. Er meint, dass die Theorie der TCM auf der Makrophilosophie beruhe, während die Theorie der Westlichen Medizin auf der Mikrophilosophie basiere. „Nehmen wir die Erkältung als Beispiel. Nach der Theorie der Westlichen Medizin ist die Erkältung ein Resultat einer Virusinfektion, während die TCM sie als ein Resultat der Schwächung des Immunsystems betrachtet. Auch die Heilmethoden der beiden medizinischen Wissenschaftlichen sind unterschiedlich. Ein Arzt der Westlichen Medizin würde Arzneien, die die Symptome der Erkältung lindern, verschreiben, während ein TCM-Arzt eine Therapie zur Verbesserung der Funktion des ganzen Körpers anwenden würde“, sagte er.

Missliche Lage

Im November 2005 wurde eine Filiale von Tong Ren Tang, einer berühmten chinesischen Apotheke für die TCM, in Sydney, Australien, eröffnet.
Foto von Mi Ligong

Sina.com, eine der größten Internet-Webseiten in China, veranstaltete eine Umfrage über die TCM, an der 20 046 Menschen teilnahmen. In der Frage „Wie meinen Sie zur TCM“ drückten 74% der Befragten ihre Unterstützung für die TCM aus, nur 17% äußerten ihre Abneigung gegen die TCM. Aber auf die Frage, „Gehen Sie zu einem TCM-Arzt oder einem Arzt der Westlichen Medizin, wenn Sie krank sind“ antworteten etwa 58% der Befragten, dass sie zu einem Arzt der Westlichen Medizin gehen würden, 15 Prozent mehr als die Befragten, die den TCM-Arzt wählen.

Noch schlimmer ist das Ergebnis der Meinungsumfrage, die von Wang Li, einer Ärztin des Volkskrankenhauses in Beijing, durchgeführt wurde. Der Umfrage zufolge glauben 90% der Befragten nicht mehr an die Traditionelle Chinesische Medizin, weil sie meinen, dass die Behandlung der Krankheiten mit der TCM zu lange dauere und die Heilmethoden der TCM zu kompliziert seien.

Statistiken zufolge hat die Zahl der TCM-Ärzte von 800 000 im Jahr 1912 auf 500 000 im Jahr 1949 und knapp 300 000 heute abgenommen, und die Zahl der alten erfahrenen TCM-Ärzte ist von 5000 in den 1980ern auf 500 zurückgegangen, die meisten von ihnen sind jetzt schon über 88 Jahre alt.

Daher warnen einige Leute, dass die TCM in die Krise, ihr traditionelles Erbe zu verlieren, geraten sei. Aber Zhang Bing, ein Professor der Universität für Traditionelle Chinesische Medizin in Beijing, sagte, die Krise sei nur ein „Problem auf dem Vormarsch“, man brauche sich keine Sorgen zu machen, weil das Problem mit der Entwicklung der Hochschulbildung für die TCM entschärft werden würde.

Wiederbelebung

Die chinesische Regierung ist der schwierigen Situation der TCM bewusst und versucht, diese Situation zu verändern.

Ein afrikanischer Student, der im Juni 2005 an der Nanjinger Universität für Traditionelle Chinesische Medizin promoviert hat, diskutiert mit seinem chinesischen Lehrer die "Kanäle" im menschlichen Körper.
Foto von Sun Can

Die TCM hat sich in über 130 Ländern und Regionen der Welt verbreitet. Das globale Absatzvolumen der traditionellen chinesischen Medikamente steigt von Tag zu Tag. Den Statistiken der Weltgesundheitsorganisation zufolge lassen sich weltweit 4 Mrd. Kranke mit traditionellen chinesischen Medikamenten behandeln. In den kommenden fünf bis zehn Jahren wird das globale Absatzvolumen der traditionellen chinesischen Medikamente 200-300 Mrd. US$ erreichen. Den weiteren Statistiken der WHO zufolge beträgt das jährliche Absatzvolumen der pflanzlichen Medikamente in der Welt etwa 16 Mrd. US$, davon kommen 80% aus Japan, 15% aus Südkorea und nur 3-5% aus China. Das Exportvolumen der traditionellen chinesischen Medikamente Chinas betrug im Jahr 2005 nur 800 Mio. US$.

Während sie in China mit Schwierigkeiten konfrontiert ist, wird die TCM in anderen Ländern zunehmend akzeptiert. Deng Tietao, einem Professor der Universität für Traditionelle Chinesische Medizin in Guangzhou, zufolge hat die Akupunktur der TCM Zugang zum medizinischen Betreuungssystem Großbritanniens gefunden. In den USA ist die Akupunktur in 35 Staaten und Distrikt Columbia genehmigt worden. Dort gibt es über 10 000 Akupunkteure, und jährlich werden 1 Mio. Kranke mit Akupunktur behandelt.

Am 22. Oktober gab das Staatliche Verwaltungsbüro für Traditionelle Chinesische Medizin bekannt, dass die Zentralregierung in der Periode des 11. Fünfjahresplans (2006-2010) 5 Mrd. Yuan investieren werde, um die TCM bei der Entwicklung zu unterstützen. Die Investition in diesem Bereich betrug in der Periode des 10. Fünfjahresplans nur etwa 800 Mio. Yuan.

Viele Experten meinen, dass man neben der Unterstützung seitens der Regierung das gegenwärtige Bildungsmodell für die TCM verändern müsse, um die TCM wiederzubeleben.

Zur Zeit gibt es in China 32 Hochschulen und Universitäten für Traditionelle Chinesische Medizin mit 390 000 Studenten. Vor fünf Jahren studierten an diesen Hochschulen und Universitäten nur 80 000 Studenten.

„Die Wiederbelebung der Traditionellen Chinesischen Medizin ist ein kompliziertes und systematisches Projekt“, sagte Professor Zhang Bing. „Ich bin der Meinung, dass es die wichtigste Aufgabe ist, auf einer wissenschaftlichen Grundlage unsere eigene Theorie über die Traditionelle Chinesische Medizin zu begründen. Ohne ein klares und direktes Verstehen des Mechanismus der TCM ist Dialog oder Austausch zwischen den beiden medizinischen Systemen unmöglich.“

 

 

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