KAPITEL I ÜBERBLICK

Geographische Lage

Das Autonome Gebiet Tibet liegt im Südwesten der Volksrepublik China. Auf 26º50’-36º53’ nördlicher Breite und 78º25’-99º06’ östlicher Länge gelegen, nimmt es mit einer Fläche von mehr als 1,22 Millionen Quadratkilometern etwa ein Achtel der gesamten Fläche des Landes ein. Unter den Provinzen und autonomen Gebieten Chinas belegt es flächenmäßig nach dem Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang den zweiten Platz und entspricht der gesamten Fläche von Großbritannien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg. Es grenzt im Norden an das Uigurische Autonome Gebiet Xinjiang und die Provinz Qinghai, im Osten und Südosten an die Provinzen Yunnan und Sichuan und im Süden und Westen von Ost nach West an Myanmar, Indien, Bhutan, Sikkim und Nepal sowie das Gebiet Kaschmir. Es hat eine etwa 3842 Kilometer lange Staatsgrenze.

Administrative Gliederung

Das Autonome Gebiet Tibet ist eines der fünf autonomen Gebiete Chinas. Ihm unterstehen eine Stadt auf Bezirksebene (Lhasa) mit einem Distrikt unter der Verwaltung der Stadtregierung (Chengguan-Distrikt von Lhasa), sechs Bezirke (Xigaze, Shannan, Qamdo, Nagqu, Ngari und Nyingchi), eine Stadt auf Kreisebene (Xigaze) und 71 Kreise.

Lhasa ist die Hauptstadt des Autonomen Gebiets Tibet und Xigaze die zweitgrößte Stadt Tibets. Die wichtigsten Landstädtchen sind Zetang, Bayi, Nagqu, Chengguan, Shiquanhe, Gyangze und Zham.

Stadt Lhasa

Die Stadt Lhasa ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Autonomen Gebiets Tibet. Das Bild zeigt den Potala-Palast, ein symbolisches Bauwerk Tibets, das in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Die Stadt Lhasa liegt im Zentral-Süden Tibets und befindet sich am Nordufer des Lhasa-Flusses, eines Nebenflusses des Yarlung Zangbo. Sie hat eine Fläche von 31 622 Quadratkilometern und wird von Tibetern, Hui und Angehörigen von mehr als 30 anderen Nationalitäten bewohnt. Die Tibeter machen über 87% der Gesamtzahl der Bevölkerung der Stadt aus. Die durchschnittliche Temperatur im ganzen Jahr liegt bei 7,5ºC, im Januar bei 2,3ºC und im Juli bei 15,4ºC. Hier herrscht ein Hochebenen-Monsunklima. Die wichtigsten Getreidesorten sind Qingke-Gerste, Weizen und Mais und die wichtigsten Nutzpflanzen Kartoffeln, Rüben und Kohl. Zu den wilden Heilkräutern und Heilmitteln gehören Chinesischer Raupen-Pilz, Bulbus Fritillariae, Radix Rhodiolae, Schneelotos, Fructus Ginseng, Moschus und Hirschgeweihsprosse. Unter den wilden Tieren gibt es wilde Yaks, wilde Esel, Mongolische Gazellen und Tibetische Antilopen. Traditionelle Kunsthandwerke sind Tibetische Taillenmesser, Kardian (Polster aus Wollstoff), Teppiche, Bangdian (farbige Schürzen für tibetische Frauen), hölzerne Schüsseln und Gold- und Silberwaren.

In der Stadt Lhasa sind über 200 Sehenswürdigkeiten, von denen über 20 Schwerpunkt-Sehenswürdigkeiten sind, dem Publikum zugänglich gemacht worden. Zu den wichtigsten kulturellen Sehenswürdigkeiten gehören Potala-Palast, Jokhang-Kloster, Ramoche-Kloster, Norbu Lingka, Zhaibong-Kloster, Sera-Kloster, Dzongjab Lukhang, Gendain-Kloster, Curpu-Kloster und Razheng-Kloster, und die wichtigsten natürlichen Sehenswürdigkeiten umfassen Nam Co-See, Yangbajain-Erdwärmefeld, Nyainqentanglha-Schnellgipfel, heiße Quellen ,,Dezhong“ und ,,Duilong“, Lhünzhub und Naturschutzgebiet Maizhokunggar.

Bezirk Nagqu

Der Bezirk Nagqu liegt im Norden Tibets und grenzt im Norden an Xinjiang und Qinghai. Mit einer Fläche von etwa 286 500 Quadratkilometern ist er das Hauptviehzuchtgebiet Tibets. Über 98 Prozent seiner Bewohner sind Tibeter.

Der mittlere und der westliche Teil des Bezirks Nagqu gehören zu Changthang und liegen zum größten Teil über 4500 Meter über dem Meeresspiegel. Sie kennzeichnen sich durch eigenartige Topographie und bezaubernde Landschaft, alles scheint beim Urzustand zu bleiben. Sie sind mit über tausend Seen in verschiedener Größe, einschließlich Nam Co, Serlin Co und Tangra Yumco, und zahlreichen heißen Quellen und Erdwärmerfeldern übersät. Der Bezirk Nagqu ist reich an Bodenschätzen und Erdöl- und Erdgasressourcen, wilden Tieren und Hochgebirgspflanzen. Unter den wilden Tieren gibt es über 20 Arten Tiere, die unter staatlichem Schutz ersten bzw. zweiten Ranges stehen. Die wichtigsten einheimischen Spezialitäten umfassen Rinds- und Hammelflaum, Kaschmirwolle, Chinesischen Raupen-Pilz, Schneelotos, Bulbus Fritillariae und Moschus. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind Shabten Gonpa, ein berühmtes Kloster des Tibetischen Buddhismus im Kreis Nagqu, das Landschaftsgebiet des Ardza Tso-Sees im Kreis Lhari, das Landschaftsgebiet in der Gemeinde Drongyul, die schöne Landschaft an den beiden Ufern des Nujiang-Flusses im Kreis Biru, das Urwaldrevier Bomphan, das Landschaftsgebiet Paingar-Yangxoi sowie Batsang Bongon, Lumkar Bongon und Lupug Bongon, die alle berühmte Klöster der Bön-Religion sind.

Bezirk Qamdo

Der Bezirk Qamdo liegt im Osten Tibets und grenzt im Osten an die Provinzen Yunnan und Sichuan und im Norden an die Provinz Qinghai. Er ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, wo sich die Landstraße Sichuan-Tibet, die Landstraße Yunnan-Tibet und die Landstraße Qinghai-Qamdo kreuzen und zu verschiedenen Kreisen führen. Er hat eine Fläche von 130 000 Quadratkilometern und wird hauptsächlich von Tibetern, Han, Mongolen, Naxi, Lisu und Hui bewohnt.

Der Bezirk Qamdo hat über 80 Berge, die über 5000 Meter hoch sind. An den Füßen der Berge gibt es Täler, Wälder, Felder und natürliche Weiden, auf den Bergen leben über 600 Tierarten, darunter Schneeleoparden, Katzenbären, Stumpfnasenaffen und Weißlippenhirsche. Hier werden über 1200 Arten Heilkräuter und Arzneimittel wie Chinesischer Raupen-Pilz, Moschus und Hirschgeweihsprossen produziert.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Qamdo umfassen das Qangbalin-Kloster im Kreis Qamdo, die Kharub-Ruinen der Kultur der Jungsteinzeit, das Landschaftsgebiet des Meri-Schneeberges im Kreis Zogang, die Steinschnitzereien an Felsen im Kreis Chagyab und die Steinskulpturen in Lhünlong.

Bezirk Nyingchi

Der Bezirk Nyingchi liegt im Südosten Tibets und befindet sich am Mittel- und Unterlauf des Yarlung Zangbo. Im Süden grenzt er an Indien und Myanmar. Er hat eine Fläche von 99 700 Quadratkilometern und wird neben Tibetern und Han überwiegend von Moinba, Lhoba und anderen nationalen Minderheiten bewohnt.

Der Bezirk Nyingchi hat angenehmes Klima und fruchtbaren Boden. Seit jeher genießt er den Ruf „ein südchinesisches Gebiet in Tibet“. Das Bild zeigt die idyllische Landschaft in Nyingchi.

Beeinflusst von der warmen und feuchten Luftströmung des Indischen Ozeans, ist der Bezirk Nyingchi im Sommer nicht heiß und im Winter nicht kalt und hat reiche Niederschläge. Er hat 2,64 Millionen Hektar Wälder, die Waldreserven betragen über 800 Millionen Festmeter. In den Wäldern gibt es über 2000 Arten höhere Pflanzen, darunter über 200 Jahre alte Picea asperata (eine Fichtenart) und 2500 Jahre alte Zypressen. Am tiefsten Punkt liegt das Gebiet nur etwa 1000 Meter über dem Meeresspiegel. An manchen Orten kann man Wasserreis, Orange, Bananen und Zitrone anbauen. Als seltene wilde Tiere sind hier Bangladesch-Tiger, Yunnaner Stumpfnasenaffen, Leoparden, Bären, Antilopen und Katzenbären zu finden. Zu den einheimischen Spezialitäten gehören berühmte Heilkräuter wie Radix Gastrodiae, Notoginseng, Fritillaria, Radix Rhodiolae, Chinesischer Raupen-Pilz, schimmerndes Ganoderma und über 120 Arten essbare Pilzen. Außerdem sind die tibetischen Mützen und die hölzernen Schüsseln des Kreises Nang, der Tee von Bome, die Messer von Yi’ong, die Bambuswaren und die hölzernen Schüsseln in tibetischem Stil von Yazü weit und breit bekannt.

Die Sehenswürdigkeiten von Nyingchi sind in acht Landschaftsgebiete und 40 Reiseziele eingeteilt. Unter ihnen gibt es das Landschaftsgebiet Basumco, das von der Weltorganisation für Tourismus (OMT) als Reiseziel der Weltklasse und vom Staatlichen Touristikamt als Reisegebiet Klasse 4A eingestuft und zum Nationalen Waldpark erklärt wurde, das Landschaftsgebiet Namjabarwa, das für den Tourismus von vielfältigem Wert ist, die Große Schlucht des Yarlung Zangbo, ein Naturschutzgebiet auf Staatsebene, den Nationalen Geologischen Park Yi’ong und den Nationalen Waldpark Serkyim.

Bezirk Shannan

Der Bezirk Shannan liegt am Mittel- und Unterlauf des Yarlung Zangbo und grenzt im Süden an Bhutan und Indien. Er hat eine Fläche von mehr als 80 000 Quadratkilometern. Seine Bevölkerung besteht aus Tibetern, Han, Hui, Moinba und Lhoba, 98 Prozent der Einwohner sind Tibeter.

Shannan ist einer der wichtigen Ursprungsorte der tibetischen Zivilisation. Die lange Geschichte hat ihm viele berühmte historische Denkmäler hinterlassen. Zehn von ihnen stehen als Schwerpunktobjekt dem staatlichen Denkmalschutz unterstellt, sie sind: die Gräber der tibetischen Könige, die Klöster Samyai, Changzhug, Chatang und Saikargutog, die Gräber aus dem Tubo-Reich in Gyidoi, die Gräber von Märtyrern, die Ruine des Lagyabli-Kaiserpalastes, das Namsailin-Landgut und der Gyirulhakang-Palast. Außerdem gibt es dort weit und breit bekannte ,,heilige Berge“ und ,,heilige Seen“.

Das Landschaftsgebiet Yarlung ist das einzige Landschaftsgebiet auf Staatsebene in Tibet. Es ist durch schneebedeckte Berge, Gletscher, Hochgebirgspflanzen, idyllische Weiden, Flusstäler, historische Denkmäler und althergebrachte und urtümliche Sitten gekennzeichnet. Es gibt drei wichtige Reiseziele, die kulturelle und natürliche Sehenswürdigkeiten in sich vereinigen: das Landschaftsgebiet des Yamzhog Yumco-Sees, das Landschaftsgebiet Samyai und das Landschaftsgebiet der ,,heiligen Seen“.

Die wichtigsten einheimischen Spezialitäten sind Pulu (tibetischer Wollstoff) , tibetische Weihrauchstäbchen und Kardian.

Der Bezirk Shannan ist eines der Gebiete mit relativ günstigen Verkehrsbedingungen in Tibet. Der Konggar-Flughafen von Lhasa befindet sich in der Gemeinde Gyazhugling des Kreises Konggar von Shannan.

Bezirk Xigaze

Ein Rindslederboot auf dem Yamzhog Yumco-See. Der Yamzhog Yumco-See wird von den Tibetern als „heiliger See“ betrachtet.

Der Bezirk Xigaze liegt im Zentral-Süden Tibets und grenzt im Süden an Bhutan und Nepal. Er hat eine Fläche von 180 000 Quadratkilometern. Seine Einwohner sind hauptsächlich Tibeter, daneben leben dort noch Han, Hui, Mongolen, Naxi und Sharpa.

Im Bezirk Xigaze konzentrieren sich verschiedenartige natürliche Sehenswürdigkeiten. Dort gibt es sowohl ausgedehnte Almen und idyllische Szenerien als auch subtropische Wälder und schneebedeckte Gipfel. Das Naturschutzgebiet Qomolangma ist das am höchsten gelegene und am vollständigsten erhaltene Ökosystem in der Welt. Die wichtigsten historischen Denkmäler im Bezirk Xigaze sind das Zhaxilhunbo-Kloster, das Sa’gya-Kloster, die Ruine der Festung auf dem Zongshan-Berg, wo die tibetische Armee und Bevölkerung heldenhaft gegen britische Aggressoren kämpften, die Klöster Xalu und Qoide, der Zhoimalhakang-Palast und die Inschrift über den kulturellen Austausch zwischen China und Indien in der Tang-Zeit, die alle als Schwerpunktobjekt dem staatlichen Denkmalschutz unterstellt sind, sowie die Klöster Natang, Rongpu und Palkor, der ehemalige Sitz des Palha-Landgutes usw.

Der Bezirk Xigaze ist ein Schwerpunkt-Gebiet für die Entwicklung des Tourismus in Form von Bergsteiger-Expedition. Fünf über 8000 Meter hohe Gipfel - Qomolangma (8844,43 Meter), Lhozi (8516 Meter), Makaru (8463 Meter), Qowowuyag (8201 Meter) und Xixabangma (8012 Meter) - befinden sich alle im Bezirk Xigaze. In den letzten mehr als 20 Jahren hat China den Bergsteigern nacheinander 44 Gipfel und Bergsteigenrouten eröffnet, jährlich kamen im Durchschnitt über 20 ausländische Bergsteigerteams ins Gebiet Qomolangma.Die einheimischen Spezialitäten sind mit Silber beschlagene hölzerne Schüsseln, Teebretter, tibetische Teppiche, Goldfiligran-Mützen, tibetische Messer und Kardian.

Bezirk Ngari

Der Bezirk Ngari befindet sich im Westen Tibets und grenzt im Westen und Süden an das Kaschmir-Gebiet, Indien und Nepal. Er hat eine 116 Kilometer lange Grenze mit mehr als 60 Grenzübergangsstellen. Von den sieben Kreisen, die ihm unterstehen, sind drei Viehzuchtgebiete und vier Halbagrar- bzw. Halbviehzuchtgebiete. Der Bezirk Ngari hat eine Fläche von 303 000 Quadratkilometern und ist relativ dünn bevölkert.

Die erdwaldförmige Topographie in Ngari ist die berühmteste natürliche Szenerie in diesem Gebiet.

Der Bezirk Ngari nahm in der Geschichte des Verkehrs zwischen China und Westasien und in der Geschichte des wirtschaftlichen und kulturellen Austausches zwischen Ost und West einen wichtigen Platz ein. Er ist die Wiege der glänzenden alten Zivilisation Tibets und der Kultur der Bön-Religion.

Der Bezirk Ngari liegt im Durchschnitt über 4500 Meter über dem Meeresspiegel. Schneebedeckte Gipfel, Gletscher, mit Gras bewachsenes Sumpfland im Hochgebirge, Gobi-Wüsten, Flüsse und Seen, Äcker und Weiden, Wälder und verschiedenartige wilde Tiere bilden einen großartigen Anblick. Die berühmten Flüsse Shiquan (Sengge Zangbo), Kongque, Xiangquan (Langqen Zangbo) und Maquan sind jeweils die Quelle des Indus, des Ganges, des Sutlei und des Yarlung Zangbo.

Die Ruinen des Guge-Reiches, das alte Toding-Kloster, die Wandmalerei in Donggar und die Felsschnitzerei in Rutog sind alle von der alten Zivilisation der Hochebene in Westtibet geprägt. Kangrinboqe, der höchste Gipfel des Kangdese-Berges, der von verschiedenen Religionen als ,,heiliger Berg“ verehrt wird, und der Mapam Yumco-See, der als ,,heiliger See“ betrachtet wird, haben in der asiatischen Religionsgeschichte eine besondere Stellung. Beide liegen im Kreis Burang des Bezirks Ngari. Im Bezirk Ngari gibt es fünf touristische Ressourcen von Weltklasse, 18 auf Staatsebene und 48 auf Provinzebene. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Ngari geworden.

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