Wenzhou: Blühende Privatunternehmen

• Ein internationalisiertes Kontingent an hochrangigen Managern;

• Verkaufsstellen, die weltweit mehr als 50 Länder und Regionen abdecken;

• Exportwaren machen über 90% der lokalen Produkte aus.

Von Lan Xinzhen

Die chinesische Messe für Produkte der Leichtindustrie 2002 fand vom 12. bis zum 17. Oktober in Wenzhou, Provinz Zhejiang, statt. Obwohl die Messe Unternehmen aus mehr als 20 Ländern und Regionen angezogen hatte, bildeten die lokalen Privatunternehmen, die 1031 der 1224 Stände angemietet hatten, das Glanzlicht dieser Messe.

Die Anzahl ihrer Stände bei einem derartigen internationalen Ereignis habe den Status der lokalen Privatunternehmen in der Leichtindustrie voll bewiesen, sagte Chen Shineng, Präsident des Chinesischen Leichtindustrie-Verbandes.

Laut Qian Xingzhong, dem Bürgermeister von Wenzhou, gibt es momentan mehr als 400 000 Wenzhouer, die in Übersee Fabriken oder Unternehmen betreiben. Sie haben in mehr als 50 Ländern und Regionen weltweit mehr als 15 000 Fabriken und Verkaufsstellen etabliert, und ihr Gesamtinvestment in Übersee beträgt 105 Mrd. US$.

„Wenzhous Privatunternehmer sind sich der Notwendigkeit voll bewußt, bei der globalen Arbeitsteilung und Zusammenarbeit im Herstellungsbereich mitzuwirken“, sagte Qian, „durch die Errichtung von Produktions- und Verarbeitungsbasen, Rohstoffbasen, Verkaufsstellen und Forschungs- und Designzentren in Übersee haben sie die Konkurrenzfähigkeit der lokalen Produkte gestärkt sowie deren Marktanteil am internationalen Markt erhöht.“

Privatunternehmen entstanden in Wenzhou Anfang der 1980er und zwar in Form von Haushaltswerkstätten. Einige Jahre später begannen diese kleinen Werkstätten, sich zusammenzuschließen, und schlugen landesweit als erste den Weg hin zu einer kooperativen Aktienwirtschaft ein.

Anfang der 1990er begannen die Wenzhouer Privatunternehmen ihr Augenmerk auf überseeische Märkte zu richten. Während andere Lokalitäten mit allen Kräften Auslandskapital anwarben, gingen die Wenzhouer Geschäftsleute ins Ausland, um dort Unternehmen zu gründen und Märkte zu erobern.

Zheng Guohua, Generalmanager des Ouhai-Leichtindustrieparks in Wenzhou, sagte, dass im Vergleich mit der kleinen Menge ausländischen Investments in die Stadt die Anzahl der lokalen Privatunternehmen, die im Ausland Investmentprojekte laufen hätten und in den internationalen Markt eingetreten seien, riesig sei.

Wirtschaftswissenschaftler haben den Entwicklungsweg dieser Stadt als das „Wenzhou-Modell“ bezeichnet.

Delixi, das ursprünglich eine im Jahr 1984 gegründete kleine Werkstatt für die Herstellung von Thermorelais war, ist jetzt eine Unternehmensgruppe, deren Produkte elektrische Hoch- und Niedrigspannungsapparate, Meßinstrumente und -geräte, elektrische Anlagen und Software umfassen. Sie ist ebenfalls in den Finanz-, den Handels- und den Dienstleistungssektor eingetreten, und hat in über 40 Ländern und Regionen der Welt mehr als 600 Verkaufsstellen etabliert.

Die Aokang-Gruppe, das größte Lederschuhunternehmen in Wenzhou, wurde erst vor 10 Jahren gegründet. Ihre Produkte sind mittlerweile in über zehn Länder und Regionen, darunter Italien, die USA und Australien, exportiert worden.

Wenzhou rangiert in den Bereichen Lederschuhe, Bekleidung, Brillen, Feuerzeuge, elektrische Rasierapparate, Füller, Schlösser und elektrische Niedrigspannungsapparate landesweit an erster Stelle. Der Exportanteil beträgt 90% der lokalen Produkte, die einen bemerkenswerten Anteil auf dem internationalen Markt eingenommen haben.

In den vergangenen Jahren sind mehr als 4000 Privatunternehmen in Wenzhou durch eine heftige Konkurrenz um internationalisierte Fachkräfte gegangen. Ausländische Experten machen momentan 65% des Managements aus. Vor drei Jahren stellte die Aokang-Gruppe zwei italienische Designer mit einem Jahresgehalt von jeweils 1 Mio. Yuan (130 000 US$) ein. Bisher hat diese Unternehmensgruppe mehr als 100 überseeische professionelle Mitarbeiter in den Bereichen Produktion, Design und Marketing gehabt. In der Delixi-Gruppe ist ein Australier für die Routineproduktion und -operation verantwortlich, und alle ihre Auslandsniederlassungen haben einheimische Einwohner eingestellt.

„Die Einführung einer Anzahl ausländischer Experten ist ein Muss für unseren Fortschritt auf dem internationalen Markt“, erklärte Wang Zhentao, Generalmanager der Aokang-Gruppe. „Sie können uns nicht nur fortschrittliche Designtechnologien und Managementerfahrungen, sondern auch westliche Ideen und Arbeitsmethoden bringen. Ihre Berufsqualifikation und ihr Bewußtsein für internationale Konkurrenz können zudem die lokalen Arbeiter und Angestellten unseres Unternehmens beeinflussen und animieren, sich weiter zu entwickeln.“

Die Fortschritte Wenzhous Privatunternehmen haben weltweit in leichtindustriellen Kreisen Aufmerksamkeit erregt. Während der Messe im Oktober nahm eine Anzahl von Top-Handelsgiganten, darunter Wal-Mart, Carrefour, Metro und Chia Tai, mit diesen Kontakt auf und veranstaltete ein Symposium zur Darlegung ihrer jeweiligen Kaufprogramme. Am 14. Oktober 2002 richtete das chinesische Landesbüro des UNO-Förderungssystems für technische Informationen sein Wenzhou-Zentrum ein, womit es offiziell sein Kaufsystem entwickelte.

Unter den ausländischen Handelsgiganten hat besonders Wal Mart von der Kooperation mit Wenzhous Privatunternehmen profitiert. Auf der 2. Internationalen chinesischen Messe für Schuhe und Lederprodukte in Wenzhou, die im April 2001 stattfand, stellte ein Wal-Mart-Verantwortlicher heimlich eine Untersuchung von lokalen Schuhfarbiken an und bestellte dann 350 000 Paare Schuhe von den Firmen Taima und Dasen. Dieses Jahres ging Wal-Mart noch weiter und bestimmte Wenzhou als eine seiner Kaufbasen in China.

Die italienische Provinz Prato hat nur eine Bevölkerung von 250 000 Menschen, darunter sind 30 000 Geschäftsleute aus Wenzhou. Mit einem tiefgehenden Interesse an dieser chinesischen Stadt leitete Danlele Mannocc, Gouverneur dieser Provinz, persönlich eine Delegation, um an der Messe für Produkte der Leichtindustrie im Oktober teilzunehmen. Er begrüße das Investment von Wenzhous Geschäftsleuten in seine Provinz, sagte Mannocc, Prato sehe gerne noch mehr Partner.

„Die Anerkennung Wenzhous vonseiten internationaler Handelsgiganten zeigt deren positive Haltung gegenüber den hiesigen lokalen Produkten“, sagte Li Qiang, Sekretär des Parteikomitees der Stadt Wenzhou. „Die Stadt hat sieben landesbekannte Warenzeichen, vier Markenprodukte des Landes und 18 prüfungsfreie Produkte, drei der 10 Top-Schuhunternehmen des Landes und fünf der 10 Top-Schloßunternehmen. Produkte von mehr als 40 Kleidungsunternehmen haben die Qualitätsnorm des Landes erreicht. Diese Errungenschaften haben eine solide Grundlage für ihren Fortschritt auf dem internationalen Markt gelegt.“

Dank der blühenden Privatwirtschaft hat Wenzhou in den vergangenen Jahren viele Ehrentitel erhalten, darunter den Ruf die „Heimat von Schuhen, elektrischen Geräten, Metallfeuerzeugen, elektrischen Rasierapparaten, Druckereien, Brillen, Pumpenventilen und Kunststofffolien“ zu sein. Am 12. Oktober wurden dieser Stadt vom Chinesischen Leichindustrie-Verband drei weitere Ehrentitel, nämlich die „Heimat von Schlössern, Füllern und Lederprodukten“, verliehen.

Um Wenzhou in ein internationales Zentrum der Leichtindustrie zu verwandeln, dafür habe die Stadt noch einen weiten Weg vor sich, da ein Drittel ihrer Privatunternehmen gegenwärtig noch vom internationalen Markt isoliert sei, äußerte Li. „Wir werden den Schwerpunkt auf die Einführung fortschrittlicher Technologien und von Managementerfahrungen aus dem Ausland legen, um die Konkurrenzfähigkeit der Privatunternehmen zu stärken und diesen zu helfen, ins Ausland zu gehen“, so Li.

Wenzhou hat politische Maßnahmen zur Förderung der Entwicklung industrieller Unternehmensgruppen ausgearbeitet, um so Privatunternehmen zu ermutigen, traditionelle Branchen mithilfe von High-Tech umzugestalten, den Aufbau ihrer Produktionsbasen zu intensivieren, den Input für die wissenschaftlich-technische Forschung aufzustocken und weiter Markenprodukte zu schaffen. Die Stadtregierung hat entschieden, den Aufbau von zusätzlichen städtischen Einrichtungen zu beschleunigen. Im 10 qkm großen Ouhai-Leichtindustriepark sind bisher eine Schlösser- und eine Brillenproduktionsbasis etabliert worden, während eine Lederproduktionsbasis im Südteil der Stadt entstanden ist. Ein städtisches Bauprogramm mit einer Investition von mehr als 20 Mrd. Yuan ist momentan in der Implementierung befindlich. Am 14. Oktober wurde das Chinesische Institut für Leichtindustrie in Wenzhou eingeweiht.