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Materie und Energie - Medizin in China

Von Maarten Gassman

Wer möchte schon krank sein? Sicherlich niemand. Wahrscheinlich haben wir alle mal als Kinder eine Erkältung vorgetäuscht oder das Fieberthermometer an die Lampe gehalten, um die Temperatur hochzutreiben, damit wir nicht in die Schule gehen mussten. Mama hat sich ja dann auch immer mit aller Liebe um das arme kranke Kind gekümmert, sicherlich mit dem Wissen, dass wir gar nicht krank waren, sondern einfach einen Tag Mutters volle Aufmerksamkeit wollten. Aber wirklich krank sein will niemand, und erst recht nicht, wenn man weit weg von zuhause ist. Doch wenn man längere Zeit im Ausland lebt, lässt es sich meist nicht vermeiden, dass man irgendwann einmal auf einen Arzt angewiesen ist. Gerade der Beijinger Herbst und Winter lädt förmlich zu einer Erkältung oder auch Grippe ein.

In Beijing gibt es die Möglichkeit, den Arzt der Deutschen Botschaft, zur Zeit Dr. Iqbal Anver aus Berlin, zu konsultieren oder natürlich einen chinesischen Arzt aufzusuchen.

Vor einiger Zeit hatte mich eine schlimme Erkältung erwischt, nachdem ich unvorsichtiger Weise ohne einen Mantel durch einen windigen Beijinger Abend spazierte. Als mich am nächsten Tag einer meiner chinesischen Freunde besuchte, sagte er mir ohne viel Umschweife: „Du brauchst Medizin.“ Ich wollte schon die Telefonnummer von Dr. Anver suchen und einen Termin ausmachen, als mich mein Freund am Arm fasste und mich mit den Worten: "Heute bekommst du chinesische Medizin" aus meiner Wohnung in Richtung Fahrstuhl schob.

Unweit von meiner Wohnung befindet sich eine Apotheke, ich bin schon oft an ihr vorbeigelaufen und habe mich dauernd gefragt, was das wohl alles für Kräuter, Wurzeln und sonstige Dinge sind in all’ den Gläsern und Gefäßen aufbewahrt werden. Ich lasse mir sagen, dass viele von den Kräutern, Wurzeln und getrockneten Seetieren bis zu mehreren tausend RMB kosten können. Vielleicht nicht das Richtige für eine Erkältung. Mein guter Freund unterhält sich mit der Apothekerin, und diese fängt an verschiedne Zutaten zu vermischen. Ich soll doch jeden Tag zweimal die Mischung wie einen Tee zubereiten und sie dann trinken, das wird mich schnell gesund machen. Ich werde gewarnt, die Medizin wird sicher nicht wirklich gut schmecken. Aber was soll’s, denke ich mir, es wird helfen und das ist doch die Hauptsache. Sicherlich ist diese Medizin besser für den Körper als die ganzen chemischen Stoffe, die man zu sich nehmen soll, wenn man in Deutschland zum Arzt geht wegen einer Erkältung.

Mein Freund hatte recht, der Geschmack war wirklich nicht gut, bitter, sehr bittere Medizin. Ich habe lange nachgedacht, ob ich mal fragen sollte, was denn so in der Medizin drin ist, die ich nun nehmen soll, aber vielleicht ist es besser, wenn manche Dinge ein Geheimnis bleiben.

Chinesische Medizin unterscheidet sich nicht nur in Bezug auf die Medikamente, die eingesetzt werden, von unserer westlichen Medizin. In China geht man davon aus, dass es im menschlichen Körper einen Energiefluss gibt; wenn man krank ist, ist dieser gestört, das Ziel der Medizin ist es diese Störung wieder auszugleichen, also den Patienten wieder gesund zu machen.

Sicherlich ist die Akupunktur am bekanntesten in Deutschland, wenn man an Chinesische Medizin denkt. Bei der Akupunktur geht es darum, mit der Hilfe von kleinen, sehr dünnen Nadeln Einfluss auf die gerade genannten Energieströme zu nehmen. Es gibt eine Art Atlas, eine Landkarte des Körpers, der dem Arzt genau anzeigt, wo er die Nadel setzen muss, um den gewünschten Heilungseffekt zu erzielen.

Neben der Akupunktur gibt es noch eine weitere Heilkunst der chinesischen Medizin, die in Deutschland immer populärer wird, die Akupressur. Hier wird, ähnlich wie bei der Akupunktur, davon ausgegangen, dass es Energieströme im Körper gibt, die es zu beeinflussen gilt, um eine heilende Wirkung beim Patienten zu erzielen. Es scheint so, das die Akupressur eine Art Vorläufer der Akupunktur war. In China ist sicher die Akupunkturbehandlung der Füße, auch bekannt als Fußmassage, am bekanntesten bei westlichen Besuchern. Richtig angewendet kann man mit der Akupressurbehandlung einige Schmerzen lindern und andere Beschwerden wie Schlaflosigkeit oder Nasenbluten bekämpfen. Ähnlich wie in der Akupunktur gibt es in der Akupressur eine Art Landkarte des Körpers, bei der Behandlung der Füße geht man davon aus, dass bestimmte Regionen auf der Fußunterseite in Verbindung mit bestimmten Organen oder auch Körperfunktionen stehen. Sicherlich, ich habe das auch nicht geglaubt, als man mir das zum ersten Mal erzählt hatte. Aber da ich ja ein aufgeschlossener Mensch bin und ich mich meist vor fremden Dingen nicht scheue, ließ ich mich schnell überzeugen, und mein guter Freund und ich gingen zu einer Akupressurbehandlung unserer Füße.

Mein zweites Erlebnis mit der chinesischen Medizin. Nachdem unsere Füße gewaschen und gelockert wurden, fing die Behandlung ohne viel Umschweife an. Die junge Dame, die meine Füße massierte, erklärte mir mit großer Sorgfalt, welcher Teil meines Fußes mit welchem Organ und welcher Körperfunktion korrespondiert. Nachdem sie anfing, die Mitte meines Fußes zu massieren und zu drücken, verspürte ich zum ersten Mal wirklich Schmerzen während der gesamten Behandlung. Es stellte sich heraus, dass dieser Teil des Fußes immer dann schmerzt, wenn man an Schlafstörungen leidet, und ich musste feststellen, dass es stimmte. Da ich oft mit Deutschland bis spät in die Nacht telefonieren muss, schlafe ich meist sehr kurz und sehr schlecht. Nun habe ich einige Male die Behandlung der Schlafstörung wiederholt und habe das Gefühl meine Schlafverhalten hat sich gebessert. Ich schlafe tiefer und bin ausgeruhter.

Sicherlich gibt es Menschen die behaupten, eine solche Behandlung hätte nur einen Placebo-Effekt oder es handele sich um einen Zufall. Aber ich denke mir, wenn es hilft, ist es gut und sicherlich ungefährlicher als Schlaftabletten, die man in einem solchen Fall in Deutschland bekommen hätte. Sicherlich kann Akupressur und Akupunktur nicht bei jeder Krankheit helfen, aber ganz sicher ist sie eine gute Alternative zur westlichen Schulmedizin, die doch immer schnell zu chemischen Präparaten greift, um Beschwerden in den Griff zu bekommen.

Ach ja, nun habe ich mich doch getraut mal nach den Inhalten meines Erkältungstrunkes zu fragen, und es waren doch eigentlich nur verschiedne getrocknete Kräuter und Wurzeln. Also keine Angst vor chinesischer Medizin, auch wenn sie bitter schmeckt, aber welche Medizin schmeckt schon gut?

 

TCM und Westliche Medizin: Welche ist besser?

 

Adresse: BEIJING RUNDSCHAU Baiwanzhuanglu 24,
100037 Beijing, Volksrepublik China