Sich einen Ausweg bahnen

Mit einem gravierenden Rückgang der Zuschauerzahlen und wenig Aussichten auf Einbringung der Kosten macht die Filmindustrie des Landes große Anstrengungen, Veränderungen herbeizuführen, und sieht Hoffnung für eine neue Entwicklung.

Von Tang Yuankai

Die chinesische Filmindustrie setzte einst über 30 Mrd. Tickets pro Jahr ab, heutzutage gehen viele Chinesen jedoch nichts mehr ins Kino. Letztes Jahr stürzten die Einnahmen an den Kinokassen von ihrem Höhepunkt von mehr als 2 Mrd. Yuan auf 800 Mio. Yuan, peinlicherweise waren diese zudem vor allem Zuschauern von Hollywoodfilmen zu verdanken.

Einige soziale Probleme und Rückschläge in der Filmindustrie verursachten den Rückgang in den Zuschauerzahlen. Die Planwirtschaft, die die Einnahmen der chinesischen Filmindustrie garantierte, hat nun nach der Popularisierung von Fernsehprogrammen und dem Zustrom von internationalen Filmen zu einer zunehmenden Krise für die Industrie geführt. Obwohl einige chinesische Filme Preise bei internationalen Filmfestivals gewonnen haben und Regisseure wie Zhang Yimou und Chen Kaige weltbekannt geworden sind, erfreuen sich chinesische Filme aufgrund ihrer beschränkten Vision, veralteten Denkmuster, monotonen Themen, unzufriedenstellenden Inhalte und ihres niedrigen Budgets keiner großen Popularität.

Aufgrund des Mangels an einem marktwirtschaftlichen Bewusstsein betreiben viele Filmproduzenten die Produktionen nicht im Licht der Marktnachfrage, obwohl einige einsichtige Personen erkannt haben, dass es notwendig ist, die Industrie in den Markt einzubringen. Bevor ein Film produziert wird, sollten der Regisseur und der Produzent herausfinden, ob das Produkt dem Publikum zusagen würde, da diese Industrie nur durch den Markt entwickelt werden kann.

In diesem Jahr haben einige Regisseure Anstrengungen unternommen, die Industrie in den Markt einzubinden. Chen Kaige, Gewinner der Goldenen Palme der Internationalen Filmfestspiele von Cannes, und Zhang Yimou führten bei dem Film „Together“ bzw. dem Kungfu-Film „Helden“ Regie. Der unabhängige Filmemacher Zhang Yuan präsentierte seinen Film „I Love You“, die Adaption eines bekannten Romans. Der Regisseur Lu Chuan schaffte in seinem Debutwerk „The Missing Gun“ eine Balance zwischen Kommerz und Kunst. Andere Brancheninsider sind damit beschäftigt, bei Premieren in verschiedenen Städten in direkten Kontakt mit dem Publikum zu treten.

Viele Insider sind der Ansicht, dass bei Chens neustem Film die künstlerische Vision zugunsten des kommerziellen Erfolges zu kurz gekommen sei; ein Signal, dass viele Regisseure begonnen haben, dem kommerziellen Erfolg eines Films Bedeutung beizumessen. Die Kombination von versierten Regisseuren und kommerziellem Betrieb wird sicher große Auswirkungen auf den chinesischen Filmmarkt haben.

Unterdessen ist die chinesische Filmindustrie dabei, allmählich Finanzierungsprobleme abzuschütteln. Von den mehr als 80 Filmen, die letztes Jahr produziert wurden, waren 30 von der Century Hero Film Investment Co. Ltd., die von der China International Trust and Investment Corp. und der China Film Group Corp. gemeinsam gegründet worden war, finanziert worden. Sie investierte 150 Mio. Yuan innerhalb von 18 Monaten, produzierte Filme und Fernsehfilme, etablierte ein Kinonetzsystem und entwickelte Filmprodukte. Dies macht deutlich, dass kommerzielle Gruppen und Finanzinstitutionen mehr Interesse an der Filmindustrie zeigen, was die Entwicklung Chinas Filmmarktes sicher beschleunigen wird.

Unternehmen im Privatbesitz wie die Huayi Brothers and Taihe Film Investment Co. Ltd. (HTF) sind in den Filmmarkt eingestiegen und haben in eine Reihe von Filmen zum Chinesischen Neujahr, die unter Regieführung von Feng Xiaogang gedreht wurden, sowie in Chens großartiges Werk „Der erste Qin-Kaiser und ein Attentäter“ investiert. Anders als die Privatfirmen der 1980er, die begierig darauf waren, unverzüglich Gewinne zu machen, hat Huayi von Anfang an einen langfristigen Plan gehabt und ist stets marktorientiert vorgegangen. Beispielsweise wurden die Distributionsrechte von „The Missing Gun“ für die USA an Columbia Pictures für 1,5 Mio. US$ verkauft.

Die Beijing Bona Company, ebenfalls eine Privatfirma, ist einer der wichtigsten Filmverleihs in China. Sie hat viele Filme chinesischer Produktion, darunter „Together“, herausgegeben, was zu Kasseneinnahmen von insgesamt mehr als 60 Mio. Yuan geführt hat.

Ebenfalls zu erwähnen ist, dass das Recht für die Vorführung eines amerikanischen Films in China an eine Firma in Hong Kong verkauft wurde. Es ist das zweite Mal, dass die China Film Group Corp., die Chinas Filmexporte seit fast einem halben Jahrhundert monopolisiert, die Rechte eines ausländischen Filmes aus den Händen gab.

Die China Film Group Corp. bestätigte, dass dies ein Experiment neuer Filmherausgabemethoden sei. Insider äußerten sich optimistisch über die Universalisierung der Rechte in China.

Mit der Vertiefung der Marktwirtschaft und Chinas Beitritt zur WTO sind mehr ausländische Filme auf den chinesischen Markt gekommen, wodurch der Filmsektor des Landes wichtige und praktische Referenzen für seine Entwicklung erhalten hat, darunter in Bezug auf Produktionsstandards, Kunsttrends, Technologie und Betriebsmodi.

Ein lang erwartetes Kinonetzsystem wurde dieses Jahr in China mit Kapital als Verbindung zwischen Herausgabe und Vorführung geschaffen. Das System zielt darauf, großangelegte gemeinsame Operationen durch 31 Kinoketten zu verknüpfen und damit die ehemaligen Filmherausgabefirmen, die durch verschiedene administrative Gebiete unterteilt waren, zu ersetzen. Barrieren zwischen Filmproduktion und Marketing werden durchbrochen, womit eine solide Basis für den Marktwettbewerb gelegt wird. Unterdessen ist in mehr als 740 Kinos, deren Kasseneinnahmen 80% der des ganzen Landes ausmachen, der elektronische Ticketverkauf eingeführt worden. Dies hat nicht nur Falschangaben der Kasseneinnahmen unterbunden, sondern auch Material aus erster Hand für die Abteilungen zur Aufstellung der Richtlinien und Filmstudios geliefert.

Einige Filme, insbesondere gewinneinbringende ausländische, werden in vielen Kinoketten gleichzeitig gezeigt. Der Kommentator Chen Xiaoli bemerkte, dass die Kinoketten in einer kurzen Zeitspanne Profite machen könnten, aber „ein Markt ohne Aufteilung kann niemals voll entwickelt sein“.

Zheng Dongtian, Professor der Beijinger Filmakademie, ist davon überzeugt, dass durch die Aufteilung Filme verschiedener Genre ihr jeweiliges Publikum finden können. Seiner Meinung nach sollte der Markt in drei Bereiche aufgeteilt werden: Ein Markt für die ausländischen Kassenschlagerfilme; ein Markt für die chinesischen Unterhaltungsproduktionen und mittelmäßigen Filme und ein Markt für die chinesischen Kunstfilme.

Zhang Pimin, Vizedirektor des Amtes für Filmwesen der Staatlichen Hauptverwaltung für Radio, Film und Fernsehen, räumte ein, dass viele Kinoketten in China dem Markt nicht angepasst seien, aber mit der Entwicklung eines Filmmarktes würden viele Kinoketten restrukturiert werden. „Dann werden chinesische Filme kleineren Investments prosperieren.“

Zhang sagte, dass der Wert Chinas Filmeinnahmen in den kommenden 10 Jahren um das Zehn- bis Fünfzehnfache zunehmen werde. Gehe man von den Kasseneinnahmen des letzten Jahres aus, die 800 Mio. Yuan betragen hätten, gebe es reichlich Raum zur Entwicklung für die Filmindustrie, und die Einnahmen für chinesische Filmproduktionen würden entsprechend steigen.