Die Rechte und Stellung der tibetischen Frauen

Von Cering Como

Cering Como ist Tibeterin und wurde im August 1949 in Lhasa geboren. Seit Mai 1998 hat sie das Amt der Vizevorsitzenden der Frauenvereinigung des Autonomen Gebiets Tibet (FVAGT) inne. Von 1956-1962 besuchte sie die Lhasa-Grundschule Nr. 1 und von 1962 bis 1969 die Lhasa-Mittelschule. Dann arbeitete sie in einer Gemeinde bei Lhasa, von 1971 bis 1978 gab sie Unterricht in einer Mittelschule im Bezirk Ngari. 1978 wurde sie in die FVAGT versetzt, fungierte als Vizeleiterin und Leiterin der Abteilung für Organisation und Propaganda und Vizevorsitzende der FVAGT. Sie war ebenfalls Abgeordnete des Bezirkes Chengguan, Stadt Lhasa. 1998 wurde sie zur Delegierten des achten nationalen Frauenkongresses gewählt.

In unserem Land werden die Frauen als „die Hälfte des Himmels“ bezeichnet. Der Respekt vor den Frauen und der Schutz der Frauen sind wichtige Kennzeichen des gesellschaftlichen Fortschritts. Die Stellung der Frauen gibt die Moral und das Niveau der ethischen Ent- wicklung eines Landes, einer Geschichtsperiode und einer Gesellschaftsordnung wider.

Die Red.

Wie allen bekannt ist, existierte im alten Tibet eine Gesellschaft des feudalen Leibeigenhaltersystems der Integration von Macht und Religion. Die Stellung der Frauen war niedrig. Nach dem 13- und dem 16-Artikel-Kodex wurden die Menschen in drei Klassen und neun Stufen eingeteilt. Die Frauen zählten zur niedrigsten Klasse. Die weiblichen Leibeigenen und die weiblichen Sklaven, die 95% aller Frauen ausmachten, befanden sich in der untersten Ebene der Gesellschaft. Sie hatten weder Existenzrecht noch persönliche Freiheit und politische Rechte. Es heißt im tibetischen Kodex: „Man kann mit Frauen nicht über staatliche Angelegenheiten reden“, „Sklaven und Frauen dürfen nicht an militärischen und politischen Angelegenheiten teilnehmen“. Den tibetischen Frauen waren die Rechte auf Teilnahme an und Diskussion über politische Angelegenheiten und auf Erhalt von Bildung genommen.

Die werktätigen Frauen wurden in den Bereichen soziales Leben, Eheschließung, familiäres und religiöses Leben diskriminiert und ihre physische und psychiche Gesundheit wurde nicht geschützt. Seit der friedlichen Befreiung Tibets 1951, besonders seit der Einführung der demokratischen Reform, genießen die tibetischen Frauen in politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten, in der Gesellschaft und dem Familienleben die gleichen Rechte wie die Männer. Die FVAGT ist eine Frauenorganisation, die die Rechte und Interessen von Frauen vertritt und schützt, sich um die gleichberechtigte Behandlung der Frauen und Männer bemüht, erfolgreich arbeitet, gute Anerkennung findet und das Vertrauen der Frauen aus allen Branchen gewonnen hat.

Ich habe 20 Jahre lang für die Frauen gearbeitet. Meinen Fortschritt und Erfolg habe ich der Partei und der Regierung zu verdanken. Seit der friedlichen Befreiung haben die Frauen, die wie ich aus armen Hirtenfamilien stammten, in der gleichberechtigten und harmonischen Gemeinschaft des sozialistischen Vaterlandes Gelegenheit zum Studium erhalten und öffentliche bzw. leitende Ämter bekleidet.

Im August 1998 nahm ich an dem 8. nationalen Frauenkongreß teil und diskutierte mit den Vertreterinnen anderer Nationalitäten über den Fortschritt der Frauen im 21. Jahrhundert.

Ich freue mich über den Fortschritt der tibetischen Frauen. Bereits im Jahr 1952 richtete die Vertretung der Zentralregierung in Tibet ein Komitee für die Frauenarbeit und 1954 die Frauenvereinigung der Stadt Lhasa ein. 1960 fand die erste patriotische Frauenvertreterinnenversammlung des AGT statt und die Frauenvereinigung des AGT wurde ins Leben gerufen.

Seither beteiligten sich die tibetischen Frauen an der Verwaltung der staatlichen und sozialen Angelegenheiten. Die tibetischen Frauen genießen wie alle chinesischen Frauen die Rechte, die in der Verfassung verankert sind: Die Frauen „genießen in allen Bereichen des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens sowie des Familienlebens die gleichen Rechte wie die Männer“; „der Staat schützt die Rechte und Interessen der Frauen, führt das Prinzip des gleichen Lohns für gleiche Arbeit von Mann und Frau durch und sorgt für Heranbildung und Auswahl der weiblichen Kader“; „der Staat schützt die Ehe, die Familie und Mutter und Kind“ und „es ist verboten, die Freiheit der Eheschließung zu verletzen. Es ist verboten, alte Leute, Frauen und Kinder zu mißhandeln.“

Von 1965 an haben der Volkskongreß und die Volksregierung des AGT über zehn gesetzliche Bestimmungen und Vorschriften über den Schutz der Rechte und Interessen ausgearbeitet.  Der Schutz ist eine gemeinsame Pflicht der Gesellschaft. Am 18. August 1994 überprüfte der ständige Ausschuß des 6. Volkskongresses die „Methoden des AGT zur Durchführung des Gesetzes der VR China über den Schutz der Rechte und Interessen der Frauen“ und nahm sie an und legte konkrete Bestimmungen fest. Seit der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik haben wir gemäß der Erfordernis der schnellen Entwicklung aller Bereiche in Tibet den Schutz der legitimen Rechte und Interessen der Frauen und Kinder verstärkt. Sieben Bezirke und 65 Kreise und Städte haben Führungsgremien für Frauen- und Kinderarbeit eingerichtet und 44 Kreise „Das Entwicklungsprogramm für tibetische Frauen“ und „Das Entwicklungsprogramm für Kinderarbeit in den 90er Jahren“ ausgearbeitet.

Seit der friedlichen Befreiung Tibets 1959 haben die tibetischen Frauen an der Verwaltung der staatlichen und sozialen Angelegenheiten mitgewirkt. Mit der Beschleunigung der Demokratisierung des politischen Lebens haben die tibetischen Frauen ihr Niveau zur Teilnahme und Diskussion über politische Angelegenheiten gehoben. Ende 1999 betrug der Anteil der Funktionärinnen an der gesamten Zahl der Funktionäre/Funktionärinnen 31%. Der Anteil der weiblichen Mitglieder des Volkskongresses und der politischen Konsultativkonferenz an der Mitgliederzahl dieser Organisationen steigt an. 20,09% der Abgeordneten des 7. VK des AGT sind Frauen. Es gibt in Tibet 1342 Studentinnen, 38,93% aller Studenten/Studentinnen. 71,32% aller schulpflichtigen Mädchen besuchen die Grundschule. Mit der Verbesserung der Qualität und der Steigerung des Einkommens der Frauen werden die persönliche Freiheit und das Recht der Frauen verwirklicht. Die Rechte und Interessen der Frauen in den Familien werden weiter garantiert.

Die Volkskongresse aller Ebenen schenken dem Aufbau der Grundorganisationen der Frauen große Aufmerksamkeit. Es gibt in ländlichen und Viehzuchtgebieten 8160 Frauenorganisationen, in den Gemeinden und Ortschaften 972 Ortsvereine der FVAGT und in Dörfern und Einwohnerkomitees 7188 Ortsvereine des Frauenverbandes bzw. Frauengruppen. Ein beträchtlicher Teil der Funktionärinnen arbeitet in den Gemeinderegierungen und Dorfbewohnerkomitees.

Um das Niveau der Funktionärinnen der Frauenvereinigung zu heben, hat man „Das Programm der Frauenvereinigung während der Periode des 9. Fünfjahresplans“ ausgearbeitet. Alle Bezirke und Städte haben entsprechende Pläne und Maßnahmen ausgearbeitet. Bisher sind 42 Ausbildungskurse für 2264 Mitarbeiterinnen für Frauen- und Kinderangelegenheiten abgehalten wurden. Die Funktionärinnen der Ortsvereine der FVAGT erhielten eine Ausbildung.

Sechs Bezirke und Städte haben Frauen- und  Kinderzentren eingerichtet und Bedingungen für kulturelle Tätigkeiten geschaffen.

Jahrelang haben sich die tibetischen arbeitsamen, mutigen und klugen Frauen für die Reform und Öffnung und die sozialistische Modernisierung eingesetzt und wichtige Beiträge geleistet. Es ist eine Reihe von vorbildlichen Frauen wie Gui San, eine der zehn besten chinesischen Frauen, Deje Zuoga, eine der zehn besten chinesischen Arbeiter/Arbeiterinnen, und Dazhen, eine der zehn besten Grundschüler/Grundschülerinnen hervorgetreten.  Sie haben Selbstrespekt und Selbstvertrauen, an den Tag gelegt.

An der Jahrhundertwende haben die tibetischen Frauen zwar noch viele schwierige Aufgaben zu erfüllen, vor ihnen liegt jedoch eine glänzende Zukunft. Ich bin davon überzeugt, daß unter der Fürsorge des Parteikomitees und  der Regierungen aller Ebenen die tibetischen Frauen ein noch glänzenderes Kapitel schreiben werden.