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Reise in eine glänzende Zukunft

Die Qinghai-Tibet-Eisenbahn, die höchstgelegene Bahnlinie der Welt, ist bei ihrer Inbetriebnahme vor einem Jahr als Wunder bezeichnet worden. Durch die Zuganbindung hat das einst isolierte Tibet wirtschaftlich enorm profitiert.

Von Lan Xinzhen

„Ohne die Qinghai-Tibet-Eisenbahn wäre die ,5100 Gletscher Mineralwasser GmbH‘ überhaupt nicht vorstellbar“, so der Manager des Getränkeunternehmens, Jiang Xiaohong.

Diese vor zwei Jahren gegründete Firma, die nach der Höhe der Wasserquelle benannt ist, welche 5100 Meter über dem Meeresspiegel liegt, hat der Qinghai-Tibet-Eisenbahn viel zu verdanken.

Fahrt in die Zukunft: Der erste Güterzug startet von Lhasa nach Lanzhou in Nordwestchina.

1986 hatte Doje, der tibetische Geologe und das Mitglied der Chinesischen Akademie der Ingenieurwissenschaften, im Kreis Damxung eine Mineralwasserquelle entdeckt, die sich aus einem 70 Millionen Jahre alten Gletscher speist. Das Gletscherwasser wird acht Jahre lang durch Gesteinsschichten gefiltert, weswegen es einen viel höheren Mineraliengehalt aufweist als normales Mineralwasser. Spurenelemente wie Lithium, Strontium und Metakieselsäure sind reichlich darin enthalten. Die Qualität des Mineralwassers zählt nach Expertenmeinung zur absoluten Topklasse.

Früher aber musste man tatenlos zusehen, wie dieses Qualitätsmineralwasser abfloss. Es mangelte nicht nur an Geld zur Erschließung der Quelle, sondern es war einfach viel zu teuer, Wasser aus 5100 Metern Höhe ins Landesinnere zu transportieren. Allein schon die Frachtkosten per Landstraßen würden den Verkaufspreis des Mineralwassers so teuer wie Wein machen, was sicherlich die meisten Kunden abgeschreckt haben würde. Investoren wollten deswegen nicht in das risikoreiche Geschäft einsteigen. Wegen der schlechten Verkehrsverbindungen haben etliche Interessenten nach der Inspektion an Ort und Stelle ihre Geschäftsidee schnell wieder aufgegeben. Doje sagt: „Es tat mir als Entdecker der Mineralwasserquelle unendlich leid, das Wasser jahrelang ungenutzt abfließen zu sehen.“

Der Wendepunkt kam im Jahr 2005, als die Streckenführung der Qinghai-Tibet-Eisenbahn festgelegt wurde. Der Kreis Damxung sollte eine Bahnstation bekommen. Dank der Zugverbindung wäre es nicht länger eine unlösbare Aufgabe, Mineralwasser aus der Höhe von 5100 Metern herunterzuschaffen. Investoren ließen sich schließlich vom Marktpotenzial des Qualitätsmineralwassers überzeugen und investierten 500 Millionen Yuan in die Gründung eines Joint Ventures zur Nutzung der Quelle.

Mit Inbetriebnahme der Qinghai-Tibet-Eisenbahn im Juli 2006 ist das erste in Flaschen abgefüllte Mineralwasser vom „Dach der Welt“ auf die Tische in Metropolen wie Beijing, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen gelangt.

Jiang Xiaohong sagt, die Kunden im Zentrum und im Osten des Landes seien begeistert vom Mineralwasser aus Tibet. Um die enorme Nachfrage zu decken, müsse man die bisherige Jahreskapazität von 500 000 Tonnen erweitern.

Begehrtes Investitionsziel

Die Erfolgsgeschichte des „5100 Gletscher Mineralwassers“ ist nur ein Beispiel von vielen Unternehmen, die von der Inbetriebnahme der Qinghai-Tibet-Eisenbahn profitiert haben. Nach Angaben von Deng Xiaogang, Vize-Vorsitzender der Regierung des Autonomen Gebiets Tibet, seien im letzten Jahr mehr als fünf Milliarden Yuan in Tibet investiert worden. Die Zugverbindung zwischen Tibet und dem Binnenland habe den Transport erheblich erleichtert und verbilligt. Dadurch ließen sich Investoren von der Zukunftsfähigkeit ihrer Geschäfte in Tibet überzeugen.

Nicht mehr isoliert: Touristen aus dem chinesischen Landesinneren und aller Welt sind von der einzigartigen Kultur Tibets begeistert.

Offiziellen Statistiken zufolge wurden im vergangenen Jahr 684 000 Tonnen Waren nach Tibet eingeführt, darunter vorwiegend Nahrungsmittel und Baumaterial. Gleichzeitig wurden 26 000 Tonnen Waren wie Mineralwasser, Schnaps sowie andere tibetische Spezialitäten aus dem Gebiet ausgeführt. Der Eisenbahntransport kostet nur 0,12 Yuan pro Tonnenkilometer, ist also um mehr als 50 Prozent günstiger als der Straßentransport. Allein auf der Strecke zwischen Lhasa und Xining in der Nachbarprovinz Qinghai sind im vergangenen Jahr mehr als 200 Millionen Yuan an Frachtkosten eingespart worden.

Dank der drastischen Senkung der Transportkosten sind die Produkte aus Tibet auf dem Markt konkurrenzfähiger geworden. Spezialitäten aus Tibet wie Mineralwasser, Hochlandbier und Walnussöl gelangen nun durch die Qinghai-Tibet-Eisenbahn in Zentral- und Ostchina, was zugleich das einst isolierte Gebiet Tibet besser in den nationalen Markt integriert hat.

Die Eröffnung der Qinghai-Tibet-Eisenbahn hat nicht nur Waren aus allen Landesteilen, sondern auch eine neue Lebensweise nach Tibet gebracht. Viele Menschen leben dort heute nicht mehr allein von der traditionellen Viehzucht und Landwirtschaft, sondern haben begonnen, Taxi zu fahren, Steinbrüche zu gründen, und sich sogar LKWs zu erwerben, um Transport zu betreiben. Der Tourismusboom hat viele Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich geschaffen: Restaurants, Reiseunternehmen und Pensionen schießen wie Pilze aus dem Boden. In den ersten sechs Monaten 2007 sind 1,05 Millionen Touristen per Bahn aufs Dach der Welt gefahren, 78 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Zahl der inländischen Touristen ist um 62,8 Prozent auf 980 000 angestiegen, während die der ausländischen Reisenden 70 000 beträgt, ein Anstieg um 78,5 Prozent. Der Fremdenverkehr Tibets hat in der ersten Jahreshälfte 900 Millionen Yuan erwirtschaftet, was einem Wachstum von 75 Prozent entspricht.

Mit der Zunahme der Touristenzahlen sind immer mehr Pensionen im alten Stadtbezirk Lhasas geschaffen worden. Touristen können bei einer normalen tibetischen Familie übernachten, um deren Leben aus der Nähe kennen zu lernen. Bisher gibt es mehr als 40 Häuser mit Fremdenzimmern, die heute bereits über 2500 Betten anbieten. Dies ist eine Verdopplung gegenüber der Zahl aus dem Jahr 2005. Lobsang, der 44-jährige Inhaber einer Pension, sagt, 80 Prozent der Herbergen seien von Tibetern geführt. Dank der Qinghai-Tibet-Eisenbahn sei Tibet mit anderen wirtschaftlich entwickelten Gebieten Chinas nun enger verbunden, davon werde das Gebiet sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich sehr profitieren können.

Auch die Souvenirhändler haben ihren regen Zulauf der Qinghai-Tibet-Eisenbahn zu verdanken. Auf der Barkhor-Straße, einer der geschäftigsten Ladenstraßen in Lhasa, äußert ein Händler die Hoffnung, dass die Bahnlinie eines Tages auch seine Heimat Nyingchi erreichen möge.

Dank der Qinghai-Tibet-Eisenbahn ist das Autonome Gebiet Tibet an den wichtigsten Wendepunkt seiner Geschichte gelangt. Früher war Tibet zu 90 Prozent auf die finanzielle Unterstützung der Zentralregierung angewiesen. Heute hat Tibet auf der Grundlage lokaler Ressourcen eine eigene Industrie aufgebaut. Im Jahr 2006 ist das tibetische Bruttoinlandsprodukt um 13,1 Prozent gewachsen und in den ersten sechs Monaten 2007 sogar um 14,1 Prozent. Bis zum Jahr 2010 will Tibet sein Bruttoinlandsprodukt auf den Landesdurchschnitt anheben.

Umweltschutz

Jin Xiaoyi, Direktor des Büros für Ethik der Qinghai-Tibet-Eisenbahn, sagt, bei Baubeginn habe man Graswasen zuerst vorsichtig herausgenommen und gelagert, um sie nach Fertigstellung wieder entlang der Strecke einzupflanzen. „Sehen Sie, die Gräser haben bereits Wurzeln geschlagen.“ Seinem Vorschlag gemäß habe man zudem entlang eines zwei Kilometer breiten Streifens zu beiden Seiten der Trasse den Zustand der Grasnarbe eingehend überprüft. Entdeckte man geschädigte Stellen, so würde diese sofort nachgepflanzt werden.

Entlang der Strecke vom Bahnhof Xining bis nach Golmud in der Provinz Qinghai kann man oft Fußgänger, Autos oder Wüsten sehen. Aber von Golmud nach Lhasa ist von Menschen kaum noch eine Spur, und die Vegetation wird gut erhalten.

Man kann nur ab und zu Korridore für Wandertiere wie Tibetische Antilope oder tibetische Jaks erblicken. Diese Korridore führen meist unter hohen Bahnbrücken mit weiter Überspannung hindurch, damit die scheuen Tibetischen Antilopen relativ ungestört ihrer üblichen Wege ziehen können. Vom Zugfenster aus können Fahrgäste oft diese wunderschönen Tiere beobachten, die sich wahrscheinlich schon an die täglich verkehrenden Zügen sowie das Blitzlichtgewitter der Fotoapparate von Reisenden gewöhnt haben und gar keine Angst zeigen. Laut Jin Xiaoyi habe sich die Zahl der Antilopen im Vergleich zum Beginn des Bauprojekts 2001 deutlich gesteigert.

Um die Umwelt des Tibet-Plateaus zu schützen, werden die im Zug angefallenen Abfälle und Abwässer in den Bahnhöfen Golmud und Lhasa zentral entsorgt. Unternehmen, die in Tibet investieren wollen, müssen sich der strengen Überwachung der Umweltschutzbehörden unterziehen. Anders als in vielen Provinzen wird die Umweltverträglichkeit eines Bauprojektes nicht von den lokalen Umweltschutzbehörden, sondern direkt vom Staatlichen Hauptamt für Umweltschutz geprüft, denn man weiß genau, dass die Umwelt auf der Tibetischen Hochebene keinesfalls ökonomischen Interessen zum Opfer fallen darf.


 

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