Ein harter Winter für Nordkorea

Hunger und Nahrungsmittelknappheit haben den Winter für die Nordkoreaner schwierig gestaltet und Sanktionen infolge der Nuklearkrise haben weiter zur Misere beigetragen.

Von Xiao Ding

Eine Kältewelle aus Sibirien wehte die Demokratische Volksrepublik Korea (DPRK) in einen ernsten Winter und trug noch mehr zur Misere deren Bürger, die bereits ausgehungert sind, bei. Die Mehrheit der 23 Mio. zählenden Bürger der DPRK sind mit Hunger und Nahrungsmittelknappheit konfrontiert und ihr Leiden könnte aufgrund der Konfrontation ihres Landes mit den USA und deren Alliierten noch schlimmer werden.

Seit 1994 ist die DPRK von Naturkatastrophen heimgesucht worden. Hochwasser und Dürren verursachten landesweit Nahrungsmittelknappheit. Die Hochfluten im August 1995 machten mehr als 100 000 Familien obdachlos und reduzierten den Getreideertrag des Landes um die Hälfte. Das Jahr 2002 wurde Zeuge der besten Ernte seit acht Jahren, dennoch reichte dies bei weitem nicht aus, um die Bevölkerung zu ernähren. In den letzten paar Jahren belief sich der durchschnittliche Getreideertrag des Landes auf 1,1 Mio. Tonnen, weitaus weniger als der Mindestbedarf von 2,4 Mio. Tonnen.

Die 2 Mio. Kinder der DPRK und 500 000 schwangeren bzw. stillenden Frauen sind wohl am meisten gefährdet. Fast die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren leidet unter langfristiger Mangelernährung und etwa 4 Mio. Schulkinder sind aufgrund der unausgeglichenen Ernährung für ihr Alter unterentwickelt, sowohl körperlich als auch geistig.

Fast ein Drittel der Bürger des Landes sind auf Hilfe der internationalen Gemeinschaft angewiesen, um zu überleben. Die vor kurzem erfolgte Kürzung der Hilfe hat die Nahrungsmittelknappheit weiter verschlimmert. Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen ist eine der wichtigsten internationalen Organisationen, die die DPRK mit Hilfe versorgen, die hauptsächlich an Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und 10 Jahren, schwangere und stillende Frauen, gebrechliche alte Bürger und die Opfer von Naturkatastrophen und der verheerenden Wirtschaft geht.

Japan lieferte 2001 durch das WFP 500 000 Tonnen an Nahrung an Nordkorea, 2002 erfolgte jedoch keine weitere Lieferung. Beobachtern zufolge steht dies in engem Zusammenhang mit den Streitigkeiten über die Entführung von japanischen Bürgern durch die DPRK vor 20 Jahren. Die Hilfe von den USA ging von 340 000 Tonnen 2001 auf 157 000 Tonnen 2002 zurück. Die USA stoppten ihren Nahrungsmitteltransport am 31. Dezember 2002 und erklärten, dass die Hilfe erst dann wieder aufgenommen werde, wenn die DPRK die Beseitigung des politischen Faktors  und des korrupten Vorgehens im Rahmen der Nahrungsmittelverteilung garantieren könne. Das WFP rief die Spender auf, 2003 510 000 Tonnen an Nahrungsmitteln an die DPRK zu liefern, bisher sind allerdings erst 35 000 Tonnen sichergestellt worden.

Der geschäftsführende Direktor des WFP James T. Morris warnte, dass die Organisation ihre Hilfe an das Land ab dem 1. April einstellen zu haben werde, wenn die drei Hauptspender, die USA, Japan und die Republik Korea (ROK), nicht in der Lage sein würden, die Spenden wieder zu aktivieren.

Darüber hinaus werden 18 Fabriken, die vom WFP unterstützt werden, aufgrund des Mangels an Spenden, darunter Mehl, Milchpulver, Vitamine und Mineralien, vielleicht geschlossen werden. Diese Fabriken planten jährlich 5 Tonnen Nahrungsmittel für mangelernährte Frauen und Kinder zu produzieren. Die eventuelle Schließung wird zusätzliche Nahrungsquellen für diese schwache Gesellschaftsgruppe kürzen.

Morris Strong, ein Sondergesandter des UN-Generalsekretärs Kofi Annan für humanitäre Hilfe in die DPRK, äußerte am 14. Januar, dass bereits vor der Nuklearkrise die Nahrungsmittelspenden und humanitäre Hilfe der internationalen Gemeinschaft an die DPRK ungenügend gewesen seien. Das gegenwärtige Patt macht die Situation noch schwieriger.

Hunger ist seit langem ein Schwachpunkt der DPRK gewesen, der von anderen Ländern ausgenutzt wurde, um politischen Druck auszuüben.

Die Bush-Administration verhängte zusätzliche Sanktionen, eine „zugeschnittene In-Schachhaltung“, der zufolge die DPRK solange sie nicht ihr Nuklearprogramm aufgibt, zusammenbrechen wird. Darüber hinaus versuchen die USA Druck auf die Nachbarländer Nordkoreas auszuüben, die Wirtschaftsbeziehungen mit Nordkorea zu reduzieren. Der UN-Sicherheitsrat hat mit Wirtschaftssanktionen gedroht und die US-Navy wird ausfahrende Raketentransportschiffe abfangen, um die Einnahmequellen der DPRK zu kürzen.

Japan zieht ebenfalls Wirtschaftssanktionen in Betracht, um Schwachpunkte der US-Politik auszubessern. Die USA können politischen Druck auf die DPRK ausüben, in Sachen Handel hat jedoch Japan eindeutig mehr Einfluss. Japans Wirtschaftspolitik kann die Strategie der „internationalen Einkreisung“ perfektionieren.

Die japanische Regierung wird wahrscheinlich durch die Aussetzung gewisser Handelsgeschäfte, der Beschränkung der Höhe der Überweisungen an die DPRK usw. Druck auf die DPRK ausüben. Ersten Schätzungen der japanischen Regierung zufolge gibt es mehr als 120 000 Nordkoreaner in Japan und diese überweisen jährlich bis zu 200 Mrd. Yen (fast 1,67 Mrd. US$) an die DPRK. Zweifelsohne hilft dieses Geld der DPRK-Wirtschaft. Jedes Jahr besuchen etwa 50 000 Nordkoreaner aus Japan, die durch die japanische Hafenstadt Niigate in die DPRK einreisen, ihre Heimat und bringen Geld mit, das sie in Japan verdient haben. Wenn Japans neue Wirtschaftspolitik weiter fortgeschritten sein wird, wird die japanische Regierung wahrscheinlich die Niigata-DPRK-Seeroute streichen. Die DPRK hat großen Nutzen aus den Überweisungen ihrer Bürger in Japan gezogen, daher werden diese Maßnahmen großen Druck ausüben.

Die ROK-Regierung war stets großzügig mit ihren Getreidespenden an die DPRK gewesen. Der neu gewählte Präsident Roh Moo Hyun erklärte, dass er Kim Dae Jungs „Sonnenschein-Politik“ fortsetzen werde, im Dezember 2002 weigerten sich ROK-Hafenarbeiter aus Protest gegen Pjöngjangs Entscheidung, seine Nuklearreaktoren wieder zu starten, jedoch 5000 Tonnen Reis, die an die Nordseite der Koreanischen Halbinsel gespendet worden, war, aufzuladen.

US-, japanische und ROK-Sanktionen anstatt Hilfe zur Lösung der Nuklearkrise könnten die DPRK zwingen, einen noch härteren Standpunkt einzunehmen. In einem am 7. Januar herausgegebenen Kommentar kritisierte die Koreanische Zentrale Nachrichtenagentur der DPRK die Versuche der USA, wirtschaftliche Sanktionen zu verhängen und äußerte, dass Sanktionen als eine Art Kriegsvorgehen betrachtet werden würden. Es hieß weiter, dass das US-Abfangen von DPRK-Schiffen, die in normalen internationalen Handel involviert seien, in der Arabischen See ein Teil der Politik der „zugeschnittenen In-Schachhaltung“ der USA sei, was in der Tat darauf abziele, vollständige Wirtschaftssanktionen zu verhängen, und die DPRK zu isolieren und in Schranken zu halten. Es hieß, dass die USA sich um einen Dialog mit der DPRK bemühen sollten und nicht um Krieg; ansonsten würden sie einen hohen Preis für ihre unbesonnenen Taten bezahlen.

Falls die gegenwärtige Nuklearkrise weiter eskalieren sollte, werden alle betroffenen Länder einen hohen Preis zahlen. Mit seiner gegenwärtigen Nahrungsmittelkrise werden die Nordkoreaner allerdings feststellen, dass sie mit den noch größeren Schwierigkeiten in diesem brutalen Winter konfrontiert sind.