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Unrentable Agrarprodukte

Ob die Bauern eine gute oder eine schlechte Ernte haben, der Import ausländischer Agrarprodukte kann nach dem WTO-Beitritt Chinas nicht verhindert werden.

Von Lan Xinzhen

Liu Fuxiang, Professor der Universität für Außenwirtschaft und -handel, ist der Ansicht, dass der chinesische Markt für Agrarprodukte nach dem Beitritt Chinas zur WTO zu einem globalen Markt voller Konkurrenz geworden ist. Daher können die Marktfaktoren wie Produktion und Anbaufläche nur einen geringen Einfluss auf den Sojabohnenpreis ausüben.

Obwohl die Baumwollpflanzer der Provinz Anhui in diesem Jahr eine gute Ernte einbringen, wissen sie nicht, ob sie ein gutes Einkommen haben werden.
Foto von Bian Bo

„Zur Zeit beherrschen die importierten Sojabohnen absolut den chinesischen Sojabohnenmarkt“, sagte Professor Liu. „Dieser Einfluss hat sich zwei Jahre nach Chinas Beitritt zur WTO herausgebildet.“

Ihm zufolge ist China bereits im Jahr 1996 ein Sojabohnenimporteur geworden. Damals führte China ein absolutes Quotensystem für importierte Produkte ein, und der Einfluss der importierten Sojabohnen war noch nicht so groß wie heute. Ende 2001 trat China der WTO ein und führte ein Tarifquotensystem ein, das keine Beschränkung für die Menge der importierten Agrarprodukte festlegt. Von da an wurde der Einfluss der importierten Agrarprodukte immer größer.

Im Jahr 2002, dem ersten Jahr nach dem Beitritt Chinas zur WTO, importierte China 11,34 Mio. t Sojabohnen, ungefähr so viel wie in den vorangegangenen Jahren. Ab 2003 betrug Chinas Importvolumen von Sojabohnen in drei aufeinanderfolgenden Jahren jährlich über 20 Mio. t.

Im Jahr 2005 importierte China 26,59 Mio. t Sojabohnen, während die gesamte Produktion von einheimischen Sojabohnen nur 16,35 Mio. t betrug. Chinas Importvolumen macht ein Drittel des gesamten Sojabohnenhandels der Welt aus, und China ist zum größten Sojabohnenimporteur geworden.

In China, wo Sojabohnen hauptsächlich für das Ölpressen verwendet werden, ist der Preis der importierten Sojabohnen normalerweise 5-10% niedriger als der der einheimischen Produkte. Aus diesem Grund ziehen viele Ölfabriken importierte Sojabohnen vor, so dass der Preis der einheimischen Sojabohnen immer wieder fällt.

Jetzt ist der Preis der einheimischen Sojabohnen bereits auf das Niveau des Preises der importierten Sojabohnen gefallen, trotzdem wollen die Ölfabriken immer noch importierte Sojabohnen anwenden, weil die Produktionskosten aufgrund des Transports und der Lagerung pro Tonne um 170 Yuan steigen, wenn sie einheimische Sojabohnen statt importierter benutzen.

„Die importierten Sojabohnen kommen hauptsächlich aus den USA“, sagte Professor Liu.

Das ist auch bei der Baumwolle der Fall.

Wang Huaigui, Vorstandsvorsitzender der Chinesischen Nationalen Börse für Baumwolle, sagte, dass die importierte Baumwolle seit 2004 auf dem chinesischen Baumwollmarkt dominiere.

Das Importvolumen der Baumwolle betrug im Jahr 2003 nur 870 000 t, aber es stieg im Jahr 2004 auf 1,9 Mio. t und im Jahr 2005 auf 2,57 Mio. t. Der Preis der importierten Baumwolle ist pro Tonne 2000 Yuan niedriger als der der einheimischen Baumwolle, so dass der Preis der einheimischen Baumwolle immer wieder sinkt. Aus diesem Grund arbeiten die meisten chinesischen Baumwollunternehmen mit Verlust.

Um die Rechte der Baumwollpflanzer zu schützen, legt die chinesische Regierung einen Schutzpreis für die Baumwolle fest. Wenn der Marktpreis niedriger als der Schutzpreis ist, dürfen die Bauern ihre Baumwolle zum Schutzpreis an die Regierung verkaufen. Wenn der Marktpreis höher als der Schutzpreis ist, dürfen sie ihre Baumwolle entweder auf dem Markt oder an die Regierung verkaufen.

Unfaire Konkurrenz

Im Vergleich zu der modernen Landwirtschaft im Ausland sei der Umfang der chinesischen Landwirtschaft klein und die Produktionskosten hoch. Deshalb seien die chinesischen Agrarprodukte in der Konkurrenz mit ausländischen Agrarprodukten unterlegen, sagte Professor Liu.

In einigen ländlichen Gebieten der Provinz Gansu benutzen die Bauern immer noch primitive Arbeitsgeräte, um Getreide von der Sonne trocknen zu lassen.
Foto von Nie Jianjiang

Tang Renwu, Professor des Instituts für Management an der Beijinger Pädagogischen Hochschule, zufolge basiert die landwirtschaftliche Produktion auf Naturressourcen wie Land, Wasser, Luft und Sonne. Die chinesischen Bauern besetzen jedoch viel weniger Naturressourcen als ihre Berufsgenossen in den entwickelten Ländern.

Chinas ARI (Anteil der Ausgaben für die landwirtschaftliche Forschung am BIP der Landwirtschaft) beträgt nur 0,25%, viel niedriger als der der meisten entwickelten Länder, der bei 2% bzw. 3% liegt. Der technische Fortschritt ist die wichtigste Antriebskraft für das Wachstum der modernen Landwirtschaft. Die Rate des Beitrags des technischen Fortschritts zur landwirtschaftlichen Produktion beträgt in China nur etwa 45%, doch diese Rate liegt in den entwickelten Ländern bei 60%-80%.

Trotz der technischen Überlegenheit weigern sich die entwickelten Länder, ihre Subvention für die Landwirtschaft zu reduzieren.

Tang zufolge gewähren die USA jedes Jahr eine Subvention in Höhe von etwa 10 Mrd. US$, um den Absatz ihrer Agrarprodukte in Übersee zu fördern. Jede amerikanische Bauernfamilie erhält jedes Jahr im Durchschnitt eine Subvention von 21 000 US$. Der Exportpreis von Weizen der USA entspricht nur einem Drittel der Produktionskosten. Genauso erhält jede Bauernfamilie der EU jedes Jahr im Durchschnitt eine Subvention von 16 000 US$, und der Exportpreis von Milchprodukten der EU entspricht nur der Hälfte der Produktionskosten.

Das Jahreseinkommen der Bauern in den Entwicklungsländern beträgt im Allgemeinen weniger als 400 US$. Die Subvention, die die Regierung gewährt, entspricht nur einem Vierzehntel der in den entwickelten Ländern, außerdem muss sie nach der Forderung der entwickelten Länder um die Hälfte reduziert werden.

Liu Lifeng, außerordentlicher Professor des Instituts für Ökonomie und Management an der Chinesischen Hochschule für Landwirtschaft, wies darauf hin, dass die Subvention Chinas für die Landwirtschaft in den letzten fünf Jahren nur 1,23% des Bruttoproduktionswertes der Landwirtschaft ausmachte, während die Subvention der USA, der EU und Japans für die Landwirtschaft 50%, 60% bzw. 76,7% des Bruttoproduktionswertes ihrer Landwirtschaft betrug.

„Die entwickelten Länder verfolgen eine Politik von hoher Subvention und hohem Schutz für ihre Landwirtschaft. Das bildet ein ungünstiges Handelsumfeld für die Entwicklung der chinesischen Landwirtschaft“, sagte Tang. „Auf diesem Grund steigt Chinas Import von Agrarprodukten viel schneller als deren Export, was im Jahr 2004 zum ersten Mal zu einem Handelsdefizit führte.“


 

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100037 Beijing, Volksrepublik China