Shanghai: Eine grüne Stadt aufbauen

Von Hu Xin

Shanghai entwickelt sich so rapide, dass der Stadtplan alle sechs Monate einmal verändert werden muss. Ein nicht zu übersehenes Phänomen ist, dass die Grünfläche Tag für Tag größer wird.

In der Vergangenheit rangierte Shanghai, was die Vegetationsfläche und die öffentliche aufgeforstete Fläche pro Kopf anbelangt, unter Chinas großen und mittelgroßen Städten an letzter Stelle. Im letzten Jahrzehnt, insbesondere in den letzten drei Jahren, hat sich die Grünfläche dieser Stadt in einem außerordentlichen Tempo erweitert. Die in den letzten drei Jahren neu entwickelten Grünflächen sind größer als die Gesamtzahl derjenigen, die in den vergangenen 50 Jahren entwickelt wurden. In der ersten Hälfte dieses Jahres legte Shanghai eine Fläche von 816 ha Grün an, ein Rekord in der Entwicklung der Landschaftsgestaltung der Stadt, 551 ha große Grünanlagen sind momentan im Bau befindlich.

Ende dieses Jahres wird die Pro-Kopf-Grünfläche in Shanghai 7 qm erreichen und die aufgeforstete Fläche wird 27% abdecken. Die Pro-Kopf-Grünfläche in Shanghai hat sich von Zeitungsgröße zu Zimmergröße erweitert, womit Shanghai die führende Rolle unter den großen und mittelgroßen Städten Chinas übernommen hat. Anfang September gewann Shanghai eine Auszeichnung der UNO für den „Beitrag einer Stadt zur anhaltenden Entwicklung“. Wie andere internationale Metropolen ist Shanghai dicht besiedelt, hat allerdings einen Weg für die Entwicklung von Grünanlagen gefunden.

Eine Gartenstadt

Der Daning-Lingshi-Park in bei Shanghai, ein ökologisches Landschaftsgebiet, wurde am 1. Mai der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der 680 000 qm große Park mit einer Gesamtinvestition von 1,24 Mrd. Yuan ist in einen Ost-, einen West- und einen Zentralabschnitt unterteilt. Ein 70 000 qm großer künstlicher See ist die Hauptattraktion im Ostabschnitt. Ein langer Korridor verbindet die drei Steinbrücken über den See. Um einen 3000 qm großen Strand zu schaffen, sind 3000 t feiner Sand von der Provinz Zhejiang hierher transportiert worden. Im Zentralabschnitt schlängelt sich ein Pfad durch Schilf zu einem Sumpfland, was dem Park eine natürliche Note gibt. Auf den Hügeln im Westabschnitt wachsen üppig Bäume, zwischen ihnen sind Pavillons, Wasserfälle, Höhlen und Springquellen zu sehen. Dieser Park ist lediglich eines der neu gebauten Landschaftsgebiete in Shanghai.

Die umgebenden Gebiete sind ebenfalls aufgeforstet worden, um die ökologische Umwelt, die Stadtlandschaft und die ökologische Vielfalt zu schützen, sie fungieren als eine Lunge und liefern der Stadt frische Luft. Die geplante Aufforstungsfläche in den umgebenden Gebieten beträgt 670 qkm, was 10% der gesamte Aufforstungsfläche in der Innenstadt überschreiten soll. Die 50 qkm große Hengsha-Insel in der Nähe der Mündung des Jangtse soll bis zum Jahr 2020 in eine ökologische Insel mit einer 90% bewaldeten Fläche entwickelt werden.

Mittlerweile werden Bäume entlang der 98 km langen äußeren Ringstraße gepflanzt, um so einen Schutzgürtel für die Stadt zu bilden. Dieses Projekt soll Ende dieses Jahres fertiggestellt und die Grüngürtel sollen in den kommenden Jahren auf 500 m Breite erweitert werden.

Shanghai plant, bis zum Jahr 2005 zu einer grünen Stadt, deren aufgeforstete Fläche 20% beträgt, zu werden. Von der Innenstadt soll man innerhalb von 500 m auf Grünanlagen treffen und im Vorortgebiet sollen vier große Themenparks gebaut werden. Im Jahr 2020 sollen 30% der ganzen Stadtfläche aufgeforstet und 35% begrünt sein.

Die vorhandenen Grünanlagen werden voll genutzt. Die Ziegelmauern, die einige öffentliche Institutionen umgeben, werden abgerissen bzw. durch Zäune ersetzt, um so freien Blick auf Grünflächen zu haben. Darüber hinaus sind bisher etwa 50% Shanghais Parks der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich gemacht worden, und ab Anfang nächsten Jahres sollen alle Parks keinen Eintritt mehr verlangen.

Shanghai hat große Anstrengung unternommen, um sich zu einer staatlichen Gartenstadt zu entwickeln, bisher haben mehr als 30 Städte des Landes diesen Titel gewonnen.

Wirtschaftseffizienz einbringen

Han Ling wohnt an der dicht besiedelten Haining-Straße in Shanghai. Seit der Fertigstellung der großen Grünanlage in der Sichuan-Beilu-Straße braucht ihre 70 Jahre alte Mutter nur fünf Minuten zu gehen, um dann im Grünen 40 Minuten lang Morgengymnastik zu machen. Zuvor musste diese alte Frau mit dem Bus fahren oder 20 Minuten laufen, um im Huangpu-Park ihre Übungen zu machen.

Die neuen Grünanlagen sind ein guter Ort für die freie Zeit. Rentner können hier miteinander plaudern oder Schach spielen, Kinder können hier laufen lernen, Touristen können hier Fotos machen und junge Paare können hier spaziergehen. Die Grünanlagen bringen den Bewohnern Shanghais viel Freude und Ausgleich.

Mehr als 1,35 Mio. Pflanzen, darunter 290 neue Spezies, die von anderen Orten eingeführt wurden, sind in Shanghai gepflanzt worden. Diese neuen Pflanzen machen mehr als ein Drittel der lokalen Flora in der Stadt aus.

Farbenprächtige Pflanzen haben nicht nur Shanghais grüne Nischen, sondern auch seine Öko-Umwelt verbessert. Jetzt kann sich Shanghai zu jeder Zeit blühender Blumen erfreuen. Die Straßenseiten sind nicht mehr nur von einer Baumsorte beherrscht, sondern Kampferbäume, Roßkastanien und Chinesischer Goldregen wechseln einander ab. Die Zelkova schneiderianas und Hibiskus können schädliche Gase und Ruß reinigen; andere Pflanzen werden in Zukunft schrittweise eingeführt werden.

In den Bezirken Huangpu, Luwan und Jing’an im Stadtzentrum, das eine Bevölkerungsdichte von 50 000 Menschen pro qkm hat, werden momentan Häuser abgerissen, um so Grünanlagen anzulegen, was eine teure Angelegenheit ist, da hier der Quadratmeter 12 000 Yuan kostet. Ist dies die hohen Kosten wert? Die Antwort kann in den steigenden umfassenden Wirtschaftseinnahmen gefunden werden.

Laut dem Shanghaier meteorologischen Institut fielen die durchschnittlichen Sommertemparaturen im Juli, August und September im 4,5 qkm großen Schnittstellengebiet der Bezirke Huangpu, Luwan und Jing’an nach der Fertigstellung der 2. Bauphase der großen Grünanlagen in der Yan’an- Zhonglu-Straße beträchtlich. Auch der „Heißinseleffekt“ und der Staub sind rapide reduziert worden. Die Umweltqualität dieser Zone hat den staatlichen Standard der 2. Klasse erreicht. Die Verbesserung der Öko-Umwelt bringt zudem neue Wirtschaftseffizienz. Die Zonen in der Nähe von Grünanlagen sind die ersten, die profitieren, insbesondere viele Wohnungblocks, die einst verschmäht wurden, sind jetzt sehr beliebt. Das Bauprojekt Zhongchen-Mansion am Gucheng-Park, das einst unterbrochen worden war, wurde vor kurzem zu einem Preis von 140 Mio. Yuan akzeptiert. Die Grünanlagen treiben auch den Tourismus und den Handel voran. Ein Wanderweg entlang der Grünanlagen Shanghais wird geplant. Die Grünanlagenprojekte haben jährlich 20 000 Arbeitslätze geschaffen und der Entwicklung der Jungpflanzenzucht und die Grünanlageninstandhaltung sowie anderen Branchen große Impulse gegeben.

Bewußtsein erhöht

Was ist ein gutes Geburtstagsgeschenk? Nach sorgfältigen Studien des Kunstinstitutes der Shanghaier Universität war die Antwort, einen Baum zu pflanzen. Die Idee rührte von den freiwilligen Baumpflanzaktivitäten her, die seit einigen Jahren in Shanghai erfolgreich vorgenommen werden. Von den Teilnehmern wird gefordert, auf eigene Kosten Baumsetzlinge zu kaufen, diese zu pflanzen und dann zu pflegen. Jeder junge Baum kostet nur etwa 30 Yuan, dieses Geburtstagsgeschenk ist etwas besonders und bedeutungsvoll, und kann sowohl die Organisatoren als auch die Empfänger zufriedenstellend.

Das Bewußtsein der Einwohner Shanghais für den Schutz von Grünanlagen und die Unterstützung der Begrünung ist erhöht worden.

Jiang Lihong arbeitet seit sieben Jahren bei der Summertime Hotline. Ihm zufolge beschwerten sich in der Vergangenheit viele über die Zerstörung von Grünanlagen, diese Beschwerden sind in diesem Jahr jedoch um 14% gesunken. Die Bürger schenken jetzt der Qualität von Grünanlagen größere Aufmerksamkeit, wie der Erweiterung von Grünanlagen, der Verstärkung deren Verwaltung und deren regelmäßiger Instandhaltung. „Dies spiegelt die Verbesserung der Qualifikation der Stadtbewohner und die Stärkung ihres Bewußtseins für den Schutz von Grünanlagen wider“, sagte Jiang.

In den letzten Jahren haben die zuständigen Abteilungen jeden Frühling Beratungen hinsichtlich des Grünanlagenschutzes organisiert. An einem Morgen im letzten Frühling veranstalteten nahezu 10 000 Arbeiter für Grünanlagen, Rentner und Künstler Beratungen hinsichtlich des Grünanlagenschutzes in mehr als 20 Grünanlagen, darunter der Jing’an-Park, der Huaihai-Park, der Xujiahui-Park und die Taipingqiao-Grünanlage. Dabei wurden verschiedene Bilder über den Umweltschutz, Pflanzungsmethoden, die Verhütung von Pflanzenkrankheiten und Insektenbefällen in den öffentlichen Grünanlagen und die Bedeutung des Schutzes ausgestellt. Zahlreiche Stadtbewohner profitierten von dieser Aktivität.