Die Software-Industrie: Die internationale Kooperation ausbauen

Mit zunehmender internationaler Kooperation werden die chinesischen Software-Unternehmen Seite an Seite mit ihren weltweiten Counterparts prosperieren.

Von Tang Yuankai

Obwohl sie sich über die Produktpiraterie auf dem chinesischen Markt beschweren, haben viele weltbekannte Software-Unternehmen den chinesischen Markt für zukünftige Geschäftsexpansion anvisiert.

Seit Juni 2002 hat eine Reihe von internationalen Spitzen-Software-Firmen ihren Wunsch geäußert, mit ihren chinesischen Counterparts zu kooperieren.

Am 14. Juni gab ein leitender Angestellter von Novell China in Beijing bekannt, dass die Firma verschiedene neue Geschäftsunternehmungen in China initiieren werde, wobei Netzwerklösungen und Katalogdienstleistungen im Brennpunkt stehen würden.

Am 18. Juni verkündete die Tata Consultancy Services (TCS) of India, eine der größten Software-Firmen Asiens, die Eröffnung ihrer ersten Niederlassung in China, der Tata Information Technology (Shanghai) Co. Ltd., im Pudonger Software-Park in Shanghai und ihre Absicht, dort ein Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationslabor zu bauen. Tatas Präsenz in China wird aus drei Niederlassungen in Shanghai, Beijing und Hangzhou bestehen. Die Filiale in Beijing wird mit dem Marketing, der Öffentlichkeitsarbeit und dem Kundendienst für Nordost- und Nordwestchina betraut sein. In Hangzhou wird ein großes Forschungs- und Entwicklungszentrum gegründet werden, das in das globale Forschungs- und Entwicklungssystem des Unternehmens eingebunden werden wird, um so Service und Unterstützung für den chinesischen und den internationalen Markt zur Verfügung zu stellen.

Etwa 15 Software-Firmen aus Indien (darunter zwei der vier größten Indiens) haben „Software-Parks“ oder Geschäftsbüros in China etabliert und Verträge mit wichtigen Kunden wie der Huawei Technologies Ltd. und der China UNICOM unterzeichnet.

Ebenfalls im Juni gab ein Vertreter der amerikanischen Oracle Corp. in Beijing zu verstehen, dass das Unternehmen seine asiatisch-pazifische Hauptzentrale von Hong Kong nach Beijing verlegen und Forschungs- und Entwicklungszentren in Beijing und Shanghai einrichten werde. Oracle hat weltweit nur drei derartige Institutionen etabliert.

Auf der 6. Internationalen China-Software-Messe in Beijing letzten Juni erklärte der neue Motorola (China)-Präsident Tim Chen, dass das Unternehmen in den nächsten fünf Jahren 900 Mio. US$ investieren werde, um Motorolas China-Software-Zentrum zu einer Forschungs- und Entwicklungsbasis auf Weltniveau und einem „Software-Giganten“ in China aufzubauen.

Normalerweise große Unternehmen am obersten Ende des Marktes fokussierend gab Europas größte Software-Firma SAP Software System Co. Ltd. bekannt, dass sie die Kooperation mit chinesischen Software-Firmen intensivieren werde, um am unteren Ende in den Markt einzudringen.

IBM, das unter den chinesischen Kunden für seine Haupt-Software-Markennamen wie WebSphere, DB2, Tivoli und Lotus bekannt ist, hielt am 13. September letzten Jahres eine Pressekonferenz in Beijing ab. Zuvor hatte die Firma im Mai in Guangzhou  ihren Plan bekannt gegeben, ein Software-Personalkontingent von 100 000 Personen in China heranzubilden, wobei ein Investment von fast 100 Mio. US$ involviert sein wird.

Japan ist der zweitgrößte Konsument von Software-Produkten und -Services weltweit. Viele japanische Unternehmen sind von Chinas riesigen Reserven an Software-Personal beeindruckt und davon überzeugt, dass die Ähnlichkeiten in der chinesischen und japanischen Schriftsprache für ihre Kooperation von Vorteil sein kann. Die Justsystem Co. Ltd. aus Japan gab zu verstehen, dass die zukünftige Kooperation zwischen der japanischen und der chinesischen Software-Industrie neben der Produktentwicklung auf niedriger Ebene mit dem Schwerpunkt Programmierung auf die Produktentwicklung auf höherer Ebene und die kooperative Forschung ausgeweitet werden könnte.

Nach Chinas WTO-Beitritt sieht sich Chinas Software-Industrie, wie viele andere chinesische Branchen auch, den Gelegenheiten der weiteren Öffnung nach außen und der weiteren Teilnahme an der internationalen Kooperation gegenüber. Im Zuge der Anerkennung seines riesigen Marktpotentials vonseiten immer mehr internationaler Investoren befindet sich Chinas Software-Industrie an einem günstigen Zeitpunkt für die Verbesserung des Austausches und der Kooperation mit internationalen Spitzen-Software-Firmen.

Am 26. Juni wurde das größte ausländische Kooperationsprojekt in Chinas Software-Industrie gestartet. Die chinesische Staatliche Entwicklungs- und Planungskommission (SDPC) und die amerikanische Microsoft Corporation unterzeichneten ein Verständigungsmemorandum über die Stärkung der Kooperation in der Software-Industrie. Dem Memorandum zufolge unterstützt die SDPC Microsofts Start von Bündelkooperationsprojekten mit chinesischen Unternehmen, wissenschaftlichen Forschungsinstituten, Institutionen der höheren Bildung und staatlichen industriellen Software-Basen in Sachen Export, Investment, Personalausbildung und technische Entwicklung, wobei eine Gesamtinvestition von mehr als 6,2 Mrd. Yuan involviert ist.

Im Memorandum verspricht Microsoft für Chinas Software-Export und -Personalausbildung Unterstützung zu liefern. Es verspricht ebenfalls, seinen Software-Quellencode mit der SDPC und die von der SDPC nach Verhandlungen empfohlenen kooperativen Schlüsseleinheiten zu teilen, sobald diesbezügliche Verträge unterzeichnet worden sind. Dies wird das erste Mal in der Geschichte von Microsoft sein, dass das Unternehmen seinen Software-Quellencode an ein anderes Land weitergibt.

2002 ist Chinas erstes Jahr als ein WTO-Mitglied gewesen. In Übereinstimmung mit seinen WTO-Verpflichtungen hat China bereits die Tarife für IT-Produkte auf Null gesetzt. Dies hat für die weitere Öffnung der chinesischen Software-Industrie günstige Bedingungen geschaffen und eine solide Grundlage für die Vertiefung deren langfristiger Kooperation mit internationalen Software-Unternehmen gelegt.

Chinesische Unternehmen besitzen gewisse Vorteile in Bereichen einiger Anwendungs-Software und von Middleware und zwar mit Technologien und Produkten, die auf die Nachfrage des chinesischen Marktes abgestimmt sind. Experten sind der Ansicht, dass die chinesischen Software-Firmen für die weitere Verbesserung ihres technologischen Niveaus und die Stärkung ihrer Marketingkapazitäten ihren Horizont erweitern, ihre Entwicklung anhand der international gebräuchlichen Standards messen und ihre Rollen in der Kooperation aus einer internationalen Perspektive wählen müssten.

Wang Zhidong, Generalmanager der Beijing Dianji Technology Co. Ltd. äußerte, dass die chinesischen Software-Firmen in der gegenwärtigen Marktlage und dem geöffneten Umfeld verschiedene fortschrittliche Technologien und Produkte gemäß des Prinzips des fairen Wettbewerbs einführten sollten, um Chinas Anwendung der Informationstechnologie zu beschleunigen. „Eine derartige internationale Kooperation ist für ein Umfeld des internationalen Wettbewerbs in Chinas Software-Markt günstig. Nur in einem derartigen Umfeld kann Chinas Software-Industrie wahrhaftig heranreifen“, sagte er.

In den letzten Jahren haben chinesische Unternehmen in der IT-Industrie, darunter Software-Firmen, Bemühungen unternommen, die globalen IT-Entwicklungen zu studieren, und ihre Konkurrenzfähigkeit durch die Teilnahme am internationalen Wettbewerb verbessert.

Als eines der ersten chinesischen Unternehmen, die das Beglaubigungszertifikat ISO 9001 erhielten, hat sich die CVIC Software Engineering Co. Ltd. (CVIC SE), gegründet 1991, der Entwicklung von Anwendungs-Software und von IT-Anwendungen für die Bereiche Finanzen, Kommunikation, Medien und Verwaltung gewidmet. Sie hat das Feld der Basis-Software wie der Middleware und Netzwerksicherheit, erforscht und mehr als 40 Sets von urheberrechtlich geschützten Anwendungen und Support-Software entwickelt und Produkte und Dienstleistungen für über 60 000 Kunden in ganz China geliefert.

Um die internationale Kooperation zu fördern, hat die Firma Büros in Los Angeles, Sydney und im kanadischen Rigena eingerichtet, die die jüngsten Technologie- und Marktinformationen für die Entwicklung des Unternehmens liefern.

2002 hat die CVIC SE eine exportorientierte Entwicklungsbasis in Kunshan, Provinz Jiangsu, eingerichtet, womit ihre Restrukturierung in eine Unternehmungsgruppe einhergeht. Die Firma führt ebenfalls ein Bestätigungsmodell für die Leistungsreife und mehr Expertise im Projektmanagement ein, um ihre Qualitätsmanagementfähigkeit in der Software-Entwicklung weiter zu stärken. Sie hat Adesh Jain, Vizepräsident der International Project Management Association (IPMA) und andere namhafte Projektmanagementexperten eingeladen, die Ausbildung zu beaufsichtigen, womit ihrem Personal ermöglicht wird, Zugang zu fortschrittlichen ausländischen Kulturkonzepten verschafft wird.

Mit einem Managementsystem, das das Projektmanagement im Fokus hat und auf der Personalbewertung basiert und sich durch ein „digitales Nervensystem“ der unabhängigen Entwicklung auszeichnet, ist die CVIC SE von der IPMA als die erste Projektmanagement-Testeinheit in China registriert worden. Der CVIC SE-Vorstandsdirektor und -Präsident Jing Xinhai ist einer der ersten drei chinesischen Chefbewerter für die Beglaubigung der Projektmanagementfähigkeit, die von der IPMA anerkannt worden sind. Mit mehr als 10 Projektmanagern, die die IPMA-Beglaubigung bestanden haben, kann das Unternehmen sich der größten Anzahl von Angestellten mit einem IPMA-Zertifikat in China rühmen.

Dr. Liu Jiren, Vorsitzender und Generaldirektor der NEUSOFT Group Ltd., einer großen chinesischen Software-Firma, wird der geplante NEUSOFT International Software Park Software-Entwicklungsprojekte, anvertraut von japanischen Unternehmen, durchführen. Das Informationstechnologie-Institut von NEUSOFT in der nordchinesischen Stadt Dalian wird mit japanischen Unternehmen in Sachen Personalausbildung kooperieren, um hoch- und mittelversierte Software-Entwicklungsfachkräfte, die imstande sind, in beiden Ländern zu arbeiten, auszubilden.

Die chinesische Rising Technology Co. Ltd. hat ihre Antivirus-Software in Japan auf den Markt gebracht. Dies ist nicht nur ein Zeichen, dass Chinas Software für die Allgemeinnutzung in den internationalen Markt eingetreten ist, sondern auch ein Signal, dass die chinesische Software-Industrie letztendlich begonnen hat, Markennamen und unabhängige Urheberrechte zu benutzen, um ihr Image im internationalen Markt aufzubauen.

Chinas Software-Sektor diskutiert seit einiger Zeit, ob dem indischen Modus, sich mit seinen billigen Arbeitskräften und seinem riesigen Software-Arbeiter-Kontingent zu einem „globalen Software-Verarbeitungsplaneten“ zu entwickeln, gefolgt werden sollte. Der Generalmanager von Rising Liu Xu bemerkte, dass die Firma ihren Markennamen nicht nur im japanischen Markt etablieren werde, sondern im ganzen internationalen Markt. „Wir werden den Respekt unsere Counterparts im internationalen Markt gewinnen“, so Liu.