Wettbewerb um den Einzelhandelsmarkt

Während ausländische Einzelhändler ihren Eintritt in den chinesischen Markt beschleunigen, setzen sich ihre chinesischen Gegenstücke beschleunigt für die Reorganisation ein, um mit der Herausforderung fertig zu werden.

Von Lan Xinzhen

In der ersten Hälfte von 2002 betrug Chinas gesamtes Einzelhandelsvolumen 1944,8 Mrd. Yuan, ein Anstieg um 8,6% gegenüber dem gleichen Zeitraum vorigen Jahres.

„Die rapide Entwicklung des Einzelhandelmarktes hat den Internationalisierungsprozess beschleunigt“, sagte Zhang Hanlin, Professor des WTO-Instituts der Universität für Internationalen Handel und Wirtschaft.

Mao Derong, Direktor der Abteilung für Außenwirtschaft der Staatlichen Wirtschafts- und Handelskommission, zufolge haben die vom Staatsrat genehmigten Handelsunternehmen mit Auslandskapital in den letzten zehn Jahren Auslandskapital in Höhe von 3 Mrd. US$ eingeführt. Über die Hälfte der 500 größten Einzelhandelsunternehmen der Welt wie Carrefour (Frankreich) und Wal-Mart (USA) ist inzwischen in China vertreten.

China hat versprochen, die Kontrolle über den Großhandel, den Agenturservice, Franchisegeschäfte und andere Marketingkanäle innerhalb von fünf Jahren nach seinem Beitrtt zur WTO allmählich zu reduzieren.

Erhöhung ausländischen Investments

In diesem Juli unterzeichneten zwei europäische Firmen ein Abkommen mit der Beijing National Library Logistic Co. Ltd., um das Jinsiji-Einkaufszentrum zu etablieren.

Der internationale Einzelhandelsgigant Wal-Mart sagte, dass sein erstes Geschäft in Beijing noch vor Jahresende eröffnet werde, was der erste Schritt seines Plans für die Einrichtung von vier Läden in Beijing sein werde. Wal-Mart hat bereits insgesamt 19 Läden in China.

Die japanische Firma Aeon gab bekannt, dass sie plane, bis 2006 70 Einzelhandelsgeschäfte in China einzurichten. Aeon hat bisher 12 Geschäftniederlassungen in China ins Leben gerufen.

Eine weitere japanische Firma, Ito-Yakado, hat drei Geschäftniederlassungen in China etabliert. Sie plant, mindestens sieben neue Geschäfte in Beijing einzurichten.

Carrefour hat seinen Plan, nach West- und Südchina zu expandieren, bekanntgemacht. Seinem Entwicklungsplan bis 2002 zufolge will es mehr Bemühungen um die Etablierung eines Ankaufsnetzwerkes in China unternehmen, und sein Netzwerk in Chinas großen und mittelgroßen Städten weiter ausbauen. In den kommenden zwei Jahren wird Carrefour fünf globale Ankaufszentren auf Chinas Festland etablieren und China zu seiner größten Ankaufsbasis in Asien machen. Sein Ankaufsumfang in China hat sich rasch von einer Mrd. US$ 2000 auf 1,2 Mrd. US$ 2001 erhöht. Auf der Grundlage des Ankaufsplans soll sein Jahresankaufsvolumen 3 Mrd. US$ erreichen, was zeigt, dass Carrefours Geschäfte auf dem chinesischen Markt florieren.

Professor Zhang Hanlin äußerte, dass Chinas Einzelhandelsmarkt bereits vor dem Beitritt des Landes zur WTO geöffnet worden sei. Beispielsweise sei Carrefour bereits im Frühjahr 1997 in China eingetreten. Nach Chinas Beitritt zur WTO hätten ausländische Einzelhandelsgeschäfte ihre Expansion beschleunigt.

Reorganisation inländischer Geschäfte

Der inländische Einzelhandelssektor will nicht im Schatten seiner ausländischen Rivalen stehen. Hua Zhou, Vorstandsmitglied der Shanghaier Hualian Supermarkt-GmbH, die Chinas größte Einzelhandelsfirma ist, gab bekannt, dass seine Firma die Anzahl ihrer Läden bis 2005 auf 5000 mit einem gesamten Jahresverkaufsvolumen von 60-70 Mrd. Yuan steigern werde. Die Hong Konger China Resources (Holdings) Co. Ltd. fusionierte die Wanjia-Supermarktkette, eine Einzelhandelsfirma in der Provinz Guangdong. Diese Firma hat mehr als 300 Supermärkte in Hong Kong, Suzhou, Beijing, Tianjin und anderen Städten eingerichtet. Der Eintritt ausländischer Einzelhandelsgeschäfte in China hat die Modernisierung inländischer Handelsunternehmen beschleunigt. Im Februar 2002 wurde die Beijing Xidan Hualian Supermarkt-GmbH ins Leben gerufen. Etwas später startete die Jingkelong Supermarkt-GmbH eine Reorganisation, indem sie das Aktiensystem einführte. Kürzlich hat die Beijing New Lufthansa Group Co. Ltd. ebenfalls ihre Reorganisation beendet.

Professor Zhang Hanlin wies darauf hin, dass die Umstrukturierung des inländischen Einzelhandelssektors darauf abziele, mit der Herausforderung und dem Wettbewerb aus dem Ausland fertig zu werden.

Ein Beamter der Beijinger Handelskommission sagte, dass die Stadtregierung multiple Finanzierungskanäle anwende, eine einheitliche Warenversorgung durchführe und Franchisegeschäfte entwickele; sie hoffe, eine regional- und branchenüberschreitende Ladenkettengruppe zu entwickeln, um ausländisches Kapital einzuführen und bekannte Marken zu pflegen; gleichzeitig seien Anstrengungen zum Durchbruch des lokalen Protektionismus und zur Steigerung der Kooperation mit inländischen und internationalen Handelsunternehmen unternommen worden, um die Konkurrenzfähigkeit Chinas Einzelhandelsunternehmen zu erhöhen.

Der Beamte sagte auch, dass nach der Umstrukturierung und Reorganisation eine Reihe von großen und einflußreichen Einzelhandelsunternehmen wie die Dong'an Group, die Xidan Youyi Commercial Group, die Shoulian Commercial Group, die Tiankelong Supermarket Co. Ltd. und die Wu-Mart Group entstanden sei. Ihr durchschnttliches Jahresverkaufsvolumen habe jeweils drei Mrd. Yuan überschritten.

Im ersten Halbjahr 2002 beendeten 75% aller Einzelhandelsunternehmen Chinas Reorganisationen, womit ebenfalls ihre Effizienz verbessert worden ist. Zhai Zhihong, Vizedirektor des Staalitchen Statistikamts, sagte, dass das Verkaufsvolumen aller inländischen Einzelhandelsunternehmen in der ersten Hälfte dieses Jahres 1333,96 Mrd. Yuan erreicht habe, 70% des Verkaufsvolumens aller Einzelhandelsunternehmen und ein Anstieg um 8,5% gegenüber dem gleichen Zeitraum vorigen Jahres.

Zukünftiger Markt

Li Xin, ein Beamter der Staatlichen Verwaltung für Industrie und Handel, ist der Ansicht, dass nach einer Analyse des Einflusses Chinas Beitritts zur WTO auf verschiedene Branchen, die allgemeine Bewirtschaftungssituation der Einzelhandelsunternehmen als gut zu bewerten sei. Große staatseigene Einzelhandelsunternehmen hätten hohe Gewinnraten beibehalten und eine führende Stellung in großen und mittelgroßen Städten eingenommen. Die meisten ausländischen Geschäftsleute legten ihren Investmentschwerpunkt auf große und mittelgroße ostchinesische Städte. Es sei notwendig, dass die zentralen und westlichen Gebiete Vorzugsmaßnahmen ausarbeiten, um ausländische Investoren anzuziehen.

Ökonome sind der Auffassung, dass Chinas Einzelhandelsmakt ein großer „Kuchen“ sei, der von in- und ausländischen Geschäftsleuten umworben werde. Ausländische Einzelhandelsunternehmen, die in China eingetreten seien, hätten die alte Marktstruktur durchbrochen und ihren Geschäftsumfang expandiert. Sie hätten chinesische Kunden mit ihren einzigartigen Produkten und Services, ihrem Informationsmanagement, ihrer Ladenkettenbewirtschaftung und ihrer einheitlichen Warenversorgung angezogen sowie einen heftigen Wettbewerb im Einzelhandelssektor herbeigeführt. Große Einzelhandelsunternehmen mit Ladenketten als ihrem primären Geschäftsmodell könnten ihre Überlegenheit bezüglich der Ankäufe von Produkten, der Festlegung der Preise und der Reduzierung von Kosten voll zur Geltung bringen. Dies werde zweifelsohne einen negativen Einfluß auf Chinas Einzelhandelsunternehmen mit einem kleinen Umfang und schlechtem Management ausüben.