ETHNISCHE GRUPPEN,BEVÖLKERUNG UND RELIGIONEN

Die tibetische Nationalität ist die wichtigste ethnische Gruppe des Autonomen Gebiets Tibet. Etwa 50 Prozent der Tibeter des ganzen Landes leben im Autonomen Gebiet Tibet, während der Rest in den Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan lebt.

Die tibetische Nationalität ist eine der ältesten Nationalitäten Chinas. Sie entstand nach der Vereinigung vieler Stämme des Qinghai-Tibet-Plateaus durch das Tubo-Reich. Da die Tibeter immer auf dem Qinghai-Tibet-Plateau leben, wird der größte Teil des Qinghai-Tibet-Plateaus als ein von Tibetern bewohntes Gebiet bezeichnet.

Die tibetische Nationalität hat bei der Bildung und Entwicklung der chinesischen Nation eine wichtige Rolle gespielt. Historischen Aufzeichnungen in Tibetisch und Chinesisch zufolge hat die tibetische Nationalität während ihrer Entwicklung Han, Mongolen, Mandschuren, Qiang und Naxi assimiliert, aber ein Teil der Tibeter wurde in der Geschichte auch von der Han-, der Mongolischen, der Hui-, der Qiang- oder der Naxi-Nationalität assimiliert. In China, einem Vielvölkerstaat, ist die gegenseitige Assimilierung verschiedener Nationalitäten ein natürliches Phänomen. Es ist eine objektive Tatsache, die in der Geschichte der Beziehungen zwischen den verschiedenen Nationalitäten Chinas und während der historischen Entwicklung Chinas existierte.

Neben den Tibetern gibt es in Tibet noch andere ethnische Gruppen wie Han, Hui, Moinba, Lhoba, Naxi, Nu und Dulong sowie Deng und Sharpa. Die Angehörigen anderer ethnischer Gruppen, die in Tibet leben, sind hauptsächlich Techniker, Facharbeiter, Lehrer, medizinische Mitarbeiter und Kader aus anderen Provinzen, autonomen Gebieten oder regierungsunmittelbaren Städten, die nach Tibet gekommen sind, um Tibet beim Aufbau zu helfen. Ein Teil von ihnen sind Einwanderer, die sich in Tibet mit Bauarbeit, Handel, Transport oder Gastronomie beschäftigen.

Ethnische Zusammensetzung

Tibeter Sie sind die wichtigsten Einwohner Tibets. Ihre Sprache gehört zum tibetischen Sprachzweig der tibetisch-burmesischen Sprachfamilie des sino-tibetischen Sprachstammes. Es gibt hauptsächlich drei Dialekte: U-Tsang, Kham und Amdo. Kham wird hauptsächlich im Bezirk Qamdo und im Osten Nordtibets und U-Tsang hauptsächlich in Lhasa, Xigaze und Shannan gebraucht. Die meisten Tibeter betreiben Ackerbau und Viehzucht. Die Stadtbewohner beschäftigten sich früher hauptsächlich mit Handwerk und Handel. Die meisten von ihnen bekennen sich zum Tibetischen Buddhismus, ein Teil bekennt sich zur Bön-Religion, und einige wenige bekennen sich zum Katholizismus. Die traditionelle Tracht ist Hemd mit langen Ärmeln. Die Männer tragen weite Roben und die Frauen ärmellose Roben mit Schärpe um die Hüfte. Verheiratete Tibeterinnen ziehen gewöhnlich Schürzen mit regenbogenförmigen Mustern an. In der Vergangenheit trugen sowohl die Männer als auch die Frauen Zöpfe und Kopfschmucksachen. Die traditionellen Kleidungen und Schmucksachen variieren mehr oder weniger je nach dem Gebiet. Die Hauptnahrung der Tibeter ist Zanba-Mehl (zermahlende und geröstete Qingke-Gerste oder Erbsen). Sie trinken gern Butter- oder Milchtee und Qingke-Gerstenwein und essen gern Rinder- und Hammelfleisch. Aber sie essen nicht Hundefleisch und das Fleisch von Einhufern. Sie praktizieren hauptsächlich himmlische Bestattung und Wasserbestattung, aber Feuer- und Erdbestattung sind auch üblich. Das variiert je nach dem Menschen und Gebiet.

Tibet ist ein von verschiedenen Nationalitäten bewohntes Gebiet. Neben der tibetischen Nationalität leben in Tibet noch andere Nationalitäten. Das Bild zeigt Frauen der Moinba-Nationalität in Nyingchi.

Moinba Sie leben hauptsächlich im Bezirk Moinyu im Süden des Autonomen Gebiets Tibet, einige wohnen verstreut in den Landkreisen Medog, Nyingchi und Cona. Ihre Sprache gehört zum Moinba-Sprachzweig der tibetisch-burmesischen Sprachfamilie des sino-tibetischen Sprachstamms. Sie sprechen komplizierte Dialekte und haben keine eigene Schrift. Die meisten von ihnen können Tibetisch. Sie beschäftigen sich hauptsächlich mit Ackerbau, zugleich betreiben sie Viehzucht, Forstwirtschaft, Jagd und Handwerk. Männer tragen rote Roben und braune Hüte mit orangenfarbiger Krempe oder schwarze Filzhüte. Frauen tragen Armketten und Ohrringe, während Männer Hackmesser an der Taille tragen. Männer und Frauen trinken gern Wein und rauchen Schnupftabak. Ihre Hauptnahrungsmittel sind Reis, Mais, Buchweizen, klebrige Hochlandshirse. Die meisten von ihnen bekennen sich zum Tibetischen Buddhismus, aber an einigen Orten glauben sie an den traditionellen Schamanismus. Gewöhnlich praktizieren sie Wasserbestattung, auch Erd- und Feuerbestattung sowie himmlische Bestattung sind bei ihnen üblich.

Lhoba Sie leben hauptsächlich im Bezirk Lhoyul im Südosten des Autonomen Gebiets Tibet, einige wohnen verstreut in den Landkreisen Mainling, Medog, Zayü, Lhünze und Nang. Ihre Sprache gehört zur tibetisch-burmesischen Sprachfamilie des sino-tibetischen Sprachstamms. Sie haben keine eigene Schrift, gewöhnlich gebrauchen sie Tibetisch. Die meisten von ihnen bekennen sich zum Tibetischen Buddhismus. Sie beschäftigen sich hauptsächlich mit der Landwirtschaft und verstehen sich gut auf die Bambusflechtarbeit. Männer tragen gern wollene ärmellose Jacken und Hüte mit Krempe aus Tierleder und Peddigrohren, während Frauen kurze Blusen mit engen Ärmeln und anliegende Röcke tragen. Ihre Hauptnahrungsmittel sind Mais und klebrige Hochlandshirse. Sie essen auch Reis und Buchweizen.

Hui Die meisten Hui, die heute in Tibet leben, sind Nachkömmlinge der Hui, die während der Qing-Dynastie von Gansu, Shaanxi, Qinghai, Sichuan und Yunnan hierher übergesiedelt waren. Ein kleiner Teil von ihnen kam von Zentralasien. Die meisten von ihnen leben in Lhasa, Xigaze, Qamdo und anderen Städten und beschäftigen sich hauptsächlich mit Handel, Handwerk und Schlachterei. Sie gebrauchen im Alltagsleben Tibetisch oder Chinesisch und in den religiösen Aktivitäten Arabisch und Urdu. Sie bekennen sich zum Islam und haben in Lhasa und an anderen Orten Moscheen gebaut.

Deng Deng werden im Allgemeinen als ,,Dengba“ bezeichnet, und die meisten von ihnen leben in neun Dörfern im Landkreis Zayü. Es gibt in China 1450 Deng-Angehörige. Sie sprechen ihre eigene Sprache, die zur tibetisch-burmesischen Sprachfamilie des sino-tibetischen Sprachstamms gehört. Sie haben keine eigene Schrift. Ihre Bekleidungen sind eigenartig. Frauen tragen silberne trompetenförmige Ohrringe und Perlenketten oder Silberschmucksachen um den Hals, während Männer schwarzes Kopftuch und Hackmesser an der Taille tragen. In den 1950ern lebten die meisten Deng auf abgeschiedenen Bergen mit uralten Wäldern am südlichen Fuß des Himalaya-Gebirges. Sie hielten die Abfolge bedeutsamer Vorkommnisse mit Holzkerben, Knotenschnüren oder Aufstellen von Holzstangen oder Baumzweigen fest. Sie führten die Brandwirtschaft ein. Später zogen sie in neue Wohnungen ein, die von der Regierung für sie gebaut wurden. So haben sich ihre Lebensbedingungen von Grund auf verbessert.

Sharpa Sie leben hauptsächlich in der Gemeinde Lixin in der Nähe der Grenzübergangsstelle Zham und im Distrikt Chentang des Landkreises Dinggye an der chinesisch-nepalesischen Grenze. Es gibt in China 1200 Sharpa. ,,Sharpa“ bedeutet in Tibetisch ,,Orientale“. Der Überlieferung nach kamen ihre Ahnen aus einem Ort in der Nähe des heutigen Songpan der Provinz Sichuan, der ,,Shar“ hieß. Sie haben ihre eigene Sprache, aber keine eigene Schrift. Sie gebrauchen die tibetische Schrift. Die Sharpa in Lixin sind in fünf Kasten und die in Chentang in zwei Kasten eingeteilt. Die Heirat zwischen den Angehörigen derselben Kaste ist verboten. Sie bekennen sich zum Buddhismus. Es gibt in Lixin und Chentang je einen Tempel. Sie beschäftigen sich hauptsächlich mit Ackerbau und Viehzucht. Ihre Hauptnahrungsmittel sind Mais, Kartoffel, klebrige Hochlandshirse, Buchweizen und Bohnen. Männer tragen weiße wollene Jacken mit kurzen Ärmeln und schwarzen Borten und einen bogenförmigen Messer an der Taille. Frauen tragen schwarze Roben und bunte Kleider mit langen Ärmeln, goldene Ohrringe und lange Zöpfe mit roten Schnüren.

Bevölkerung

Die Zentralregierung verfolgt gegenüber Tibet die Politik, die Zahl der Bevölkerung zu erhöhen und deren Qualität zu verbessern. Das Bild zeigt tibetische Bauern und Hirten, die sich einer Aufführung ansehen.

In der Geschichte hatte die Bevölkerung Tibets lange Zeit ein Minuswachstum zu verzeichnen und schrumpfte sogar ständig, weil Tibet häufig von Naturkatastrophen und Seuchen heimgesucht wurde und schlechte medizinische Bedingungen hatte und weil die Mönche und Nonnen, die einen ziemlich großen Anteil der Bevölkerung ausmachten, nicht heiraten und Kinder zeugen durften. Historischen Aufzeichnungen zufolge hatte die Bevölkerung Tibets vom 7. bis zum 18. Jahrhundert um 8 Millionen und vom 18. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts wiederum um 800 000 abgenommen.

Seit 1951, als Tibet friedlich befreit wurde, wächst die Bevölkerungszahl Tibets, besonders die Zahl der Tibeter, so schnell wie nie zuvor. In den letzten 54 Jahren lagen die Geburtenziffer und die natürliche Bevölkerungszuwachsrate Tibets über dem Landesdurchschnitt. Allein die Zahl der Tibeter hat um mehr als 1,5 Millionen zugenommen. Statistiken zufolge betrug die Gesamtzahl der Bevölkerung des Autonomen Gebiets Tibet Ende 2005 2,77 Millionen, eine Zunahme um 33 200 im Vergleich zu 2004. Die Geburtenziffer lag bei 17,9 Promille, die Sterblichkeitsziffer bei 7,2 Promille und die natürliche Bevölkerungswachstumsrate bei 10,7 Promille.

Von den Einwohnern Tibets wohnen 18,9 Prozent in den Städten und 81,1 Prozent in den Agrar- und Viehzuchtgebieten. Die Bevölkerung verteilt sich ungleichmäßig in Tibet, die meisten Einwohner leben im Süden und Osten Tibets, und zwar meistens in Flusstälern, während der Westen und Nordwesten Tibets wenig Einwohner haben.

Das Autonome Gebiet Tibet hat die kleinste Bevölkerung und ist am spärlichsten bevölkert unter Chinas Provinzen und autonomen Gebieten. Die Bevölkerungsdichte beträgt 2,26 Personen pro Quadratkilometer und nur ein Sechzigstel des Landesdurchschnitts. Die Lhasa-Ebene, der Mittel- und Unterlauf des Nyangqu-Ebene und die Zetang-Ebene haben etwa 50 Personen pro Quadratkilometer, in der Nähe des Bezirks Chengguan der Stadt Lhasa gibt es über 100 Einwohner pro Quadratkilometer. Die nächsten stark bevölkerten Gebiete sind der obere Abschnitt des Mittelaufs des Yarlung Zangbo-Flusses, der Oberlauf des Lhasa-Flusses und der nordöstliche Teil des Hengduan-Gebirges in Osttibet, wo es drei bis zehn Personen pro Quadratkilometer gibt. Lhaze, die Sygya-Ebene, das Tal des Nyang-Flusses in der Nähe von Nyingchi und das Tal des Langcangjiang-Flusses in der Nähe von Qamdo sind auch relativ dicht bevölkert. Der östliche Teil von Ngari und der westliche Teil von Nagqu sind weltweit am spärlichsten bevölkert. Dort beträgt die Bevölkerungsdichte nur 0,23 Personen pro Quadratkilometer. Das Changthang-Grasland, das im Nordwesten von Nagqu liegt, wird sogar als ,,Niemandsland“ bezeichnet. In der Vergangenheit traten nur einige Jäger im Sommer für eine ganz kurze Zeit in dieses Gebiet ein.

Das Autonome Gebiet Tibet ist ein am spärlichsten bevölkertes Gebiet mit der kleinsten Bevölkerung in China. Das Bild zeigt ein Dorf der tibetischen Nationalität im Serkyim La-Gebirge in Nyingchi.

Um ein zu schnelles Bevölkerungswachstum unter Kontrolle zu bringen, führt die chinesische Regierung seit Ende der 1970er eine Familienplanungspolitik durch und befürwortet, dass ein Ehepaar nur ein Kind hat. Aber in Tibet unterstützt die Zentralregierung stets die Regierung des Autonomen Gebiets, eine Politik der Erhöhung der Bevölkerungszahl und der Verbesserung der Qualität der Bevölkerung zu verfolgen. Die Regierung des Autonomen Gebiets Tibet hat den lokalen Verhältnissen entsprechend eine Sonderpolitik eingeführt. Sie verwendet die Ein-Kind-Politik nur auf die Han-Kader und -Arbeiter, die in Tibet arbeiten, und stellt diese Forderung nicht an die Kader und Arbeiter der tibetischen Nationalität. Seit 1984 befürwortet sie die Familienplanung unter den Kadern, Arbeitern und Stadtbewohnern der tibetischen Nationalität und ermutigt die Ehepaare, die ein zweites Kind haben wollen, ihr Vorhaben aufzuschieben. Jetzt praktizieren etwa 12 Prozent der gesamten Bevölkerung Tibets die Familienplanung. Die Familienplanung wird auf der Basis der Freiwilligkeit durchgeführt. Zwangsweise Abtreibung in irgendeiner Form ist verboten. Bauern und Hirten, die 88 Prozent der gesamten Bevölkerung des Autonomen Gebiets ausmachen, werden nicht aufgefordert, die Familienplanung durchzuführen. Aber sie werden im Sinne der wissenschaftlichen Empfängnisverhütungsmethoden, der rationalen Planung von Geburten, der Zeugung und Aufziehung von gesunden Kindern erzogen, um die Gesundheit der Mütter und Säuglinge zu schützen und die Qualität der Bevölkerung zu verbessern. Den Bauern und Hirten, die freiwillig Empfängnisverhütungsmaßnahmen ergreifen wollen, bieten die medizinischen Abteilungen der Regierung einen sicheren und zuverlässigen Gesundheitsdienst an.

Religion

Die Religion in Tibet besteht hauptsächlich aus dem Tibetischen Buddhismus, der Bön-Religion und der Volksreligion. Außerdem gibt es den Islam und den Katholizismus. Zurzeit hat das Autonome Gebiet Tibet über 1700 Tempel und Klöster des Tibetischen Buddhismus mit etwa 46 000 Mönchen und Nonnen; 88 Tempel und Klöster der Bön-Religion mit mehr als 3000 Mönchen, 93 Lebende Buddhas und über 130 000 Gläubige; vier Moscheen und über 3000 islamische Gläubige sowie eine katholische Kirche und mehr als 700 Gläubige.

Von der geographischen Verteilung her gesehen haben diese Religionen in den verschiedenen Gebieten Tibets unterschiedliche gesellschaftliche Einflüsse. Die Existenz der Volksreligion wird sogar von vielen Menschen außer Acht gelassen. Von der Klassifizierung der Religion her gesehen gehören der Tibetische Buddhismus und die Bön-Religion sowie der Islam und der Katholizismus zur theologischen Religion, während die Volksreligion keine systematische Theorie, keine eigenen Aktivitätsstätten und keine professionellen Gruppen von Geistlichen hat. Von ihren Wechselbeziehungen her gesehen verdrängen der Tibetische Buddhismus und die Bön-Religion seit langem einander, aber sie beeinflussen und infiltrieren auch einander. Diese Situation hat einen tiefgreifenden Einfluss auf die Bildung des Tibetischen Buddhismus und die Entwicklung der Bön-Religion. Beide haben auch viele Elemente der Volksreligion, wie z. B. die Anbetung mancher Gottheiten, in sich aufgenommen. Der Islam und der Katholizismus in Tibet haben zwar relativ wenig Gläubige und haben nur in einigen Gebieten einen Einfluss, aber sie kommen insgesamt gesehen mit dem Tibetischen Buddhismus und der Bön-Religion, die eine dominante Stellung haben, gut aus. Trotz der Einkreisung durch mehrere theologische Religionen hat die Volksreligion unter der Bevölkerung, besonders in den entlegenen Gebieten, einen bestimmten Einfluss.

Der Tibetische Buddhismus

Als der Tibetische Buddhismus im 7. Jahrhundert aus den zentralen Gebieten Chinas sowie Indien und Nepal auf das Tibetische Plateau gelangte, führte er einen langdauernden Kampf mit den Kräften der Bön-Religion, der einheimischen Religion Tibets, die damals in der Gesellschaft des Tubo-Reiches eine vorherrschende Stellung hatte. Im Laufe einiger Jahrhunderten nahm er viele Elemente und Formen der Bön-Religion in sich auf, um die eigene Existenz und Entwicklung zu sichern, sich in die lokale kulturelle und gesellschaftliche Umgebung einzugliedern und noch mehr Gläubige zu gewinnen. Beeinflusst von verschiedenen kulturellen Elementen in der Umgebung, besaß er allmählich lokale und nationale Besonderheiten und entwickelte sich zu einer Schule, die sich von dem Han-Chinesischen Buddhismus und dem balinesischen Buddhismus Yumbolhakang unterscheidet. Daher wird er als Tibetischer Buddhismus und im Volksmund als Lamaismus bezeichnet. Er hat eine große Anzahl von tibetischsprachigen kanonischen Schriften, inhaltsreiche Doktrinen, vollständige organisatorische Struktur von Tempeln und Klöstern, strenge Regeln und Rangordnung für das Studium der Sutras und ein einzigartiges Reinkarnationssystem der Lebenden Buddhas.

Alle Nationalitäten in Tibet erfreuen sich der Glaubensfreiheit. Das Bild zeigt die Lamas des Zhaxilhünbo-Klosters bei einer religiösen Zeremonie.

Nach langjähriger Entwicklung sind im Tibetischen Buddhismus viele Schulen, darunter die Nyingma-Sekte (Rote Sekte), die Sagya-Sekte (Streifige Sekte), die Kagyu-Sekte (Weiße Sekte) und die Gelug-Sekte (Gelbe Sekte), entstanden. Einige Schulen hatten in der traditionellen Gesellschaft und Kultur Tibets, ja in der Geschichte Chinas, eine großen und weitreichenden Einfluss. Die Gelug-Sekte, die Anfang 15. Jahrhundert von Zongapa begründet wurde, hat eine dominierende Stellung. Diese Sekte besteht aus zwei Reinkarnationssystemen der Lebenden Buddhas, nämlich der Dalai Lamas und der Panchen Erdenis.

Der Tibetische Buddhismus verbreitet sich hauptsächlich in Tibet und in den von Tibetern bewohnten Gebieten in Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan sowie in den von Mongolen, Tu, Yugu und Moinba bevölkerten Regionen. Auch in einigen anderen ethnischen Gruppen wie Naxi, Lhoba, Pumi und Han hat er Anhänger. Außerdem hat er in Bhutan, Nepal und der Mongolei sowie in einer Region von Russland einen historischen Einfluss in unterschiedlichem Grad.

In der Blütezeit des Tibetischen Buddhismus musste jede Familie mit mehreren Kindern mindestens ein Mitglied ins Kloster schicken, um Mönch oder Nonne zu werden. Das ist der Grund, warum die tibetischen Mönche und Nonnen nach dem 16. Jahrhundert ein Viertel der tibetischen Bevölkerung ausmachten. Im Jahr 1951, als Tibet friedlich befreit wurde, gab es in Tibet über 100 000 Mönche und Nonnen, die mehr als 10 Prozent der damaligen tibetischen Bevölkerung ausmachten. Nach der demokratischen Reform im Jahr 1959 führten die Tempel und Klöster Tibets eine Reform durch. Seitdem haben die Tibeter die Freiheit, Lamas zu werden, und die Lamas haben die Freiheit, ins weltliche Leben zurückzukehren.

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