Warum ist Afrika ein neues Schlachtfeld geworden?

Die Terroristenanschläge in Kenia haben der Welt gezeigt, dass organisierte Terroristen nach wie vor, ihre geplanten Aufgaben ausführen, nur mit dem Unterschied, dass sie das Schlachtfeld nach Afrika verlegt haben.

Von Xiao Zan

Ein Hotel in israelischem Besitz in der kenianischen Küstenstadt Mombasa wurde am 28. November das Ziel einer Selbstmord-Autobombenexplosion, die 16 Menschenleben forderte, darunter auch die der drei Attentäter. Fast gleichzeitig entkam ein israelisches Passagierflugzeug, dass gerade in Mombasa gestartet war, um einige wenige Zentimeter ganz knapp einem Anschlag zweier Raketen.

Am 8. Dezember bekannte Bin Ladens Al Qaeda-Netzwerk sich in einer Erklärung auf ihrer Website zum ersten Mal für die Mombasa-Anschläge verantwortlich. Es wurden ebenfalls weitere Anschläge gegen die USA und Israel angekündigt. Die Erklärung warnte die Welt erneut, dass organisierte Terroristen nach wie vor ihre geplanten Anschläge ausführen, nur mit dem Unterschied, dass sie ihre Schlachtfeld jetzt nach Afrika verlegt haben.

Vor vier Jahren hatte Al Qaeda bereits zwei Terroranschläge in Afrika geplant und ausgeführt. Am 7. August 1998 wurde die US-Botschaft in Kenia in die Luft gejagt, wobei 219 Menschen ums Leben kamen, darunter 12 Amerikaner, und mehr als 5000 weitere verletzt wurden. Am selben Tag wurde ein weiterer Anschlag auf die US-Botschaft in Tansania, Kenias Nachbar und ein weiteres ostafrikanisches Land, verübt, wobei 12 Menschen getötet und 80 verletzt wurden.

Vier Jahre später waren wieder Explosionen zu hören. Warum ist Afrika ein neues Schlachtfeld geworden?

Ein westlicher Geheimdienst berichtete vor kurzem, dass es in Afrika fast keine offenkundigen Ziele gebe, wodurch es schwierig sei, Anti-Terror-Vorsichtsmaßnahmen auf bestimmte Plätze zu konzentrieren. Dass Afrika vergessen worden sei, sei offensichtlich ein Fehler, sagte er.

In den letzten Monaten haben die Geheimdienste mehr als 12 Terroristen in der Region südlich der Sahara verhaftet, die versuchten, Terroranschläge zu verüben, und gestanden haben, dass sie unter Leitung von Al Qaeda operierten. Aus Quellen hieß es, dass Bin Laden vier Jahre lang im Sudan gelebt habe, in denen er gut organisierte Terroristennetzwerke im Horn von Afrika aufbaute, indem er Vorteile aus dem lokalen Chaos und der dortigen lockeren Sicherheitssituation zog und die Sympathie und die Unterstützung der dortigen Moslems gewann.

Das Horn von Afrika hat eine große moslemische Bevölkerung arabischer Abstammung, was für Bin Laden ein günstiges Umfeld geschaffen hat, wieder zu Kräften zu kommen und Nachfolger zu rekrutieren. Anfangs ging Bin Laden nach Afrika, um Zuflucht zu suchen, später stellte er jedoch fest, dass das Gebiet der richtige Ort war, eine Hochburg zu bauen. Ein ägyptischer Experte für islamische Extremisten sagte, dass, kurz nachdem Bin Laden 1992 im Sudan angekommen sei, er seine leitenden Assistenten beauftragt habe, neue Mitglieder für sein Netzwerk in den Nachbarländern zu rekrutieren. Viele Araber, die in Afghanistan gegen die Sowjets gekämpft hatten, schlossen sich Al Qaeda an und wurden das Rückgrat dieser Organisation.

In einer Analyse über den Terrorismus wurde erklärt, dass Afrika ein ideales Umfeld für Terroristenorganisationen biete. Um einen erfolgreichen Anschlag durchzuführen, brauchen diese Organisationen Freiwillige, Trainingsstützpunkte, Waffen, Raketen und ein Ziel ohne effektiven Schutz. Diese Elemente können alle unschwer in diesem Kontinent gefunden werden.

Heute mangelt es vielen afrikanischen Ländern nach wie vor an Gesetz und Ordnung und sie haben eine große Anzahl von armen und unzufriedenen Menschen, die leicht Anhänger von terroristischen Organisationen werden. Darüber hinaus können Terrororganisationen ihre neuen Mitglieder dort relativ sicher ausbilden, ohne sich Sorgen darüber machen zu müssen, entdeckt zu werden. Lange Jahre des Krieges haben Afrika mit vielen modernen Waffen versehen. Außerdem zeigt die Explosion des Paradise Hotels in Mombasa, dass es Afrika nicht an „weichen“ Zielen fehlt.

„Viele afrikanische Länder haben eine schwache Regierung; sie haben keine besonders effektiven oder effizienten Grenzkontrollen“, sagte Susan Rice, Mitarbeiterin der Abteilung für afrikanische Angelegenheiten im Außenministerium während der Clinton-Administration. „In vielen afrikanischen Ländern ist es leicht, einen Pass zu bekommen und zu bearbeiten“, setzte Rice hinzu.

Im Zuge der Terrorexplosionen in Mombasa werden die USA Afrika enger im Auge behalten. Das Pentagon gab am 3. Dezember bekannt, dass es ein Sondereinsatzkommando für das Horn von Afrika einrichten werde, und zwar für Aufklärungsaufgaben und die Suche nach Al Qaeda-Mitgliedern, die sich im Jemen und in Somalia verstecken. Das Horn von Afrika, wie es vom Vorsitzenden der US-Stabchefs Richard B. Myers bezeichnet wird, umfasst den Sudan, Äthiopien, Dschibuti, Kenia, Somalia, Eritrea und den Jemen, ein Gebiet von wesentlicher strategischer Bedeutung, dass den Marinetransport zwischen dem Mittelmeer, dem Roten Meer und dem Indischen Ozean kontrolliert. Genanntes neues Militärkommando befindet sich zeitweilig auf einem US-Kampfschiff im Roten Meer und wird in zwei bis drei Monaten an Land gehen.

Myers warnte, dass das Horn von Afrika eine der Hauptdurchgangsgebiete für Terroristen geworden sei, ihr Personal, Waffen, Sprengstoffe und sogar Massenvernichtungswaffen zu transportieren. Er ist davon überzeugt, dass eine neue Runde von Terroranschlägen in dem Gebiet, wo Terroristen sich verbergen, sammeln, trainieren und Anschläge planen und organisieren können, in Planung ist. Angesichts dieser Tatsache schenken die USA diesem Gebiet nun größere Aufmerksamkeit und werden ihre Truppen dorthin schicken.

Während sie ihe Kooperation mit Kenia im Anti-Terrorismus-Feld stärken, sehen die USA vor allem Somalia als eine Gefahr und haben dieses zu einem Schlüsselstandort für US-Anti-Terroristenaktionen gemacht. Anfang 1991 war ein Bürgerkrieg in Somalia ausgebrochen, der das Land in Chaos versetzte und die UNO entschied, ihre Friedenstruppen dorthin zu entsenden. Ende 1992 schickte Präsident George H. Bush eine 25 000 Mann starke Truppe nach Somalia, die berühmte „Operation Restore Hope“. Es war jedoch in diesem afrikanischen Land, wo die USA ihrem Waterloo begegneten, als zwei ihrer Hubschrauber abgeschossen, 20 Soldaten getötet und 78 verletzt wurden. Noch schlimmer war, dass einige Somalis sogar die Leichen von einigen US-Soldaten durch die Straßen der somalischen Hauptstadt Mogadischu schleiften. Die Intervention der USA in Somalia war die wohl verheerendste seit dem Vietnam-Krieg. In Analysen heißt es, dass diese brennende Schande nicht aus dem Gedächtnis der Amerikaner gelöscht werden könne. In einer neuen Runde von Anti-Terroristen-Aktionen wird die Bush-Adminstration sich möglicherweise voller Hass rächen und Somalia als das nächste Ziel für US-Militärschläge festsetzen.