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Vom Bauern zum Rechtsanwalt

Ein armer Bauernjunge macht sich als Rechtsanwalt und Leiter eines Überseeunternehmens einen Namen.

Von Zhang Ling

Geboren am 8. November 1948 in einer Bauernfamilie im Kreis Hailun, Provinz Heilongjiang, war das Leben von Yue Cheng sehr hart. Aber die Schlichtheit und Gutmütigkeit der Bauern spielten bei der Bildung seines Charakters eine wichtige Rolle.

Im Jahr 1966 konnte der 18-jährige Yue Cheng aus politischen Gründen nicht an der Hochschulaufnahmeprüfung teilnehmen und musste auf dem Land arbeiten. Nachdem er 18 Tage gearbeitet hatte, wurde er Lehrer einer Mittelschule, dann arbeitete er in einer Fabrik für Kunstdünger. Später bekam er eine Stellte im Amt für Zivile Angelegenheiten des Kreises Hailun. Er erfuhr die Bitterkeit des turbulenten Zeitalters, in dem Wissen als wertlos galt.

Im Jahr 1980 wurde er in die Rechtsberatungsabteilung des Kreises Hailun versetzt. Da es ihm an fachlichen Kenntnissen fehlte, machte er sich daran, diese Mängel auszubessern. Jeden Morgen stand er sehr früh auf und versuchte, jeden Paragrafen des Strafrechts auswendig zu lernen. „Meine juristische Karriere begann mit dem Strafrecht“, sagt er.

Um sich fachlich weiterzubilden, schrieb er sich im Jahr 1983 in der Jura-Fakultät der Jilin-Universität zu einem Fernstudium ein. Damals war er 35 Jahre alt und Vater von vier Kindern. Er erzählt, dass dies die schwierigste Zeit für ihn und seine Familie war. Da seine Familie aufn sein Gehalt angewiesen war, musste er die Unannehmlichkeiten, die die Armut begleiten, ertragen. Um Geld zu sparen, ging er oft zu Fuß zur Universität, anstatt mit Bus zu fahren. Er musste sich einschränken, um juristische Fachbücher kaufen zu können.

Nach fünf Jahren großer Anstrengungen erhielt er schließlich das Bachelor-Diplom von der Jura-Fakultät der Jilin-Universität. Damals hatte er schon acht Jahre lang im Kreis Hailun als Rechtsanwalt gearbeitet. Während des Studiums behandelte er eine große Zahl von Rechtsfällen und gewann einen guten Ruf.

Im Jahr 1987 brach im Großen Hinggan-Gebirge in der Provinz Heilongjiang eine Brandkatastrophe aus. Yue verteidigte als Rechtsanwalt Qin Baoshan, der in diesem Fall des Pflichtversäumnisses angeklagt wurde. Bei eingehenden Untersuchungen sammelte er viele Beweismittel, die günstig für Qin waren. Vor Gericht hielt er mehr als 50 Verteidigungsreden für seinen Klienten. Obwohl Qin schließlich schuldig gesprochen wurde, wurden Yues Verteidigungsreden in die Sammlung „Chinesische juristische Schriftstücke“ aufgenommen.

Nach sechs Jahren gründete Yue endlich seine eigene Rechtsanwaltskanzlei, nämlich die „Yue Cheng-Rechtsanwaltskanzlei der Provinz Heilongjiang“. Im folgenden Jahr wurde er zur Nummer 1 der „zehn besten Juristen der Provinz Heilongjiang“ gewählt. Im Jahr 1995 erschien sein Name in der Liste der „zehn besten Juristen des Landes“.

„Ich glaube, dass niemand ohne Mühe einen Erfolg erzielen kann. Große Mühen werden belohnt“, sagt Yue.

Nach Beijing und New York

Im Jahr 1996 beschloss Yue, in den Markt Beijings einzudringen, um seinen juristischen Beratungsdienst zu erweitern.

Ende desselben Jahres erhielt er die Bewilligung, seine Rechtsanwaltskanzlei in Beijing zu eröffnen. In der kompetitiven Hauptstadt war es für ihn nicht leicht, die Geschäfte zu führen. Aber er hat sein Prinzip: Wenn jemand Rechtshilfe braucht, wird er keine Mühe scheuen, um diese zu liefern.

Ein Wanderarbeiter in Beijing verlor bei einem Arbeitsunfall zwei Finger und wurde teilweise arbeitsunfähig. Sein Arbeitgeber wollte die Verantwortung für seine Verletzung nicht mehr tragen, nachdem er die Kosten für die erste medizinische Behandlung bezahlt hatte. Der verzweifelte Wanderarbeiter konnte nicht umhin, Yue Cheng um Hilfe zu bitten. Yue beschloss, ihm Rechtshilfe zu gewähren. Dank Yues Bemühungen erhielt dieser Arbeiter schließlich die Entschädigung.

In den vergangenen zehn Jahren hat Yue viele Urkunden gewonnen. Im Jahr 2003 wurde er Betreuer für die Postgradual-Studenten der Jura-Fakultät der Tsinghua-Universität. Anfangs hatte er nur ein Büro von 60 Quadratmetern, aber jetzt hat seine Rechtsanwaltskanzlei eine Fläche von 700 Quadratmetern und beschäftigt mehr als 100 Rechtsanwälte. Im Jahr 2002 erwirtschaftete seine Rechtsanwaltskanzlei 10 Millionen Yuan.

Im Januar 2006, 26 Jahre nach seinem Eintritt ins juristische Geschäft wurde eine Filiale der Yue Cheng-Rechtsanwaltskanzlei in New York eröffnet.

Für die Gesellschaft

Yue hofft, dass seine Kinder seine Arbeit weiterführen können, um die Yue Cheng-Rechtsanwaltskanzlei an die Welt-Klasse heranzuführen.

In seinen Augen ist eine erfolgreiche Karrierre nur ein Teil eines erfolgreichen Lebens. Zum anderen Teil gehört, seine vier Kinder hervorragend heranzubilden. Jetzt sind seine Kinder alle Rechtsanwalt geworden.

„Ich habe in den vergangenen 20 Jahren den Fortschritt der chinesischen Justiz und Demokratie miterlebt, und ich weiß schon, wie man ein guter Rechtsanwalt werden kann.“, sagt Yue. „Zwar ist noch Einiges in der Branche der Rechtsanwälte zu verbessern, aber diese Branche hat eine aussichtsvolle Zukunft vor sich, weil sie sich ständig entwickelt.“

Yue weiß, dass er seinen Erfolg nicht nur seinen fachlichen Kenntnissen, sondern auch seinem Mitgefühl und Verantwortungsgefühl für die Gesellschaft und die Mitbürger zu verdanken hat. Deshalb hat er den Wunsch, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Die Zahl der jährlich kostenlos betreuten Fälle seiner Kanzlei liegt bei über 50.

Im Jahr 2003 spendete er 1,2 Millionen Yuan, um Stipendien für sechs Universitäten, darunter die Peking-Universität und die Tsinghua-Universität, zu stiften. Anfang 2004 begann seine Rechtsanwaltskanzlei, kostenlos für die Wanderarbeiter aus der Provinz Heilongjiang Fälle zu übernehmen, um ihre Rechte zu schützen.

Im Oktober 2001 las Yue in der Zeitung einen Bericht darüber, dass einige seiner Berufskollegen wegen Steuerhinterziehung bestraft wurden. Daraufhin hat er einen Rechungsprüfer eingestellt, um die Finanzen seiner Rechtsanwaltskanzlei in den vergangenen fünf Jahren zu prüfen. Die Prüfung ergab, dass seine Kanzlei 40 000 Yuan an Steuern schuldig war. So ließ er sofort nachzahlen.

„Wir bieten Rechtsberatung an, natürlich müssen wir gemäß dem Gesetz Steuern zahlen, um der Gesellschaft ein Beispiel zu geben.“, sagt er.


 

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100037 Beijing, Volksrepublik China