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Ein Jahr des Wachstums

Die chinesische Wirtschaft entwickelt sich zwar stabil, aber sie braucht noch ein Gleichgewicht.

Von Lan Xinzhen

Im Jahr 2006 waren Wal-Mart und Citibank auf dem chinesischen Markt erfolgreich.

Wal-Mart akquirierte Trust Mart, einen Kettenladen mit dem elftgrößten Absatzvolumen in China Anfang 2006. Citibank hat sich mit Mehrheit an der Guangdong Development Bank, der drittprofitabelsten unter den kleinen und mittleren Kommerzbanken in China im Jahr 2005, beteiligt.

Das häufige Vorkommen von transnationalen Akquisitionen ist ein Ergebnis der Beschleunigung der Öffnung des chinesischen Marktes.

Ein offener Markt

In Übereinstimmung mit Chinas WTO-Versprechen soll die Übergangsperiode am 11. Dezember 2006 zu Ende sein. Aber in der Tat sind viele Branchen schon vorher in die Phase freier Konkurrenz eingetreten.

Ausländische Kunden wählen auf der 3. Messe für Investment und Handel in Nordjiangsu Waren.
Foto von Xinhua

Anfang 2006 hat die chinesische Regierung Vorschriften über das Immobilienwesen und andere Sektoren, die Monopolisierung oder Umweltverschmutzung verursachen können, ausgearbeitet, um Auslandskapital rationell und effektiv zu nutzen. Diese politischen Maßnahmen wurden von ausländischen Unternehmen als eine Beschränkung für ihren Zugang zum chinesischen Markt betrachtet. So fürchteten einige Leute, dass ausländische Investoren ihre Investition in China reduzieren würden. Diese Sorge ist eine Zeit lang Realität geworden. Statistiken des Handelsministeriums zufolge betrug das von Januar bis September 2006 tatsächlich genutzte Auslandskapital 42,59 Mrd. US$, eine Abnahme um 1,52% im Vergleich zum gleichen Zeitraum von 2005.

Die positive Haltung ausländischer Unternehmen gegenüber dem chinesischen Markt veränderte jedoch im Oktober 2006 diesen Abwärtstrend. In diesem Monat stieg das tatsächlich genutzte Auslandskapital um 15,92% gegenüber dem Vergleichszeitraum von 2005 auf 5,99 Mrd. US$, wodurch das tatsächlich genutzte Auslandskapital in den ersten zehn Monaten dieses Jahres um 0,34% gegenüber dem Vergleichszeitraum von 2005 stieg.

Zur gleichen Zeit hat China in diesem Jahr seine Handelsstrategie einer wichtigen Anpassung unterzogen. Dies manifestiert sich in der Veränderung seiner Steuerrückerstattungspolitik für Exporte, nach der die Steuerrückerstattung für Exportprodukte mit hohem Energieverbrauch, starker Verschmutzung und niedrigem wissenschaftlich-technischen Zusatzwert reduziert oder aufgehoben und die für High-Tech-Exportprodukte gehoben worden ist. Außerdem regulierte China die Export- und Importzolltarife, indem es den Exportzolltarif für Ressourcen und Produkte mit hohem Energieverbrauch und starker Verschmutzung erhöhte und den Importzolltarif für Ressourcen und wissenschaftliche und technologische Produkte senkte. Die Veränderung der Steuerrückerstattungspolitik und der Zolltariefe für Im- und Exporte reduziert den Export von Produkten mit niedrigem Zusatzwert und erhöht den Import von High-Tech-Produkten.

Die Erfüllung der WTO-Versprechen Chinas und die Senkung der Zolltariefe tragen dazu bei, dass eine große Menge von ausländischen Waren in China strömt. Der Import Chinas holt allmählich seinen Export ein, und immer mehr ausländische Waren werden auf dem chinesischen Markt verkauft. Das ist ein Impuls für das Wachstum der Weltwirtschaft.

Ein rapides und stabiles Wachstum

„Die chinesische Volkswirtschaft hat ein stabiles und rapides Wachstum beibehalten“, hieß es in einem Forschungsbericht des Forschungszentrums für Entwicklung beim Staatsrat, der im November veröffentlicht wurde.

Eine Arbeiterin in Wenzhou, Provinz Zhejiang, stellt Schuhe für Export her.
Foto von Tan Jin

Diese Stabilität ist auf die Intensivierung der Globalsteuerung durch die chinesische Regierung zurückzuführen. Ende 2005 ergriff China eine Reihe von Globalsteuerungsmaßnahmen, so dass das Wachstum der chinesischen Wirtschaft stabil zurückging. Doch im Jahr 2006 zeigte die chinesische Wirtschaft wieder Anzeichen der Überhitzung. Allein im ersten Quartal dieses Jahres stiegen die Anlageinvestitionen in den Städten um 29,8% gegenüber dem Vorjahr, was einen Anstieg der Wachstumsrate um 4,5 Prozentpunkte gegenüber dem gleichen Zeitraum von 2005 bedeutet. Die neu gewährten Kredite betrugen 1,26 Billionen Yuan, was 50,3% des Plans für das ganze Jahr entspricht. Das zu schnelle Wachstum der Anlageinvestitionen und der neu gewährten Kredite führte zur Überhitzung der chinesischen Wirtschaft. Unter diesen Umständen muss die chinesische Regierung die Globalsteuerung intensivieren.

Angesichts des zu schnellen Wachstums der Kreditvergabe und Geldversorgung nimmt die chinesische Regierung einen Knappheitskurs an, indem sie seit April dreimal die Zinssätze für Bankeinlagen und Kredite erhöht hat.

Da das Immobilienwesen eine wichtige Kraft für die Ankurblung des Investmentwachstums ist, arbeitete der Staatsrat am 17. Mai 2006 sechs Maßnahmen zur Regulierung der Struktur des Wohnungsangebots und zur Beschleunigung des Aufbaus des Wohnungssystems für einkommensschwache Stadtbewohner aus.

In ihrem Bericht über die Entwicklungsaussichten Asiens im Jahr 2006 prognostiziert die Asiatische Entwicklungsbank, dass die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr um 10,4% wachsen würde.

In einem Bericht des Wirtschaftsinstituts der Chinesischen Volksuniversität über die Analyse und Prognose der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft in den Jahren 2006-2007 heißt es, dass die chinesische Wirtschaft nach dem rapiden Wachstum mit einem Rückgang konfrontiert ist. Der Bericht prognostiziert, dass die Wachstumsrate der chinesischen Wirtschaft im Jahr 2006 bei 10,48% und die der Anlageinvestitionen bei 27% liegen und der Endverbrauchspreisindex um 1,5%, M1 (Narrow Money) und M2 (Broad Money) um 14,9% bzw. 17,2% und der Import und der Export um 27,2% bzw. 23,4% steigen würden.

Irrationale Struktur

Wenn man einen Rückblick auf die chinesische Wirtschaft im Jahr 2006 wirft, kann man feststellen, dass eine irrationale Wirtschaftswachstumsstruktur immer noch die Wirtschaftsentwicklung behindert. Li Daokui, Direktor des Forschungszentrums für chinesische und internationale Wirtschaft der Tsinghua-Universität, sagte, dass der Endverbrauch, das Investment und der Export in der gegenwärtigen chinesischen Wirtschaftswachstumsstruktur 55%, 40% bzw. 5% ausmachten. Der Anteil des Investments wachse immer noch. Solch eine Struktur sei recht irrational und berge große Gefahren in sich. Daher sei es noch unsicher, ob sich ein so hoher Investmentanteil in Zukunft in profitable Projekte verwandeln kann.

Yin Xiangshuo, Professor des Instituts für Weltwirtschaft der Fudan-Universität, sagte, dass die chinesische Wirtschaft als Ganzes nicht überhitzt, sondern ihre Struktur irrational sei. Beispielsweise sei zu viel Kapital ins Immobilienswesen investiert worden.

Zhu Hongren, dem stellvertretenden Direktor des Amts für Wirtschaftsentwicklung der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform, zufolge wurde im Jahr 2005 die Umstrukturierung einiger Branchen mit Überkapazität durchgeführt. Dabei wurden einige Erfolge erzielt. Aber in der ersten Hälfte des Jahres 2006 vergrößerte sich das Ausmaß des Investments in einigen Branchen mit Überkapazität wieder, und die Zahl der neu begonnenen Projekte stieg in hohem Tempo, was eine latente Gefahr für die Entwicklung der Wirtschaft mit sich gebracht hat.

Statistiken der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform und des Staatlichen Statistikamts zufolge übersteigt die Produktionskapazität der Automobilindustrie weit die reale Nachfrage; die Rate der Überkapazität der Verkokungsindustrie wird in diesem Jahr 24% erreichen; Ende 2006 wird die Produktionskapazität der Zementindustrie 1,35 Mrd. t überschreiten, während die Nachfrage nur 1,05 Mrd. t betragen wird; die Überkapazität der Kohlenindustrie wird 150-200 Mio. t betragen; und die Produktionskapazität der Eisen- und Stahlindustrie hat schon Ende 2005 470 Mio. t erreicht, obwohl die geschätzte Nachfrage nur 300 Mio. t beträgt.

„In der Frage der Lösung der überschüssigen Produktionskapazität sind wir mit ernsten Herausforderungen konfrontiert“, sagte Zhu Hongren.

Abgesehen von der irrationalen Wirtschaftsstruktur hat China noch einen unbestimmten Faktor: Chinas Devisenreserven sind in diesem Jahr zum ersten Mal auf mehr als 1 Billion US$ steigen. Damit ist China zu einem Land mit den größten Devisenreserven geworden.

Was für einen Einfluss werden die so großen Devisenreserven auf die chinesische Wirtschaft ausüben? Diese Frage hat unter den in- und ausländischen Ökonomen eine Debatte ausgelöst.


 

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