GESCHICHTE

In den letzten Jahrzehnten vertiefte sich die tibetologische Forschung dank der fleißigen Arbeit der Wissenschaftler auf den Gebieten Geschichtswissenschaft, Anthropologie, Archäologie, Linguistik, Ethnologie und Genetik schrittweise, so dass viele Rätsel in Bezug auf die Vorgeschichte und die Urbewohner Tibets allmählich gelöst werden konnten. Aus der Untersuchung mehrerer erblicher Merkmale wie Blutgruppen und Proteine zogen die Genetiker den Schluss, dass die Han-Nationalität und die tibetische Nationalität gemeinsame Vorfahren haben. Die archäologische Untersuchung beweist, dass die vorgeschichtliche Kultur Tibets eine enge Verbindung mit der han-chinesischen Kultur im gleichen Zeitraum hatte. Aufgrund zahlreicher historischer Aufzeichnungen in Tibetisch und Chinesisch haben Historiker entdeckt, dass das Tibetische Plateau wirtschaftlich, kulturell und politisch immer eine enge Beziehung zum Landesinnern Chinas hatte.

7.-12. Jahrhundert

Anfang des 7. Jahrhunderts wurde die Tang-Dynastie (618-907), ein starkes politisches Regime, in den zentralen Gebieten Chinas gegründet, womit der chaotischen Situation und der Spaltung in diesen Gebieten, die über 300 Jahre gedauert hatten, ein Ende gesetzt wurde. In derselben Zeit vereinigte der Spurgyal-Stamm, der in Yarlung, einem Ort im heutigen Bezirk Shannan, stark wurde, die anderen Stämme und gründete das Tubo-Reich, das erste einheitliche Regime auf dem Tibetischen Plateau.

Die Piyang-Ruine ist eine wichtige Ruine des Guge-Reiches. Sie besteht aus mehr als 1000 Höhlen.

Durch zweimalige Eheschließung zwischen den kaiserlichen Familien des Tubo-Reiches und der Tang-Dynastie waren die Kontakte zwischen beiden Seiten häufiger geworden. Der politische, wirtschaftliche und kulturelle Austausch war umfassend und tiefgehend, und der Verkehr zwischen den Völkern entwickelte sich allseitig. Andererseits kam es unvermeidlich zu kulturellen Konflikten, wirtschaftlichen Streitigkeiten, politischen Auseinandersetzungen und sogar bewaffneten Kämpfen zwischen dem Tubo-Regime, das die Sklaverei praktizierte und mit militärischer Expansion vorging, und der Tang-Dynastie, die das Feudalsystem einführte und sich in der Blütezeit befand, und zwischen der nomadischen Kultur auf dem Plateau und der Agrarkultur in den zentralen Gebieten. Historisch gesehen führten die gegenseitige Beeinflussung und die gegenseitige Infiltration zwischen den verschiedenen Kulturen, der Ausbau des wirtschaftlichen Austausches, der heftige Konflikt auf politischem Gebiet und die allmähliche Annäherung der politischen Interessen dazu, dass der Kontakt zwischen der tibetischen Nationalität und den anderen Nationalitäten so eng wie nie zuvor war.

Frieden ist der gemeinsame Wunsch aller Nationalitäten. Das Tubo-Reich und die Tang-Dynastie hatten achtmal eine Allianz gebildet. Die heute noch vor dem Haupteingang des Jokhang-Klosters in Lhasa stehenden zwei Steintafeln - Steintafel für Tang-Tubo-Allianz und Steintafel für Onkel-Neffen-Allianz - sind nach der 8. Allianzbildung errichtet. Nach dieser Allianzbildung gab es zwischen den beiden Seiten keine Reibereien mehr.

Im Jahr 842 brachen die verschiedenen Widersprüche in der Gesellschaft des Tubo-Reiches plötzlich aus. In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts wurde das Herrschaftssystem des Tubo-Reiches durch die jahrelangen Kriegswirren und den anschließenden großangelegten Aufstand von Sklaven und einfachen Bürgern total zerstört, was dazu führte, dass viele lokale Separatregimes entstanden. In den späteren drei bis vier Jahrhunderten unterhielt die tibetische Nationalität enge Beziehungen mit den Regimes der Nördlichen Song-, der Südlichen Song-, der Xixia-, der Liao- und der Jin-Dynastie. Besonders nach dem 13. Jahrhundert ereignete sich in der Geschichte der tibetischen Nationalität eine Reihe wichtiger Zwischenfälle, die meistens mit der chinesischen Geschichte und der Umwandlung der chinesischen Nation in engem Zusammenhang stehen.

Yuan-Dynastie (1271-1368)

Im Jahr 1227 vernichtete das Mongolen-Reich das Xixia-Reich. Im Jahr 1247 vereinbarten Sakya Pandita, der Führer der Sagya-Sekte des Tibetischen Buddhismus, und der mongolische Prinz Godan in Liangzhou (heute Wuwei in der Provinz Gansu), dass sich Üs-Tsang (heute Lhasa, Xigaze und Ngari von Tibet) der Herrschaft des Mongolischen Khanats unterwarf und die Stammeschefs mit Amtstiteln belehnt werden sollten. Im Jahr 1271 benannte der mongolische Herrscher seine Dynastie in ,,Yuan-Dynastie“ um. So wurde Üs-Tsang eines der Verwaltungsgebiete, die der direkten Verwaltung der Zentralregierung der Yuan-Dynastie unterstanden, und gehört seitdem zum chinesischen Territorium.

Im Hinblick auf die Besonderheiten Tibets ergriff die Yuan-Dynastie für die Verwaltung Tibets eine Reihe politischer Maßnahmen von weitreichendem Einfluss.

Das Samyai-Kloster ist das älteste Kloster in Tibet und auch das erste Kloster der Nyingma-Sekte des Tibetischen Buddhismus.

- Einrichtung des ,,Zongzhi Yuan“ (Generalrat) (1288 wurde er in ,,Xuanzheng Yuan“ (Politischer Rat) umbenannt) als des Zentralorgans für die Verwaltung der Angelegenheiten Tibets. Der Kanzler übernahm das Amt des exekutiven Präsidenten des ,,Xuanzheng Yuan“, während ein vom ,,Kaiserlichen Tutor“ empfohlener Mönch das Amt des Vizepräsidenten bekleidete.

- Ernennung tibetischer Mönche und Laien als hochrangige Beamte auf zentraler bzw. lokaler Ebene. Im Jahr 1260 verlieh der Yuan-Kaiser, Kublai Khan, Pagba, einem hochgestellten Mönch der Sagya-Sekte, den Titel ,,Staatlicher Tutor“, der 1270 in ,,Kaiserlicher Tutor“ umbenannt wurde. Das war das höchste Amt der geistlichen Beamten in der chinesischen Geschichte. Von da an war ,,Kaiserlicher Tutor“ ein hoher Beamter in der Zentralregierung, der direkt vom Kaiser ernannt wurde. Er war verantwortlich für die buddhistischen Angelegenheiten des ganzen Landes und die lokalen Angelegenheiten von Üs-Tsang. Von da an wurden die Einrichtung bzw. Abschaffung der lokalen Verwaltungsorgane sowie die Ernennung bzw. Abberufung, Beförderung bzw. Degradierung und Belohnung bzw. Bestrafung der Beamten von Üs-Tsang von der Zentralregierung entschieden.

- Festlegung der administrativen Gliederung Tibets. Die Zentralregierung der Yuan-Dynastie hat drei Befriedungs-Kommissariate, nämlich das Üs-Kommissariat, das Tsang-Kommissariat und das Ngaris Korsum-Kommissariat eingerichtet und sie dem Xuanzheng Yuan unterstellt. Außerdem richtete sie in Üs-Tsang 13 ,,Zehntausend-Haushalte-Gemeinschaften“ und einige ,,Tausend-Haushalte-Gemeinschaften“ ein und erhob von ihnen Steuern. In Sasgya (heute Sa’gya), der Hauptstadt von Üs-Tsang, wurde ,,Dpan Chen“ eingerichtet, der den Befriedungs-Kommissariaten bei der Kontrolle über die ,,Zehntausend-Haushalte-Gemeinschaften“ helfen sollte.

Die Einrichtung der drei Befriedungs-Kommissariaten in der Yuan-Dynastie hat die Grundlage für die administrative Gliederung der tibetischen Siedlungsgebiete seit der Ming- und der Qing-Dynastie gelegt.

<1> <2> <3>


 
Adresse: BEIJING RUNDSCHAU Baiwanzhuanglu 24,
100037 Beijing, Volksrepublik China