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Das Bankwesen öffnet sich allseitig nach außen

Die Banken und die anderen Geldinstitute öffnen ausländischen Investoren ihre Tür.

Von Lan Xinzhen

Der 11. Dezember 2006 markierte einen Wendepunkt für das chinesische Bankwesen.

Chinas UnionPay card service wurde am 16. November in Australien eröffnet.
Foto von Mi Ligong

Nach Chinas Versprechen gegenüber der Welthandelsorganisation (WTO) dürfen ausländische Banken ab 11. Dezember 2006 in den chinesischen Markt eintreten. Das heißt, dass sie von diesem Tag an in China Renminbi-Geschäft abwickeln können.

Das Bankwesen, das Versicherungswesen und das Effektengeschäft stellen die drei Stützen für das chinesische Finanzwesen dar. Das Versicherungswesen hat sich schon vor zwei Jahren nach außen geöffnet, und das Effektengeschäft zeigt schon Anzeichen der Internationalisierung.

„Die Öffnung des Bankwesens hat die Konkurrenz auf dem chinesischen Finanzmarkt total internationalisiert“, sagte Liu Fuxiang, Professor der Universität für Außenwirtschaft und -handel.

Über den Plan hinaus

Von der gegenwärtigen Situation her gesehen hat China nicht nur sein WTO-Versprechen erfüllt, sondern ist noch weiter gegangen.

Ping An of China, eine chinesische Versicherungsgesellschaft, ist bereit, die Herausforderungen ausländischer Rivalen anzunehmen.
Foto von Xinhua

In der Tat hat China schon im Jahr 2001 sein Devisengeschäft nach außen geöffnet. Im Dezember 2003 erlaubte China ausländischen Banken, Renminbi-Geschäft für chinesische Unternehmen abzuwickeln, und 13 Städte erlaubten ausländischen Banken, sich mit Renminbi-Einzelhandel zu beschäftigen.

China habe noch andere Bereiche des Finanzwesens geöffnet, sagte Liu. Zum Beispiel dürfe eine ausländische Bank ihren Anteil an den Aktien einer chinesischen Bank von 15% auf 20% steigern. Es gibt schon 25 ausländische Banken, die Aktien von 20 chinesischen Banken besitzen.

Was das Versicherungswesen betrifft, ist es schon völlig der Außenwelt geöffnet, abgesehen davon, dass der Anteil einer ausländischen Gesellschaft an den Aktien einer chineischen Lebensversicherungsgesellschaft nicht mehr als 50% betragen darf.

Was das chinesische Effektengeschäft anbelangt, führte China schon Ende 2002 das QFII (qualifizierte ausländische institutionelle Investoren)-System ein, was es dem Auslandskapital ermöglicht, direkt Zugang zum chinesischen Aktienmarkt zu finden. Bis 27. Oktober 2006 erhielten 51 ausländische Institutionen mit einer gesamten Investition von 12,6 Mrd. US$. die QFII-Qualifikation.

Zhou Zhengqing, Vizedirektor der Kommission für Wirtschaft und Finanzwesen des Nationalen Volkskongresses, hat an den Verhandlungen über Chinas WTO-Beitritt teilgenommen. Er sagte, dass China seinen Dienstleistungshandelssektor so weit wie nie zuvor geöffnet und sein WTO-Versprechen in vielen wichtigen Dienstleistungssektoren, einschließlich des Bankwesens, erfüllt habe.

Mehr Konkurrenz

Liu sagte, dass es in der absehbaren Konkurrenz zwischen den chinesischen und den ausländischen Geldinstituten zwei Highlights geben werde.

Hong Kong Heng Seng Bank eröffnet eine neue Filiale in Guangzhou.
Foto von Huang Mei

Das erste ist, dass das Problem, dass kleine und mittelständische Unternehmen (small- and medium-sized enterprises, SMEs) mit der Kapitalbeschaffung Schwierigkeiten haben, entschärft werden wird.

Liu zufolge gibt es derzeit im chinesischen Bankwesen eine überschüssige Liquidität in Höhe von mehr als 9 Billionen Yuan. Außerdem hat der Staat Devisenreserven in Höhe von mehr als 1 Billionen US$. Diese brachliegenden Gelder machen etwa 46% des gesamten Finanzvermögens Chinas aus.

„Die Verschwendung der Finanzressourcen ist sehr groß“, sagte Liu.

Ironischerweise können viele SMEs keine finanzielle Unterstützung von Banken erhalten. Der Grund dafür ist, dass die Banken fürchten, dass sie ihre Kredite nicht zurückbekommen können, wenn SMEs Bankrott gehen. Laut Liu liegt der wirkliche Grund darin, dass der Betriebsmechanismus der chinesischen Banken unreif ist. Vor einigen Jahren waren sie alle noch staatseigen.

„Die Beteiligung ausländischer Banken am Renminbi-Geschäft gibt den SMEs eine andere Möglichkeit für die Kapitalbeschaffung“, sagte Liu weiter.

Das andere Highlight ist, dass die chinesischen Bürger mehr Möglichkeiten für Investition haben werden. Viele finanzielle Dienstleistungen wie Hypothekenanleihen für Wohnungskauf, Krankenversicherung, Altersversicherung, Autodarlehen und Bildungsdarlehen sind momentan in China nicht entwickelt. Daher pflegt man in China die Ausgaben nach dem Einkommen zu bestimmen.

Jetzt, als sich das chinesische Bankwesen allseitig den ausländischen Investoren öffnet, werden immer mehr Chinesen von Sparern zu Investoren werden.

Su Ning, Vizepräsident der Chinesischen Volksbank, ist der Ansicht, dass die Öffnung des Bankwesens den chinesischen Geldinstituten dazu veranlassen wird, den Konsumenten mehr Dienstleistungen anzubieten.

In einer Finanzausstellung, die vom 17. bis zum 20. November in Shanghai stattfand, wetteiferten ausländische Banken wie ABN AMRO um die Anziehung von Kunden.
Foto von Xinhua

„Die Öffnung des Bankwesens für ausländische Geldinstitute bringt China nicht nur Chancen und Vorteile, sondern auch negative Auswirkungen. Das lässt sich nicht übersehen“, sagte Xu Hongcai, Professor der Shoudu-Universität für Wirtschaft und Handel.

Xu wies darauf hin, dass die Öffnung des Bankwesens zur Abwanderung qualifizierter Fachkräfte von chinesischen Geldinstituten führen würde.

Einer Meldung der Xinhua-Nachrichtenagentur zufolge plant HSBC, in diesem und dem nächsten Jahr 2000 Mitarbeiter auf dem chinesischen Festland zu rekrutieren. Dann wird die Zahl der chinesischen Mitarbeiter von HSBC auf dem chinesischen Festland über 4000 betragen. Mittlerweile beeilen sich auch Standard Chartered, Heng Seng Bank and Bank of East Asia, chinesische Mitarbeiter anzuwerben.

Wang Zhao, Forschungsrat des Forschungszentrums für Entwicklung beim Staatsrat, ist der Ansicht, dass die Öffnung des Bankwesens die Verwaltung der Geldinstitute auf dem chinesischen Festland noch schwieriger machen wird. „Zunächst einmal ist es schwierig, die Geldpolitik zu koordinieren“, sagte er.

Seiner Meinung nach liegt der Grund für die erfolgreiche Überwältigung der asiatischen Finanzkrise im Jahr 1997 durch China hauptsächlich darin liegt, dass der Finanzmarkt Chinas damals noch nicht nach außen geöffnet war. Jetzt werde jegliche winzige Schwankung auf dem internationalen Finanzmarkt einen Einfluss auf den chinesischen Markt ausüben, sagte er.

Zukünftige Entwicklung

In Zukunft werde das chinesische Bankwesen eine große Veränderung erfahren, sagte Xu Mingqi, Vizedirektor des Instituts für Weltwirtschaft der Shanghaier Akademie der Sozialwissenschaften.

Am 1. Juni 2006 ließ sich die Bank of China erfolgreich an der Hong Konger Börse notieren.
Foto von Xinhua

Seiner Meinung nach wird die Konkurrenz zwischen den Geldinstituten zur Veränderung des Bewirtschaftungsmodells der chinesischen Banken verändern.

Er sagte, obwohl sich die ausländischen Geldinstitute vorläufig nicht mit den chinesischen an der Anzahl und des Marktanteils messen könnten, werde es unvermeidlich zu heftiger Konkurrenz zwischen ihnen kommen.

„Ein unübersehbarer Faktor ist, dass die Überlegenheit der ausländischen Geldinstitute hinsichtlich der gemischten Bewirtschaftung unweigerlich in der Konkurrenz mit den chinesischen Geldinstituten zum Ausdruck kommen wird“, sagte Xu.

Huang Yanfen, außerordentlicher Professor des Guanghua-Instituts für Management der Peking-Universität, teilt Xus Meinung. Ihm zufolge wird das chinesische Bankwesen seit langem gesondert bewirtschaftet, das heißt, dass die Banken, die Versicherungsgesellschaften und die Effektenbörsen separat bewirtschaftet werden. Obwohl dieses Bewirtschaftungsmodell für die Kontrolle über eventuelle Finanzrisiken von Vorteil ist, müssen die chinesischen Geldinstitute das Modell der gemischten Bewirtschaftung annehmen, sonst würden sie in der heftigen Konkurrenz in eine ungünstige Lage geraten. Daher ist die Überwindung des gegenwärtigen Modells der separaten Bewirtschaftung der Schlüssel der Umstrukturierung des chinesischen Bankwesens.

Huang ist der Ansicht, dass die Konkurrenz im Bankwesen den chinesischen Finanzmarkt internationalisieren wird.

„Die Öffnung des chinesischen Bankwesens wird auch den Anschluss der chinesischen Gesetze und Vorschriften über die Verwaltung der Geldinstitute an die internationalen Gepflogenheiten beschleunigen“, sagte Huang abschließend.


 

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