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Die Auseinandersetzung der Schuhmacher mit
der EU

Von Tan Wei

Als wäre es Vollmond am Abend des 12. Oktober bei dem Treffen der Vereinigung der chinesischen Schuhmacher, so heulten die Vertreter über die Entscheidung der EU, Antidumpingzölle auf den Import von Schuhen aus China und Vietnam zu verhängen. Nach dem Zähnefletschen kam der Biss: Sie würden klagen.

„Diese Nachricht hat uns schwer getroffen. Einige Firmen, deren Kunden vorwiegend aus Europa sind, mussten schließen.“, sagte Wu Zhenchang, Vorsitzender der Guangdong Chuangxin Schuhmacher Firma.

Selbst wenn es nicht leicht sein wird, die EU zu klagen, so sind die Schuhmacher fest entschlossen: ihr könnt nicht so einfach über uns drübermarschieren, zumindest nicht, ohne eure billigen Schuhe einzubüßen.

Der Pflicht ergeben

Frisch aus dem Urlaub kam Wu gerade zurecht, als die große Krise ausbrach. Am ersten Arbeitstag nach den Oktoberfeiertagen musste Wu einen Anruf nach dem anderen entgegennehmen. Es war der Tag, nachdem die EU einen 16,5 % Tarif auf den Import von Lederschuhen aus China beschlossen hatte.

Leidende Schuhe: eine Frau vor einem Geschäft in Brüssel, Belgien, das chinesische Schuhe verkauft. Am 5. Oktober entschied die EU, einen zwei Jahre gültigen Anti-Dumping-Zoll auf Lederschuhe wie diese aus China und Vietnam zu verhängen.

„Wenn Antidumpingzölle eingehoben werden, dann steigen unsere Produktionskosten, und unsere Kunden werden zu Fabriken in anderen Ländern oder Regionen abwandern“, meint Wu.

Bereits seit 7. April waren sechs Monate lang vorläufige Tarife auf chinesische Schuhe verhängt worden, diese stiegen allmählich von 4,8% auf 19,4%.

Im gleichen Zeitraum haben ausländische Käufer ihre Bestellungen von China nach Thailand oder Indonesien verlegt.

„Unsere Kosten waren immer schon etwas höher, und nun mit den zusätzlichen Tarifen verlieren wir unsere Vorteile“, erklärt Wu.

Als die Frist für die Zölle am 6. Oktober auslief, beschloss die EU am darauffolgenden Tag beginnend, zwei Jahre lang Zölle einzufordern.

Eine Entscheidung der kritischen Masse

Genug ist genug, und am 12. Oktober entschieden die chinesischen Schuhmacher, das klarzustellen.

In einer Sondersitzung, die gemeinsam mit der China-Allianz als Reaktion auf die EU Antidumping von chinesischem Schuhwerk abgehalten wurde, wurde beschlossen, nicht im Namen der Allianz, sondern im Namen der Firmen in europäischen Gerichten zu klagen.

Nach EU Recht können Vereinigungen oder Allianzen keine Klage an europäischen Gerichten erheben, Firmen dagegen schon. Gerichtskosten wären sehr hoch - ca. EUR 200.000 -, sollten die Firmen einzeln klagen. So rief die Allianz die ca. 150 betroffenen Schuhwerkstätten auf, sich zusammenzuschließen und gemeinsam zu klagen. So würden auf die einzelne Firma nur Kosten von ca. EUR 10 000 fallen.

Zu gut verkauft: Chinesische Schuhe sind billig, und das macht sie in fremden Ländern so begehrt. Hier begutachten zwei ausländische Unternehmer die Schuhe, die bei der 100. Chinesischen Exportwaren-Messe in Guangzhou ausgestellt sind.

Nach Wu würde die EU trotzdem firmenspezifische Entscheidungen treffen und die Tarife entsprechend anpassen, als wären die Klagen einzeln erhoben worden. Wenn individuelle Ergebnisse erzielt werden könnten, wäre das schon ein Gewinn, denn die Verhängung eines allgemeinen 16,5%-Tarifs könnte an sich schon als ungerecht und willkürlich angesehen werden. Das käme daher, dass die EU gewisse firmenrelevante Informationen nicht berücksichtigt habe, meint Wu. Selbst Gold Step Industrial Co Ltd, die einzige Firma, die unter dem neuen Tarifsystem gesondert behandelt wird, wird sich der Klage anschließen, weil die EU keine Gründe geliefert hat, warum sie diese Firma mit einem zwar niedrigeren, aber dennoch maßgeblichen Zoll von 9,7% getroffen hat.

Als erste erklärte die größte private chinesische Schuhfirma, Aokang Gruppe, am 23. Oktober, dass sie gegen die EU Klage erheben wird.

„Egal wie kompliziert die Verfahren sind und wie viel Arbeit damit verbunden ist, wir sind überzeugt, dass das Recht gerecht ist und dass chinesische Schuhmacher ihr Recht einfordern sollen“, bekräftigt Wang Zhentao, Vorsitzender von Aokang. Seiner Meinung nach ist eine Klage der einzige Ausweg aus diesem Sumpf.

Was den chinesischen Geschäftsleuten am meisten Sorgen macht, ist, dass diese Sanktionen gegen Schuhimporte nur der Anfang zu sein scheint.

„Man sagt in Brüssel, dass es eine Reihe von Antidumping-Maßnahmen gegen China geben wird“, berichtete James H Searle, Anwalt für die China-Allianz, der Zeitschrift „Caijing“. „Möbel ist das nächste, das wird vielleicht noch vor Ende des Jahres sein“. Deutschland und Italien haben jeweils eine große Möbelindustrie und unterstützen Untersuchungen gegen chinesische Firmen.“

Searles rechnet damit, dass die EU Entscheidung einen Wendepunkt in den Handelsbeziehungen zu China darstellt und dass es in Zukunft weitere Sanktionen gegen China in anderen Industriesparten geben wird. Schließlich sei die EU über das immer steigende Handelsdefizit mit China sehr besorgt, daher würden die Gegenreaktionen aggressiver, sagt er.

„Viele Industriesparten in Wenzhou hören Drohungen von EU-Seite und versuchen sich vorzubereiten,“ meine Xie Rongfang, Generalsekretär der Wenzhouer Schuh- und Lederindustrie-Vereinigung.

Der Kampf ums Überleben

Es ist nicht verwunderlich, dass die chinesischen Schuhmacher um ihr Leben kämpfen.

Nach den Statistiken des chinesischen Zolls hat China als der größte Schuhhersteller und -experteur im Jahr 2005 9 Milliarden Paar Schuhe hergestellt, und die Exporte werden mit 17,1 Milliarden USD beziffert, das sind 53% der Schuhproduktion weltweit und 60% der Schuhexporte weltweit. Mit einem Ankauf von 14,6% der chinesischen Produktion ist die EU der zweitgrößte Markt für chinesische Schuhe. Von Januar bis Oktober 2005 exportierte China 805 Millionen Paar Schuhe in die EU mit einem Wert von 2,6 Milliarden USD.

Und dennoch, die chinesische Schuhindustrie befindet sich in einem starken Abwärtstrend, ausgelöst durch eine Welle internationalen Zorns, angefangen mit dem Verbrennen chinesischer Schuhe in Spanien bis zu der Auferlegung von Zöllen durch die EU.

„Die EU-Tarife auf chinesische Schuhe haben Auswirkungen auf 70 000 Stellen in der chinesischen Schuhindustrie“, sagt Lu Jianhua, Direktor der Abteilung für internationalen Handel des chinesischen Wirtschaftsministeriums. Und nicht nur die Angestellten leiden darunter - es zieht sich durch die gesamte Industrie.

Nach Experten liegt der durchschnittliche Preis für ein Paar chinesischer Schuhe bei EUR 8. Mit den Antidumpingzöllen wird der Preis über eine Euro teurer werden. 14% der chinesischen Schuhexporte sind davon betroffen.

Wu geht davon aus, dass die europäischen Importeure die Zölle von beinahe 17% nicht tragen werden, mit der Ausnahme eines ganz geringen Teils, nämlich der Schuhe bester Qualität und mit besonderem Design. Die meisten Aufträge werden einfach von China zu anderen Regionen abwandern. Es wird angenommen, dass in den nächsten zwei Jahren mindestens 70% der Bestellungen in andere südost-asiatische Nationen verlegt werden.

„Zwei Jahre sind lang genug, dass europäische Importeure neue Lieferer finden können, die früheren Vorteile Chinas werden von anderen ersetzt werden.“, meint Wu.

Die lokalen Firmen sind bereits hart getroffen.

Guangzhou Yunfang Shoes Trading Co. exportiert jährlich 500 000 Paar Damenschuhe in die EU, das sind ca. 40% ihres gesamten Exports. Wie der Generaldirektor Hong Guangsheng berichtet, ist der Auftrag eines italienischen Kunden von den ursprünglich vereinbarten 40 000 Paar auf 20 000 Paar verringert worden.

„Unsere Kunden arbeiten auch mit Firmen in anderen Ländern zusammen“, erzählt Wu. „Sobald unsere Produkte mit Zöllen belegt sind, steigen die Produktionskosten und unsere Kunden werden zu Fabriken in anderen Ländern abwandern. Das ist ein wesentlicher Grund, warum wir unser Bestes geben müssen, diesen Antidumping Fall zu gewinnen.“


 

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