Die USA werfen ein gieriges Auge auf Westafrikas Erdöl

Afrikas Rohöl macht zur Zeit 15% des gesamten Erdölimports der USA aus und soll bis zum Jahr 2015 24% erreichen.

Von Dai Yan

Die Länder südlich der Sahara entlang der Küste des Guinea-Golfs in Westafrika sind reich an Erdöl. Nigeria, Kamerun, Äquatorial-Guinea, Gabun, Angola und das Binnenland Tschad teilen diese Ressourcen. Der tägliche Rohölausstoß dieser Region beträgt zur Zeit 4,5 Mio. Barrel, was den gesamten Tagesausstoß Irans, Venezuelas und Mexikos überschreitet. Die Erdölindustrie dieser Region hat vielversprechende Aussichten.

Die USA sind der weltweit größte Erdölkonsument. Um ihre Erdölversorgungssicherheit zu gewährleisten, haben sie versucht, durch die Kontrolle über die Erdölproduktion und den -transport im Nahen Osten, im Persischen Golf, in Zentralasien und am Kaspischen Meer die Diversifizierung der Ressourcen zu realisieren. Sie haben jetzt begonnen, den afrikanischen Ländern südlich der Sahara große Aufmerksamkeit zu schenken. Während sie sich darauf vorbereiten, den Irak anzugreifen, und da die Situation im Nahen Osten turbulent bleibt, intensivieren die USA riesige Geldsummen in die Erschließung Afrikas Erdöls. Durch die Kontrolle Afrikas Erdöl könnten sie ihre Abhängigkeit von den Golf-Erdölproduzenten wie Saudi Arabien reduzieren, ein wichtiger Faktor, da die Beziehungen zwischen den USA und Saudi Arabien sich nach den Terroranschlägen vom 11. September angespannt haben.

Afrikas Rohöl macht momentan 15% des gesamten Ölimports der USA aus, und dieser Anteil wird weiter steigen. Nigeria, der größte Ölproduzent unter den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, ist weltweit der sechstgrößte Erdölexporteur mit einem Tagesausstoss von 2,2 Mio. Barrel. Es rangiert an 5. Stelle des Erdölexports in die USA, die pro Tag 900 000 Barrel aus Nigeria importieren. Es wird erwartet, dass Nigeria bis zum Jahr 2007 einen Tagesausstoß von 3 Mio. Barrel haben wird. Angola hat einen Tagesausstoß von nahezu 1 Mio. Barrel und dieser Tagesausstoß wird sich bis zum Jahr 2007 wahrscheinlich verdoppeln, womit es der neuntgrößte Erdöllieferant der USA sein wird. Äquatorial-Guineas Erdölausstoß steigt ebenfalls in großem Maße, und die vor kurzem entdeckten Off-Shore-Erdölressourcen haben weltweit die Aufmerksamkeit von Erdölgesellschaften erregt. Das größte Investmentprojekt der USA in dieser Region ist die 660 Meilen lange Transportpipeline zwischen dem Tschad und Kamerun mit einem Wert von 3,5 Mrd. US$, die im Jahr 2004 fertiggestellt werden soll. Bis dahin wird der Tagesausstoß des Tschads 225 000 Barrel erreichen. Erdöl ist ebenfalls im Kongo, in der Elfenbeinküste, in Namibia und Mauretanien entdeckt worden. All dies ist für die USA von großem Interesse.

Das US-Energieministerium wird im Jahr 2003 10 Mrd. US$ in die afrikanische Erdölindustrie investieren. Schätzungen des Nationalen Sicherheitsrats der USA zufolge wird Afrikas Erdöl eines Tages 25% des gesamten Erdölimports der USA ausmachen, was die gesamte Importmenge von der Golf-Region überschreiten wird. Ein Beamter des US-Erdölsektors sagte, dass Westafrika spätestens Mitte des 21. Jahrhunderts auf dem Welt-Erdölmarkt ein wichtigerer Exporteur als Russland werden werde. Eine saudiarabische Zeitung berichtete, dass Afrika den Platz des Nahen Ostens als ein wichtigerer Erdöllieferant der USA einnehmen werde.

Afrikas Rohöl weist einzigartige Überlegenheiten auf, darunter eine hohe Qualität und ein leichter Zugang. Der größte Teil des afrikanischen Erdöls liegt im Meeresbett des Atlantiks oder kurz vor den Küsten Westafrikas. Geographisch gesehen, ist es sehr günstig für die USA, dieses Öl zu transportieren, hinzu kommt, dass die westafrikanischen Länder, die die riesigen Erdölressourcen teilen, keine historischen Beziehungen haben, und es unwahrscheinlich ist, dass sie ein gemeinsames Embargo gegen die USA durchführen werden. Darüber hinaus ist unter diesen Ländern nur Nigeria ein Mitglied der Organisation der Erdölexportländer (OPEC). Dies bedeutet, dass Afrikas neue Erdölproduktion von keiner Union beschränkt wird. Kein Rivale kann den USA bei der Gewinnung Afrikas Erdöl Konkurrenz machen. All dies ist für die Supermacht von großer und weitreichender strategischer Bedeutung.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September legte die Lobby der amerikanischen Erdölindustrie dem Kongress und der Bush-Administration ein sogenanntes Weißbuch vor, worin sie sich dafür einsetzte, den Guinea-Golf als eine Region von wichtigem Interesse für die USA zu betrachten, und vorschlug, dort US-Truppen zu stationieren und militärische Hauptquartiere einzurichten. US-Energieminister Spencer Abraham sagte im Komitee für Internationale Beziehungen des Repräsentantenhauses im Juni, dass Afrika in der US-Energiesicherheit eine zunehmend wichtigere Rolle spiele. Der Assistent des US-Außenministers, der für die afrikanischen Angelgenheiten verantwortlich ist, äußerte, dass Afrikas Erdöl für das Land von strategischer Bedeutung sei. Ein US-Kongressabgeordneter äußerte, dass Afrika das weltweit größte Erdöllagergebiet werden werde, und dass die USA mit diesem Kontinent Sicherheitsbeziehungen aufnehmen sollten. Der US-Kongress und das Pentagon haben Themen hinsichtlich der Verstärkung des militärischen Austausches mit Afrika und der Etablierung einer militärischen Basis diskutiert, die angeblich auf dem Inselstaat São Tomé und Principe im Golf von Guinea liegen soll.

Afrika war einst ein Kontinent von geringer Wichtigkeit in der amerikanischen Diplomatie. In den 1990er stockte die Clinton-Administration ihr Investment in Afrika auf und verstärkte den Handel mit Afrika, betrachtete dieses jedoch niemals als strategisch wichtig. Mit seinen reichen Erdölressourcen steigt Afriks Stellung jetzt in den Augen der Entscheidungsmacher Washingtons kontinuierlich und wird ein neuer strategischer Ort in der US-Globalstrategie werden. Daher hat die US-Regierung ihren Kontakt mit Afrika intensiviert. Nach dem Gipfeltreffen der Gruppe 8 verkündete US-Präsident George W. Bush, dass die USA für Afrikas Bildungs- und Gesundheitswesen Millionen US$ bereitstellen würden. In diesem September traf Präsident Bush in den Vereinten Nationen mit 10 afrikanischen Staatsführern zusammen und forderte diese auf, sich an einige Waffenstillstandsabkommen zu halten sowie sich der Anti-Terrorimus-Kampagne anzuschließen, und verkündete seinen Afrika-Besuch Anfang des nächsten Jahres.

US-Außenminister Colin Powell besuchte im August einige Afrikas ölproduzierender Länder, darunter Angola und Gabun, und nahm an der Gründungszeremonie der amerikanischen Botschaft in Angola teil. Am 16. September hielt Powell eine Rede in der UNO über den neuen Plan für die Entwicklung einer Partnerschaft mit den afrikanischen Ländern. Ein US-Beamter für Afrikanische Studien äußerte, dass die Regierung die Notwendigkeit der stärkerer Berücksichtigung der afrikanischen Angelegenheiten erkannt habe.

In einem Artikel der New York Times hieß es kürzlich, dass die Bush-Administration Afrika einen Heiratsantrag mache, um an dessen Aussteuer – Erdöl – zu gelangen. In der Tat machen die USA dies auf eine verstohlene Weise, um so die Opposition ihrer Alliierten im Nahen Osten und den Argwohn anderer Länder zu vermeiden. Während der Zusammenkunft mit afrikanischen Staatsführern sprachen die amerikanischen Beamten wenig über Erdöl und mehr darüber, wie regionale Konflikte zu beenden seien, über die Bekämpfung der Korruption, die Verbesserung der Bildung und die Verstärkung der sozialen Dienstleistungen, um ihre wahren Absichten der Gewinnung des Erdöls in der Region zu decken und den OPEC-Einfluss zu reduzieren. Im Jahr 1995 trat Gabun aus der OPEC aus. Auch Nigeria überlegt momentan seinen Austritt. Dies wird die Kontrolle dieser Organisation über den Welt-Erdölmarkt in großem Maße schwächen. Eine wichtige Persönlichkeit in der amerikanischen Erdölindustrie gab zu, dass die USA eine langfristige Strategie hätten, die OPEC zu schwächen, und dass eine der Methoden zur Realisierung dieses Ziels sei, einigen Ländern zu raten, aus dieser Organisation auszutreten.

Afrika ist rückständig und afrikanische Länder hoffen, durch Erdöl ihre Wirtschaften zu entwickeln. US-Invesment in Afrika wird jedoch unvermeidlich zur Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten der Ölproduktionsländer, und zwar unter dem Vorwand von „Demokratie“, „Menschenrechten“ und „Anti-Terrorismus“, führen. Auf diese Weise können die USA ihre politische Kontrolle über afrikanische Länder intensivieren, was sicher zu Widersprüchen und Disputen führen wird. Gleichzeitig ist Afrika immer noch in politische und wirtschaftliche Turbulenzen und ethnische Konflikte verwickelt. Daher ist US-Investment in Afrika riskant, und die Sicherheit seines Erdölimports von Afrika ist problematisch.

Afrikas Erdöl werde zunehmend wichtiger für die amerikanischen strategischen Interessen, sagte ein Beamter des US-Forschungszentrums für Strategische und Internationale Studien. Das Problem sei, äußert er, wie groß die Wachstumsrate des Erdölausstosses sein werde, und wie die politische Haltung der USA gegenüber diesen Ländern die Erdölproduktion beeinflussen werde. Es gibt noch unbekannte Faktoren in den amerikanischen Beziehungen mit den afrikanischen Ländern, und die Entwicklung der Situation Westafrikas verdient, weiter beobachtet zu werden.